Gilching:Schwimmende Solaranlage auf dem Jais Weiher

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Auf dem Jais Weiher soll die schwimmende Solaranlage von Sinn Power Strom erzeugen. (Foto: Sinn Power)

Die Firma Sinn Power will auf dem Gewässer die weltweit erste Anlage mit vertikalen PV-Modulen errichten. Im August sollen die Bauarbeiten beginnen.

Von Linus Freymark, Gilching

Der Gilchinger Jais Weiher hat bis vor Kurzem kaum überregionale Bekanntheit erlangt. Im Fünfseenland ist das Gebiet als Badeplatz bekannt. Das war's dann aber auch schon wieder mit der Popularität des Gewässers. Nun aber hat es der Jais Weiher plötzlich in die Schlagzeilen geschafft. In Münchner Zeitungen, in bayernweiten Radiosender - überall taucht der Weiher auf einmal auf.

Grund dafür: ein Vorhaben der Gautinger Firma Sinn Power. Das Unternehmen plant auf dem Gewässer in Zusammenarbeit mit dem Kies- und Quetschwerk Jais die erste schwimmende Solaranlage der Welt mit vertikalen Solarpanels. Durch diese Anordnung nimmt die Anlage weniger Platz ein. Dadurch wird eine effizientere Nutzung der vorhandenen Fläche möglich. Plant man eine PV-Anlage auf dem Wasser, ist das von entscheidender Bedeutung: Schließlich dürfen wegen rechtlicher Vorgaben maximal 15 Prozent der Fläche auf einem Gewässer versiegelt werden. Bislang sind Solarpanels meist horizontal platziert worden. Dadurch waren große Areale notwendig. Die Technologie auf Gewässern einzusetzen war aufgrund der Gesetzeslage bislang nicht wirklich attraktiv.

Durch die Technologie von Sinn Power könnte sich das - zumindest nach Überzeugung des Unternehmens - ändern. Denn durch die vertikalen Module könnten in Zukunft auch kleinere Gewässer für die Stromerzeugung genutzt werden. Zudem kann sich durch die Anordnung im Winter kein Schnee ansammeln. Die Nutzung ist also das ganze Jahr über möglich. Und: Durch die Ost-West-Ausrichtung der vertikal aufgestellten Module ist die Leistung der Anlage am Vor- und Nachmittag am höchsten - also genau dann, wenn laut Sinn Power "entstehende Überschüsse besonders profitabel ins Netz eingespeist werden können". Zunächst sollen 2500 Module errichtet werden. Der nahe gelegene Badeweiher bleibt übrigens vom Projekt unbeeinträchtigt.

Philipp Sinn ist stolz auf die schwimmende Solaranlage seiner Firma. (Foto: privat)

Bei Sinn Power ist man vom eigenen Vorhaben angemessen überwältigt. Von einem "bahnbrechenden Projekt" ist bei der Firma die Rede, Geschäftsführer Philipp Sinn zeigt sich "stolz, endlich mal wieder eine neue Technologie aus Deutschland präsentieren zu können". Auch Gottfried Jais, der Geschäftsführer des Kieswerks, verspricht sich von der schwimmenden Solaranlage einen großen Gewinn für sein Unternehmen. Denn die Module sollen mit 1800 Megawattstunden pro Jahr in etwa so viel Strom erzeugen, wie 725 Haushalte jährlich verbrauchen.

Da die Anlage das Kieswerk mit Strom versorgen soll, bedeutet das: Das Werk könnte bis zu 65 Prozent seines jährlichen Strombedarfs durch die eigene Solaranlage decken. Neben dem ökologischen Aspekt dürften dadurch langfristig auch die Betriebskosten sinken. Jais zählt die Vorteile auf: Das Projekt sei "innovativ, technisch relativ leicht umsetzbar, bedeutet keinen Flächenverbrauch und passt perfekt zu unserem Produktionsbetrieb", erklärt der Unternehmer.

Gemeinsam ist es gelungen, bürokratische Hürden aus dem Weg zu räumen

Doch auch in der Kommunalpolitik hat das Projekt von Sinn Power und dem Kieswerk Jais große Aufmerksamkeit erregt - und Unterstützung bekommen. Landrat Stefan Frey (CSU), GWT-Chef Christoph Winkelkötter und Gilchings Bürgermeister Manfred Walter (SPD) haben sich sehr dafür eingesetzt, dass das Vorhaben auf dem Jais Weiher realisiert werden kann. Denn in Politik und Wirtschaft erhofft man sich einiges von der schwimmenden Solaranlage. Von einem "Vorbildprojekt" für die Region spricht GWT-Chef Winkelkötter.

Gemeinsam sei es gelungen, bürokratische Hürden aus dem Weg zu räumen und so die Grundlage für die Realisierung eines innovativen, klimafreundlichen Projekts zu schaffen. "Dies stellt einen besonderen Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität der Region dar", so Winkelkötter. Man habe gezeigt, was möglich ist - und das wiederum könnte Nachahmer dazu inspirieren, selbst neue Wege zu beschreiten, um den eigenen Strombedarf klimaschonend zu decken.

Bei Sinn Power ist man überzeugt davon, dass das Projekt vom Jais Weiher in der ganzen Republik Schule machen wird. Die vertikalen Module auf dem Gilchinger Weiher würden "eine neue Ära der Solartechnologie auf deutschen Gewässern" einläuten, teilt das Unternehmen mit. Sollte dieses Szenario tatsächlich eintreffen, dürfte es für den Landkreis Starnberg sowie das gesamte Fünfseenland von großem Interesse sein. Immerhin gibt es hier ja noch ein paar andere Gewässer, die ohne schwimmende Solaranlage bereits bekannt sind.

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