Die meisten Blätter der beiden Bergahorne an der Talhofstraße in Gilching sind schon welk und gelb. Das Grün schimmert immer weniger durch. Die anhaltende Hitze setzt den Bäumen mächtig zu. Der eine ist etwa 26 Jahre alt, der andere ist erst im vergangenen Jahr gepflanzt worden. An ihnen wurden vor einigen Monaten Sensoren installiert, die als Frühwarnsystem wertvolle Messdaten und Einblicke zur Baumgesundheit liefern.
Die Informationen und die Farben Grün, Gelb und Rot markieren den aktuellen Wasserhaushalt, den das batteriebetriebene Gerät direkt in den Computer an Gilchings Umweltplanerin Christine Hammel sendet. Sie kann somit bedarfsgerechte Bewässerungen und Gießrouten für die zwei Tankfahrzeuge des Bauhofs steuern, um Straßenbäume vor Trockenstress zu bewahren. Für das Pilotprojekt hat die Gemeinde weitere drei Bäume ausgewählt, darunter eine 76 Jahre alte Winterlinde im Ortsteil Geisenbrunn.
„Moderne Technologien helfen uns dabei, den Zustand unserer Straßenbäume besser zu überwachen und sie langfristig zu erhalten“, erklärt Hammel, zuständig für Klima, Umwelt und Energie in der Gemeinde. Mit der innovativen Technik werde die Verfassung der Bäume frühzeitig ermittelt, etwa, wenn ein Baum unter Wassermangel leidet, erläutert sie. Dadurch könnten „notwendige Pflege und Bewässerungsmaßnahmen“ gezielter geplant und vorgenommen werden. „Denn die Bäume melden sich, wenn sie Durst haben.“
Wie das Rathaus mitteilt, leisten die Straßenbäume einen wichtigen Beitrag für das Ortsbild und die Lebensqualität. Sie spendeten Schatten, verbesserten das Mikroklima und trügen zur Kühlung der Umgebung bei. Gleichzeitig sei bekannt, dass längere Trockenperioden und zunehmende Hitzeereignisse die Bäume vor immer größere Herausforderungen stellen. Mit diesem Projekt geht Gilching nach eigenen Angaben einen „weiteren Schritt in Richtung nachhaltiger und zukunftsorientierter Grünflächenpflege“. Und: Die in Echtzeit gewonnenen Daten sollen dazu beitragen, den kommunalen Baumbestand langfristig zu sichern und die Auswirkungen des Klimawandels besser zu bewältigen.


Beauftragt wurde für das Vorhaben die Fachfirma „Treesense“, die auch schon in Kirchheim, Poing und München ihre Messmethoden angewendet hat. Die Kronenfeuchte werde mithilfe von Sensoren erfasst, die minimalinvasiv in die wasserführende Schicht des Baumes am äußersten Jahresring installiert würden, sagt Semir Babajic, Chef der Spezialfirma. Hochpräzise Dendrometer würden Einblicke in die Baumgesundheit liefern und helfen, den Wasserstatus zu überwachen. Das sei entscheidend, um Stressfaktoren wie Trockenheit oder Krankheiten rechtzeitig zu erkennen. Jeder Baum habe auch angesichts seines Alters, Wurzelraumes und der Bodenbeschaffenheit unterschiedliche Ansprüche, erläutert Babajic. So gelte es, Neupflanzungen „smart zu bewässern“, den variablen Bedarf der Jungbäume anhand der Daten zu erkennen und somit die „Vitalität in der kritischen Wachstumsphase zu sichern“, sagt der Chef von Treesense.

Mit seiner Sensorik können nicht nur Bäume vor dem Austrocknen gerettet werden. Es geht in diesen Zeiten auch darum, effizient zu gießen und kein Wasser zu verschwenden. Das ist derzeit sicher ein schwieriger Spagat: einerseits Wasser in den Kommunen sparen zu wollen, andererseits aber die Bäume ausreichend mit dem kostbaren Nass versorgen zu müssen, um sie zu erhalten. Das weiß auch die Gilchinger Umweltplanerin. So soll die innovative Technik helfen, Einsparpotenziale zu erkennen und zu nutzen. Der alte Bergahorn an der Talhofstraße erhält in diesen Tagen mehr als 1000 Liter Wasser, das teilweise auch dem Regenwasserspeicher am Bauhof entnommen wird. Derzeit sind die Bauhof-Mitarbeiter ständig unterwegs, um mit ihren Schläuchen bis zu 80 Straßenbäume angemessen zu versorgen – vor allem die jüngeren Anpflanzungen im Gebiet.
Im September wollen die Gemeinde und die Fachfirma die gesammelten Daten auswerten und die gelieferten Ergebnisse der ausgesuchten Bäume vergleichen. Danach wird entschieden, ob das Projekt fortgeführt und auf weitere Straßenbäume ausgeweitet wird. Denn die Messgeräte könnten problemlos umgehängt werden, sagt Planerin Hammel. Sollte das Pilotprojekt überzeugen, dürfte der Gilchinger Weg auch für viele andere Gemeinden in der Region noch interessant werden.

