Biotop-PflegeWie zwei Wasserbüffel bedrohte Frösche retten

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Die Wasserbüffel-Damen Troja und Yara werden auf dem Gilchinger Flächennaturdenkmal als Landschaftspfleger eingesetzt. Sie halten den Tümpel frei und erhalten damit einen wichtigen Lebensraum für Amphibien.
Die Wasserbüffel-Damen Troja und Yara werden auf dem Gilchinger Flächennaturdenkmal als Landschaftspfleger eingesetzt. Sie halten den Tümpel frei und erhalten damit einen wichtigen Lebensraum für Amphibien. (Foto: Arlet Ulfers)

Die Tiere grasen auf dem Gilchinger Flächennaturdenkmal und halten den Tümpel offen, damit er weiterhin seltenen Amphibien Lebensraum bietet. Landwirt Korbinian Kasper zeigt, wie sie arbeiten.

Von Patrizia Steipe, Gilching

Schon von weitem haben Toya und Yara die beiden erspäht. Kaum erreichen Michael Kasper und sein Sohn Korbinian die eingezäunte Weide, traben die Tiere heran und stoßen Laute aus, die wie Grunzen klingen. Toya und Yara sind Wasserbüffel, genauer: italienische Hausbüffel. Vor drei Jahren hat Michael die Kälbchen bei einem niederbayerischen Züchter auf den Kasper-Hof in Gilching (Kreis Starnberg) geholt. Sie sollen das Verlanden des Biotops „Toteisloch“ verhindern – eine Senke, die beim Schmelzen eines Eisblocks nach der Eiszeit entstand. Es ist die erste Beweidung mit Wasserbüffeln im Landkreis Starnberg. Europaweit werden diese Tiere schon lange zur Biotoppflege genutzt.

Mit ihrem glänzend schwarzem Fell, den großen dunklen Augen und den gebogenen Hörnern sind die rund 600 Kilogramm schweren Tiere ein imposanter Anblick. Neugierig und aufmerksam seien sie, und viel intelligenter als Kühe. „Ich mag sie einfach“, sagt Michael. „Sie sind richtig süß“, ergänzt Korbinian und tätschelt Yara am Rücken.

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Kurz darauf kommt auch Großvater Wolfgang Kasper ans Gatter. Der 80-jährige Landwirt imitiert die Grunzlaute, die Tiere antworten. Kasper Senior und Toya scheinen sich besonders gut zu verstehen. „Sie lässt sich nur von ihm kraulen“, sagt Korbinian. Yara schmiegt sich derweil an ihn und fordert weitere Streicheleinheiten. „Hinter den Ohren oder unter dem Kinn mag sie es besonders“, erklärt er. Schmusetiere sind die Wasserbüffel trotzdem nicht. Mit ihrem Gewicht könnten sie einen umwerfen, wenn sie zu ungestüm werden. Michael Kasper ist seit einem Unfall nicht so gut auf den Beinen und hält sich deswegen lieber am Weidezaun fest.

Die Kaspers bewirtschaften ihren Hof in Rottenried, einem Ortsteil von Gilching, seit drei Generationen. Neben rund 400 Schafen, darunter vom Aussterben bedrohte Rassen wie das Coburger Fuchsschaf, gibt es Hühner, Ziegen und einen Hund. Die besonderen Lieblinge der Familie sind aber die Wasserbüffel.

Der elektrische Zaun in der Mitte durch die Wasserstelle zeigt, welche Ergebnisse die Beweidung mit Wasserbüffeln erzielt.  Links ist der Tümpel freigefressen, auf der unzugänglichen Seite rechts schon weitgehend verbuscht und verlandet.
Der elektrische Zaun in der Mitte durch die Wasserstelle zeigt, welche Ergebnisse die Beweidung mit Wasserbüffeln erzielt.  Links ist der Tümpel freigefressen, auf der unzugänglichen Seite rechts schon weitgehend verbuscht und verlandet. (Foto: Arlet Ulfers)

Die Gemeinde als Eigentümerin des Biotops, die Pöckinger Stiftung „Ways of the Wild“ und Familie Kasper setzen die Büffel als natürliche „Landschaftspfleger“ ein. Denn das sogenannte Flächennaturdenkmal ist bedroht. „Die Wasserflächen waren schon fast ganz zugewachsen“, erinnert sich Korbinian. Dabei brauchen die seltenen Amphibien wie Laubfrosch und Kammmolch die Nässe zum Überleben.

„Dieses Projekt sehen wir als Startpunkt für eine Biotopvernetzung im Gemeindegebiet. Wir hoffen, dass wir zukünftig weitere Flächen in unsere Naturschutzweide integrieren können“. Das erklärt Harald Huber von der Stiftung „Ways of the Wild“, die sich für Biodiversität einsetzt, in einem Schreiben. Im Frühjahr möchte er erste Ergebnisse vorstellen. „Wir wollten bereits vor drei Jahren anfangen“, sagt Michael Kasper. Doch bevor die Tiere auf das umzäunte Areal konnten, mussten zahlreiche Gutachten zu Naturschutz, Wasserrecht und Tierschutz erstellt werden. Christine Hammel, in der Gemeinde Gilching für Umweltfragen zuständig, hat zwei Jahre Vorarbeit geleistet, drei weitere kamen hinzu, bis endlich das Okay von den Behörden kam.

Familien-Projekt: Die Landwirte Michael und Korbinian Kasper (von links) kümmern sich liebevoll um die Tiere.
Familien-Projekt: Die Landwirte Michael und Korbinian Kasper (von links) kümmern sich liebevoll um die Tiere. (Foto: Arlet Ulfers)

Im September sind Toya und Yara endlich von ihrer Koppel am Bauernhof auf die neue Weide am Waldrand gezogen. Sie haben sich schnell eingelebt. Der Auslauf bietet eine große Wiese, ein Waldstück und fünf kleine Tümpel. Die Büffel finden Schatten, Gras und Wasser, durch das sie gerne stapfen. Während Menschen bei jedem Schritt im Morast versinken, kommen die Tiere mit ihren breiten Hufen mühelos voran. „Sie haben damit breitere Aufstellflächen und sinken deswegen nicht ein“, erklärt Korbinian Kasper.

Außerdem lieben sie das Wasser. Der Landwirt zeigt ein Handyvideo, auf dem die Wasserbüffel durch einen Tümpel waten. Oft legen sie sich sogar ganz hinein und machen damit ihrem Namen alle Ehre. Mit ihren Hörnern reißen sie beim Suhlen den Bodenfilz auf, Schilf und Binsen werden zurückgedrängt. „Manchmal hängt lauter Grünzeug in ihren Hörnern“, lacht Korbinian. „Das ist gut, so halten sie das Wasserloch offen.“ Auf der Oberfläche einer größeren Pfütze huschen Wasserläufer, eine Libelle schwirrt vorbei. Für die Laubfrösche ist es bereits zu kalt, und auch die Blindschleichen sind schon in ihrem Winterversteck.

Wasserbüffel Gilching

Korbinian stapft über den unebenen matschigen Untergrund zu einer weiteren Wasserstelle, die in der Mitte mit Pflöcken markiert ist. Die Tiere kommen nur auf einer Seite ans Wasser, die andere ist durch einen Zaun abgetrennt. So hat man einen „Vorher-nachher-Vergleich“. Bereits jetzt zeigen sich erste Erfolge. „Die linke Wasserfläche ist viel größer geworden. Die rechte droht zu verlanden“, erklärt der Landwirt. Während das eingezäunte Biotopstück dicht bewachsen ist, haben die Wasserbüffel auf der anderen Seite kräftig gearbeitet. „Sie machen genau das, was sie sollen“, lobt Korbinian. Der Boden ist locker, der Filz aufgelöst. Schon jetzt sprießen kleine Pflanzen, die endlich Licht haben. „Ich bin gespannt, was da im Frühjahr alles wächst.“ Ob und wie erfolgreich die Wasserbüffel sind, prüfen Biologen in einem begleitenden Monitoring. An diesem Nachmittag bleiben Toya und Yara lieber auf der Wiese. Korbinians Schwester Vroni ist mit ihrem Freund Dani auf dem Quad an den Zaun gerollt. Das ist für die Wasserbüffel interessanter. Sie grunzen aufgeregt und traben ihnen entgegen.

Für Spaziergänger, die an der Weide vorbeikommen, sind die Wasserbüffel eine Attraktion. Immer wieder werden die Kaspers darauf angesprochen. Am Weg möchten sie deswegen bald eine Sitzbank aufstellen. „Aber bitte nicht füttern. Sonst können die Tiere krank werden“, mahnt Korbinian. Er selbst besucht die Wasserbüffel jeden Tag. „Ich bin gerne hier. Das ist meine Mittagspause.“

Wenn das Monitoring gut ausfällt, dann stehen vielleicht bald weitere Wasserbüffel auf den Feuchtgebieten im Landkreis. Michael Kasper sucht bereits nach einem Leihbullen für die Nachzucht. Er hatte schon einen Kandidaten im Blick, aber der war zu wild. Jetzt hofft er auf einen mit „schmusigem Gemüt“, damit es bald neue Kälbchen gibt.

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