Das Amt sei ihm sehr ans Herz gewachsen, koste jedoch auch viel Kraft und sei eine „anspruchsvolle und kräftezehrende Aufgabe“, erklärt Gilchings Bürgermeister Manfred Walter (SPD). Das erfordere eine „gute physische, vor allem aber eine hohe mentale Belastbarkeit“. Diese langjährigen Belastungen hätten mittlerweile deutliche Spuren hinterlassen. Die häufiger werdenden Warnsignale seines Körpers könne er nicht mehr ignorieren. Deshalb habe er sich nach Rücksprache mit seinem persönlichen Umfeld, seiner Gemeinderatsfraktion und dem SPD-Ortsvorstand dazu entschieden, bei der kommenden Kommunalwahl im Jahr 2026 nicht mehr für das Amt des Ersten Bürgermeisters in Gilching zu kandidieren, teilte Walter mit. Ein Paukenschlag.
„Dieser Schritt fällt mir unglaublich schwer, im Hinblick auf meine mentale Gesundheit ist es aber der einzig vernünftige Weg“, begründet der 57-Jährige seinen Verzicht darauf, sich zum vierten Mal in Folge um den Chefsessel im Rathaus zu bewerben. Trotzdem will Walter sich nicht gänzlich aus der Kommunalpolitik verabschieden, denn er will bei der nächsten Wahl für ein Mandat im Gemeinderat kandidieren. Dort wolle er „auch in der Zukunft positive Impulse im Gremium setzen“ und sein Wissen zur Verfügung stellen, betont Walter.
Den Rückzug gab der Verwaltungschef am Mittwochabend in der Bürgerversammlung im Rathaus bekannt, hatte dies aber intern bereits auf einer SPD-Klausurtagung im August der Fraktion mitgeteilt. Dass er seine Entscheidung schon gut eineinhalb Jahre vor Ende seiner Amtszeit öffentlich gemacht habe, gebiete die „politische Fairness“, sagt Walter. Denn so ergebe sich ein zeitlicher Spielraum für die Parteien, rechtzeitig ihre Bürgermeister-Kandidaten aufzustellen.
Die Entscheidung von Manfred Walter verdiene „allergrößten Respekt“, erklären die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Sophie Hüttemann und Christian Winklmeier, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion. Walter sei nicht nur ein „Kapitän“ einer Gemeinde, die sich in mehr als 16 Jahren seiner Amtszeit hervorragend entwickelt habe, sondern er habe selbstbestimmt und zum richtigen Zeitpunkt entschieden, sein geliebtes Amt nur noch bis zum Ende dieser Wahlperiode auszuüben.

So sehr dies menschlich nachvollziehbar sei, so sehr sei zu bedauern, dass die Gemeinde und die SPD einen „herausragenden Bürgermeister“ verliere, der immer parteiübergreifend gehandelt und zugleich mit viel strategischem Geschick große Projekte umgesetzt habe, heißt es in der Erklärung der SPD. Erwähnt werden hierbei unter anderem der Neubau des Rathauses, die Westumfahrung, der Aufbau des Fernwärmenetzes und die Ausweitung der Kinderbetreuung in der Gemeinde. Hüttemann und Winklmeier sind sich sicher, dass ihr amtierender Bürgermeister bis zu seinem letzten Arbeitstag mit dem bekannten Einsatz „noch viele gute Entscheidungen für die Gemeinde treffen“ werde.
Walter will vor allem das Fernwärmenetz weiter ausbauen, ein Mobilitätskonzept im kommenden Frühjahr vorlegen und das große innerörtliche Wohnprojekt „Gilchinger Glatze“ forcieren, um dort mit einer zweiten Auslegung des Bebauungsplans künftiges Baurecht zu schaffen. Diese Ziele werde er weiterhin mit der nötigen Kraft verfolgen, versichert der Bürgermeister.
Er war nach 52 Jahren wieder der erste SPD-Bürgermeister in Gilching
Erstmals wurde Walter im Jahr 2008 zum Rathauschef gewählt, als er sich in der Stichwahl mit 58,6 Prozent der Stimmen gegen den CSU-Kandidaten Michael Hauser durchsetzte. Damit gab es in Gilching erstmals nach 52 Jahren wieder einen SPD-Bürgermeister. Mit einem Kantersieg von 70,5 Prozent wurde Walter sechs Jahre später in seinem Amt bestätigt und marschierte auch bei der Wahl vor vier Jahren durch, bei der er 58 Prozent der Stimmen erreichte.
Walter ist in Gilching geboren und von Beruf Verwaltungsbetriebswirt. Schon vor seiner Amtszeit war er in der 19 000 Einwohner-Gemeinde bestens vernetzt. Er führte auch lange Zeit Regie an der „Guichinger Dorfbühne“ – und später im Rathaus und in den Gremien, wo er aber auch bald erfuhr, dass Kommunalpolitik nicht einfach ist und man „dicke Bretter bohren muss“.

