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Gilching:Von den Römern bis zu den Bajuwaren

Ortsarchivarin Annette Reindel verdeutlich durch gelbes Papier, wie sie sich die neuen Räume im Gilchinger Werson-Haus vorstellt.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der Verein "Zeitreise" wandelt auf den Spuren der Gilchinger Historie. Im März 2017 soll das Ortsmuseum eröffnet werden

An den Wänden und auf dem Fußboden kleben ausgeschnittene Umrisse aus gelben Krepppapier, Holzplatten stapeln sich an der Seite, und mittendrin versuchen Ortsarchivarin Annette Reindel und Manfred Gehrke vom Verein "Zeitreise Gilching" dem Ganzen eine Struktur zu geben. Nachdem die Gemeindeverwaltung ins neue Rathaus gezogen ist, wird im Obergeschoss des Werson-Hauses mit Hochdruck gearbeitet. Im März 2017 soll das Ortsmuseum an der Brucker Straße eröffnen: "Schichtwerk" wird es heißen.

Der Name ist ein Wortspiel und nimmt Bezug auf den verstorbenen Hobbyheimatforscher Rudi Schicht. Er hat einige Bücher zur Geschichte Gilchings verfasst. Außerdem ist der Name eine Anspielung auf die vielen Erdschichten, in denen Spuren der Besiedlung Gilchings aus verschiedenen Zeitepochen nachgewiesen werden konnten. Das Konzept der Dauerausstellung steht schon fest. Es wurde gemeinsam mit einem Archäologen vom Landesamt für Denkmalpflege und dem Zeitreiseverein, der früheren Gesellschaft für Archäologie und Ortsgeschichte Gilching, entwickelt.

Reindel weiß schon genau, was einmal wo hängen oder stehen soll. Das Krepppapier dient vorerst als Platzhalter. "Die Römerstraße ist der rote Faden durch die Ausstellung, denn sie zieht sich bis heute durch den Ort", erklärt die Archivarin. Schwerpunkt ist das erste Jahrtausend, der Übergang von der römischen Herrschaft zu den bajuwarischen Herzögen. "Gilching lag an der Römerstraße von Augustua Vindelicum, dem heutigen Augsburg, bis nach Iuvavum (Salzburg)".

Im Museum wird es einiges zu entdecken geben: Repliken und Originale aus den Gräberfeldern, den spätrömischen und frühmittelalterlichen Siedlungsresten. Sie liegen in Vitrinen mit Schubladen, die man aufziehen kann. Ein Stück Straßendamm soll im Ausstellungsraum aufgeschüttet werden, "mit echter Erde aus der Römerstraße", so Reindl. Auch hier finden die Besucher Schubladen. In einer liegen Scherben aus dem Mittelalter, in einer anderen eine Cola-Dose aus den 60er Jahren. Besonders stolz ist der Verein über die seltene Caligula-Münze, die passenderweise beim Bau der Raiffeisenbank gefunden worden war. An der Wand wird ein Monitor in Dauerschleife verschiedene Ansichten der Römerstraße zeigen. "So kann man sich die Zeitschichten verdeutlichen", weiß Reindel. Seit der Römerzeit wurde die Straße immerhin durch Verdichtungen und Aufschüttungen um zwei Meter erhöht.

Es wird auch ein Wiedersehen mit "Kilti", dem "Kilterich", und der "Kiltine" geben. Deren Skelette waren bei Bauarbeiten im Ort entdeckt worden. Schwerter, Schildbuckel und der Gürtel mit seinen Metallverzierungen sind restauriert und kommen in eine Vitrine. Wie die Bajuwaren, mit den Spitznamen aus heutiger Zeit, damals gelebt haben, zeigt ein Film. "Der Bajuwarenverein Aschheim hat typische Alltagssituationen nachgespielt", erklärt Reindel. Und auch verschiedene Handwerkskünste werden vorgeführt. Eine Raumsituation mit gestampften Lehmboden und Weidengeflecht soll den Besuchern eine Vorstellung von den der damaligen Handwerkersiedlung am Biburger Weg geben.

Die Gemeinde stellt die Räume für das Museum zur Verfügung. Es gibt außerdem Zuschüsse vom Landesdenkmalamt. Bei der Ausstattung ist aber Eigeninitiative gefragt. Die Vitrinen, Schubladen und Schautafeln wollen die Mitglieder des Zeitreise-Vereins selber zusammen bauen. Dazu müssen Texte für die Schautafeln und den Katalog geschrieben und die Objekte für die Mitmachstationen entworfen werden. Das Ortsmuseum soll kein "langweiliger Ort" sein, versichert Reindel. Repliken von Originalen sollen ausprobiert und angefasst werden können: Eine kleine Öllampe, ein Kästchen mit einem römischen Schiebeschlüssel, eine Perlenkette sowie Schwert, Sax und Schild. Daneben gibt es Multimediaangebote. Der Audioguide, der durch die Zeiten führt, ist bereits fertiggestellt.