Als das Gespräch auf seine Krankheit kommt, steht Salonyi Ohly auf und holt sein Attest. Es ist einfacher, den Brief zu zeigen, als über den Google-Übersetzer zu erklären, was ihm fehlt. Der Arzt hat mehrere Befunde aufgelistet, Diabetes Typ 1 und eine chronische Nierenkrankheit. Jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag muss Ohly deshalb in ein Münchner Klinikum zur Dialyse. Mehrere Stunden nimmt das in Anspruch. Zeit, in der er die neue Sprache lernen könnte. Deutschkenntnisse gelten als Schlüssel für die Integration.
Aber Ohly muss diese Zeit anders nutzen. Zudem schwächt ihn die Krankheit auch abseits der Dialyse. Er kann nicht arbeiten. Seine Frau Olena muss sich verstärkt um die Kinder kümmern, auch sie hat deshalb weniger Zeit, sich auf das Leben in Deutschland zu fokussieren. Das alles macht es für die Familie neben all den übrigen Herausforderungen, vor denen Geflüchtete hier ohnehin stehen, noch einmal schwerer. "Die Familie ist ein absoluter Härtefall", sagt Ralf Weiler vom Rotary Club Wörthsee, der die Familie ehrenamtlich unterstützt.
Erst wollten sie in Odessa bleiben. Dann brach die medizinische Versorgung zusammen
Salonyi und Olena Ohly, 28 und 26 Jahre alt, und ihre beiden Kinder Mark, 4, und Alex, 7, kommen aus Odessa. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine wären sie trotz allem geblieben. Aber irgendwann ging es nicht mehr. Die medizinische Versorgung in der Stadt ist nach den Angriffen des russischen Militärs zusammengebrochen, Salonyi Ohlys Versorgung war nicht mehr gewährleistet. Alex, den Größeren, mussten sie zunächst bei Verwandten zurücklassen. Später hat ihn Olena Ohly nachgeholt, mit dem Bus nach Odessa und zurück. Die Tickets hat Weiler bezahlt.
Im August ist die Familie nach Deutschland gekommen. Seitdem fährt Ohly dreimal die Woche nach München. Neben der Zeit kostet ihn das auch Geld: Die kostenlose Fahrkarte, die Geflüchtete bekommen, reicht nicht für die Strecke. Ohly spricht etwas auf Ukrainisch in sein Handy. "Ich gebe viel Geld für Tickets aus", kommt es aus dem Lautsprecher. Geld, das er lieber für seine Kinder ausgeben würde - und für die Einrichtung.
Die Ohlys haben eine kleine Wohnung in Gilching bezogen. Eine Küche mit Essbereich, Schlaf- und Kinderzimmer. Aber für richtige Möbel hat bislang das Geld nicht gereicht. Das Sofa ist abgewetzt, um den Esstisch herum stehen Plastikstühle. Ein Schreibtisch wäre gut, sagt Mutter Olena. Der siebenjährige Alex geht in die Schule, er braucht einen Platz, an dem er seine Hausaufgaben machen kann.
Den Eltern fehlt das Geld für ein Weihnachtsgeschenk
Auch ein Schrank fehlt. Und sie brauchen warme Kleidung. "Als wir kamen, war es warm", sagt Salonyi Ohly. Die Familie konnte nicht viel mitnehmen, also blieben die Winterjacken in Odessa. Sie hatten ja gehofft, bald wieder zurück zu können. Überhaupt - der Gedanke an zuhause ist nach wie vor da. "Wir freuen uns, wenn alles gut wird und wir abreisen können", erklärt Salonyi Ohly.
Zu Weihnachten würden er und Olena Ohly ihren Kindern gerne ein paar Geschenke machen. Alex etwa wünscht sich ein neues Fahrrad, das alte ist kaputt gegangen. In die Schule könnte er zwar auch zu Fuß gehen. "Aber hier in Deutschland fahren alle Kinder mit dem Fahrrad zur Schule", erklärt Salonyi Ohly. Es wäre schön, wenn sein Sohn mit ihnen fahren könnte.
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