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Scooter- und Skateboardcontest:Die Überflieger von Gilching

Beim neunten Scooter- und Skateboardcontest wetteifern 70 Kinder und Jugendliche in Gilching um Sachpreise, Gutscheine und sogar einen Sponsorenvertrag. Dabei begeisterten sie mit Saltos, Drehungen und Flips.

Kreuz und quer sausten am vergangenen Wochenende rund 70 Jugendliche und Kinder auf Tretrollern und Skateboards durch den Skatepark auf der Gilchinger Glatze. Der eine schleuderte im Flug die Trittfläche seines Rollers durch die Luft, während der andere, nur eine Armlänge entfernt, an ihm vorbeiglitt. Eine feste Regel - wer, wann, wo langfahren darf - war für Außenstehende nicht zu erkennen. Aber einer scheinbar geheimen Choreografie folgend wurde sich weggeduckt, ausgewichen und überholt. Und so kam es in der gesamten Aufwärmphase zu keinem einzigen Zusammenstoß. Als der Moderator dann um 12 Uhr den ersten Run ankündigte, verlagerte sich das bunte Chaos rollend hinter die Bodenmarkierungen, welche die Grenzen der befahrbaren Fläche beim neunten Gilchinger Scooter- und Skateboard-Contest festlegten. Endlich ging der Wettbewerb los.

Bei der zweitägigen Veranstaltung traten am Samstag 45 Rollerfahrer und tags darauf 28 Skateboarder in verschiedenen Altersklassen an. Die jüngsten von ihnen waren gerade einmal fünf Jahre alt. Im Vergleich zum Vorjahr waren es deutlich weniger Skateboarder. Veranstalter Markus Burgstaller sah den Grund für ihr Fernbleiben im dürftigen Zustand der Anlage. Die Geräte seien veraltet und der Asphalt zu rau: "Da muss man halt, wie bei Fußballplätzen auch, gelegentlich mal etwas in die Pflege investieren", bemängelte der 47-Jährige.

Bei so spektakulären Sprüngen, wie sie der 14 Jahre alte Innsbrucker Michael zeigte, ist ein Sturzhelm Pflicht

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Rollerfahrer zeigten sich vom Zustand der Anlage indes unbeeindruckt und präsentierten in ihren jeweils einminütigen Runs waghalsige Kunststücke. Drei Preisrichter bewerteten die Tricks nach Höhe, kreativer Nutzung des Parcours und Schwierigkeit. Gewertet wurden nur jene Tricks, die auch gestanden wurden.

Als besonderen Anreiz hatte Burgstaller neben Sachpreisen und Gutscheinen für die besten Fahrer jeder Altersklasse ein Sponsoring für den besten Fahrer ausgelobt. Dieser erhält ein Jahr Reisegeld, Startgebühren für Wettbewerbe und Ermäßigungen auf Equipment. In der Vergangenheit hat er schon mehrere Jugendliche gesponsort. Ihm ist wichtig, dass die Preisträger neben fahrerischen Können sich auch zwischenmenschlich engagieren und zu "Säulen der lokalen Szene" entwickeln. So packten auch an diesem Wochenende einige seiner aktuellen Schützlinge mit an und besetzten die Verkaufs- und Aktionsstände auf der Wiese vor dem Skatepark. Neben dem Bewirtungszelt, in dem das Team vom Jugendhaus Gilching gemeinsam mit den Streetworkern Gegrilltes und kühle Getränke anbot, gab es auch Stände, an denen Longboards und Balanceboards zum Test bereit standen.

Aber nicht nur die Fahrer und deren Familien tummelten sich an diesem Wochenende auf der Veranstaltung. Unter den 150 Zuschauern sah man gelegentlich auch Passanten, die zuerst etwas schüchtern das Gelände betraten, dann aber nach kurzer Zeit begeistert applaudierten, wenn wieder ein besonders schwieriger Sprung geglückt war. In der ältesten Startklasse bei den "Pros" ging es dabei besonders spektakulär zu. Sogenannte Flairs, bei denen der Fahrer einen Rückwärtssalto mit einer 180-Grad-Drehung kombiniert, waren dabei das obere Ende der Fahnenstange. Der 14-jährige Michi war einer derer, die sich derart schwierige Sprünge trauten. Der Jungprofi war mit seinem Freund Raphael aus Innsbruck angereist, um an dem Wettbewerb teilzunehmen. Angst vor einem Sturz habe er eigentlich nie, denn er sei, "ja fast jeden Tag auf dem Roller unterwegs - da werden die Bewegungen irgendwann zu Automatismen", erklärte der Innsbrucker.

Manch einer ließ es ruhiger angehen und überzeugte mit bodennahen Tricks.

(Foto: Arlet Ulfers)

Dass Scootern bei vielen Jugendlichen so beliebt ist, erklärt sich der Gilchinger Jugendreferent Christian Winklmeier damit, "dass sie sich dabei selbst immer wieder neu erfinden können". Anders als im Vereinssport gäbe es im Skatepark keine Vorgaben oder feste Termine, sondern nur den eigenen Stil, den man jederzeit verändern könne. "Vor allem in Gilching, einer der kinderreichsten Gemeinden Bayerns, seien Stätten wie ein Skatepark deshalb besonders wichtig", so Winklmeier.

Seit mehreren Jahren plädiert er für den Bau eines neuen Parcours südlich der DAV-Kletterhalle. Denn die provisorische Anlage auf der Gilchinger Glatze muss mittelfristig einer geplanten Wohnbebauung weichen. Man müsse zwar noch ein paar Hürden nehmen, aber Winklmeier gab sich am Samstag optimistisch, dass der "neue Skatepark kommen wird". Bevor diese Anlage gebaut sei, werde man zuvor noch das zehnjährige Jubiläum des Contests auf der Gilchinger Glatze feiern. Beim elften Wettbewerb könnten die Jugendlichen ihre Tricks dann aber vielleicht schon auf dem neuen Gelände in der Frühlingsstraße absolvieren.