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Gilching:Ringen um Entlastung

Der Verkehr auf der Ortsdurchfahrt geht auch nach Eröffnung der Westumgehung kaum zurück. Eine neue Ampelschaltung erweist sich als Reinfall

Von Christian Deussing, Gilching

Auch sechs Monate nach Eröffnung der Westumfahrung sind die Brucker- und die Römerstraße eine stark belastete Ortsdurchfahrt in Gilching - trotz der Abstufung zur Gemeindestraße. Die Grünen-Fraktion forderte jetzt im Gemeinderat, für die Strecke vom Altdorf bis zum Ortsende in Argelsried Tempo 30 einzuführen, um das Unfallrisiko vor allem der Radfahrer zu verringern und die Autofahrer zu animieren, auf die Umgehungsstraße auszuweichen. Die reduzierte Geschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer käme einem Zeitverlust von nur etwa zwei Minuten gleich, würde aber weniger Lärm und Abgase bedeuten, sagte Peter Unger (Grüne), der Tempo 30 auch als "angewandten Klimaschutz" bezeichnete.

Gilching: Kreuzung mit veränderter Vorfahrt

Die geänderte Vorfahrt an der Abzweigung zur Münchener Straße in Gilching soll die Autofahrer zumindest bremsen.

(Foto: Nila Thiel)

Doch der Antrag der Ökopartei wurde von den anderen Fraktionen aus rechtlichen Gründen abgelehnt. Denn man müsse sich an gesetzliche und bauliche Vorgaben halten, betonte Bürgermeister Manfred Walter (SPD) und verwies auf das Veto der Polizei und des Starnberger Landratsamtes. Demnach wäre Tempo 30 in dieser Hauptstraße rechtswidrig - auch weil die Unfallzahlen es nicht rechtfertigten, auf dieser Strecke die Höchstgeschwindigkeit herabzusetzen. Dies hätte auch weitreichende Auswirkungen auf die Expressbuslinien X 900 und X 920, heißt es in einem Schreiben der Polizei an die Gemeinde.

Rathauschef Walter wies überdies darauf hin, dass es entlang des genannten Abschnitts keine Kindergärten, Schulen und Altenheime gebe, in deren Bereich Tempo 30 zulässig sei. Die Verwaltung schlägt nun vor, ein bis zwei Messstellen am Straßenzug zu installieren, um die Geschwindigkeit konsequent zu überwachen.

Um aber den nach wie vor hohen Durchgangsverkehr auf der Nord-Süd-Achse von Gilching zu vermindern, wird daran gefeilt, wie diese Strecke unattraktiver gemacht werden könnte. Dazu war an dem Knotenpunkt Am Römerstein und Münchener Straße an mehreren Tagen für jeweils drei Stunden eine neue Ampelschaltung getestet worden. Dabei war die Rotphase für Autofahrer aus Richtung Starnberg deutlich länger, um eine Priorität für den Verkehr aus Geisenbrunn zur Gilchinger Ortsmitte zu erreichen. Doch dieser Versuch sei "völlig gescheitert", sagte der Bürgermeister, der von wilden Beschimpfungen berichtete. Denn in den Hauptverkehrszeiten ging der Stau in Richtung Ortsmitte bis zum Porschezentrum und in der Gegenrichtung bis zur Kreuzung an der Rathausstraße bei Rossmann zurück. Die Konsequenz: Die Ampelanlage wurde nicht in Betrieb genommen, weil sie sich für eine Verkehrsberuhigung ohne Staus als ungeeignet herausstellte.

Derzeit gilt an der Abzweigung zur Münchener Straße eine abknickende Vorfahrt - von der Ortsmitte nach links in Richtung Geisenbrunn. Die geänderte Vorfahrtsregelung funktioniere einwandfrei, und es sei festzustellen, dass in diesem Bereich deshalb deutlich langsamer gefahren werde, erklärte Walter. Dieser Variante wurde mit großer Mehrheit zugestimmt. Abgelehnt wurde dagegen eine Bedarfsampel mit der alten Verkehrsführung ohne abknickende Vorfahrt an diesem Knotenpunkt der Ortsdurchfahrt.

© SZ vom 29.05.2020

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