Modelleisenbahn - das ewige Hobby"Damit ist man niemals fertig"

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Dampfloks, Dieselloks, E-Loks: Beim Modelleisenbahnmarkt in Gilching ist für jeden etwas dabei.
Dampfloks, Dieselloks, E-Loks: Beim Modelleisenbahnmarkt in Gilching ist für jeden etwas dabei. Nila Thiel/Starnberger SZ

Beim Modellbahnmarkt im Gilchinger Rathaus trifft sich eine verschworene Gemeinschaft von Eisenbahnfreunden und Modellbauern. Dank Digitalisierung keimt auch bei jungen Leuten wieder Leidenschaft für die Miniaturwelten auf.

Von Patrizia Steipe, Gilching

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Franz Weingartner braucht nur einen seiner zwölf Koffer zu öffnen, schon befindet er sich in den schönsten Landschaften Bayerns: Vor der Kulisse von Neuschwanstein zieht beispielsweise eine kleine Modelleisenbahn ihre Runden durch eine detailreich aufgebaute Winterlandschaft. In einem anderen Koffer fährt seine Lok an tiefverschneiten Bäumen vorbei. Die Schienen führen über Brücken und Unterführungen, man sieht einen Rodelhügel, die Leuchten von Miniatur-Einsatzfahrzeugen blinken.

Weingartners Hobby sind Modelleisenbahnen. Aus Platzgründen ist der 61-Jährige erst vor ein paar Jahren von seiner größeren Spur H0 - das entspricht einem Maßstab von 1:87 zur Originaleisenbahn - auf die Spur Z im Maßstab 1:220 umgestiegen. Dank der Größe kann Weingartner sein Hobby nun sogar ins Wohnmobil mitnehmen oder - wie vor einiger Zeit - auf seine Reha-Maßnahme. Dort habe er genügend Zeit gehabt, um die kleinen Miniaturen anzufertigen und die Landschaften zu gestalten. Seine Koffer kauft Weingartner sozusagen "nackt", erklärt er. Das bedeutet: Außer den Schienen auf einer leeren Platte und den Stromanschlüssen gibt es nichts. "Man kommt zur Ruhe", erklärt er die Faszination des Modellbahnbaus, und zwar sowohl beim Basteln als auch beim entspannten Zuschauen, wenn die Eisenbahn ihre Runden dreht.

Alles, was das Herz eines Modellbahnbauers erfreut: In Gilching gab es reichlich Auswahl.
Alles, was das Herz eines Modellbahnbauers erfreut: In Gilching gab es reichlich Auswahl. Nila Thiel/Starnberger SZ

Eigens für den Modellbahnmarkt im Gilchinger Rathaus hat der Gebäudemanager seine Schätze nun aus dem Keller geholt. Es ist die erste Veranstaltung der Modelleisenbahner seit Ausbruch der Corona-Pandemie. 22 Teilnehmer hatten sich angemeldet, und an ihren Ständen gab es alles, was das Herz eines Modellbauers erfreut - das reichte von den unterschiedlichsten Lokomotiven und Schienen, über Bastelsets für Landschaften, Schottergranulat für Gleiszwischenräume bis hin zu kleinsten filigranen Ersatzteilen, praktischen Leselupen und besonders hellen Leuchten für den Arbeitsplatz. Von der Resonanz zeigten sich die Veranstalter Tobias Meier und Franz Gruber überwältigt. "Ich habe mit etwa 150 bis 200 Zuschauern gerechnet", sagt Gruber. Doch in den fünf Stunden, an denen der Markt am Sonntag geöffnet war, waren rund 500 Leute gekommen: Überwiegend eher ältere Männer, aber auch viele Väter waren mit ihren kleinen Kindern gekommen, die staunend vor den Miniatur-Eisenbahnen standen. Modelleisenbahn sei eben ein typisches Männerhobby, versichert Gruber. "Ich kenne nur zwei Damen, die Modelleisenbahnen bauen." Allerdings würden viele Partnerinnen beim Bauen mithelfen.

Vor allem bei älteren Herren erfreut sich die Modellbahnanlage großer Beliebtheit, doch auch junge Menschen haben ihren Spaß daran. Hier begutachten Anna Zwoch und Thomas Lauß die Märklin-Digitalanlage mit der Spurbreite H0.
Vor allem bei älteren Herren erfreut sich die Modellbahnanlage großer Beliebtheit, doch auch junge Menschen haben ihren Spaß daran. Hier begutachten Anna Zwoch und Thomas Lauß die Märklin-Digitalanlage mit der Spurbreite H0. Nila Thiel/Starnberger SZ

Der 63-jährige Münchner ist selbst seit vielen Jahren begeisterter Modellbauer. Seine Modelleisenbahn (Spur 0 im Maßstab 1:45) steht nicht im Keller, sondern fährt mitten durchs 25 Quadratmeter große Wohnzimmer. An einer Wandseite hat Gruber eine fünf Meter lange und 50 Zentimeter hohe Fototapete mit dem dahinfließenden Rhein angebracht. Vor der Wand liegen Schienen, auf denen seine Dampf- und Dieselloks ihre Runden durch den Raum fahren. Er selbst sitze oft mit der Fernbedienung im Sessel und lässt seine Loks fahren, sagt Gruber. An der Wand hat er seine übrigen Lieblinge in Vitrinen gestellt. Zum Beispiel die formschönen Lokomotiven aus den Achtziger- und Neunzigerjahren. "Ich will sie doch sehen", betont er - und die Loks nicht wie andere Sammler nur in den Originalschachteln verwahren. Daneben organisiert Gruber seit 25 Jahren Modelleisenbahnausstellungen und -märkte in München, Dachau und Gilching, "um Abwechslung in meinen Berufsalltag zu bringen", erklärt der Mitarbeiter einer Filmproduktionsgesellschaft.

Digital statt analog: Die Weihnachtslok fährt dann mit "Jingle Bells" durch die Landschaft

Verstaubt und antiquiert seien Modelleisenbahnen keineswegs, versichert Tobias Meier, der im Gilchinger Modellbahnfachgeschäft neben Verkauf und Reparatur auch dabei berät, wenn eine analoge Eisenbahnanlage digital laufen soll. Dank der Digitalisierung sei das Modellbahnhobby nämlich mittlerweile auch wieder attraktiv für jüngere Menschen, erklärt Meier. Die seien nur nicht so sichtbar in ihren Hobbykellern: Bei ihnen stünde eher das Programmieren von Stellwerken mit vielen Schienensträngen im Vordergrund. Wie in echt würden die einzelnen Weichen, Schienen und Fahrmöglichkeiten auf einem Gleisbild am Bildschirm angezeigt werden.

Während Corona hätten sich viele auf ihre Modelleisenbahn im Keller zurückbesonnen. "Wir hatten einen richtigen Aufwind", sagt Meier, der selbst begeisterter Bastler und Tüftler ist. Dank der digitalen Steuerung kann seine Dampflokomotive in regelmäßigen Abständen nun sogar Rauch ausstoßen. Dazu hat er Fahrgeräusche wie quietschende Bremsen und Weichen programmiert, Durchsagen und sogar Lieder aufgespielt. "Die Weihnachtslok fährt dann mit Jingle Bells durch die Landschaft", beschreibt Meier.

Immer wieder kommen an diesem Tag Modellbauer an seinen Tisch, viele kennt er von Stammtischen. Einige haben defekte Bauteile dabei. "Etwas Bremsenreiniger aufsprühen", empfiehlt er einem Hobbykollegen. Oder, nachdem er eine Lok aufgeschraubt hat: "Einen neuen Decoder einbauen." Angesichts der hohen Anschaffungskosten von oft mehreren Hundert Euro für eine Lok lohnt sich das Reparieren. Doch an einer Modelleisenbahn müsse ohnehin immer wieder herumgebastelt werden. "Damit ist man niemals fertig", weiß Meier.

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