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Gilching:Mit Laptop auf die Matte

Gilching: Livestream bei Aktivpark

"Jeder in seinem eigenen Rhythmus": Fitnesstrainerin Yvette zeigt im "Aktivpark", wie es geht - die Teilnehmer zuhause sind per Videokonferenz zugeschaltet. Immerhin 70 Leute machen mit.

(Foto: Nila Thiel)

Mitglieder des Fitnessstudios "Aktivpark" müssen auf ihr Workout nicht verzichten. Seit einigen Tagen gibt es einen Livestream für verschiedene Kursangebote.

Von Patrizia Steipe

"Einatmen: flex, ausatmen: curl. Jeder in seinem eigenen Rhythmus". Auf einer kleinen Bühne, die mit einem Gong und einer Buddhafigur dekoriert ist, führt Fitnesstrainerin Yvette Frank im Gilchinger "Aktivpark" vor, was sie mit den Anweisungen meint. Sie gibt gerade eine Unterrichtsstunde in "Body Art", einer Mischung aus Kraft- und Gelenkigkeitstraining. Mit dabei sind rund 70 Fitnessfans aus dem gesamten westlichen Landkreis. Allerdings sind sie nicht körperlich anwesend. Das Fitnessstudio hat schließlich geschlossen.

Um auch während der Ausgangsbeschränkungen den Kunden Workouts anzubieten, hat Betreiber Frank Opis seit ein paar Tagen auf Live-Stream umgestellt. "Das ist für die Kunden eine Möglichkeit, um in Verbindung mit den Trainern und im Training zu bleiben", erklärt Opis. Etwa 2000 Mitglieder hat der Aktivpark. Sie müssen jetzt nicht mehr komplett auf ihren Sport verzichten. "So können wir gemeinsam gegen den Lagerkoller ankämpfen", sagt Opis. Sehr schwer sei es ihm gefallen, nach 17 Jahren auf einen Schlag alle seine Mitarbeiter nach Hause schicken zu müssen. Um die Krise zu überstehen und die Kunden nicht zu verlieren, ist Opis auf den Livestream ausgewichen. Natürlich eignen sich nicht alle Kurse für eine Übertragung in die heimischen Wohnzimmer. "Spinning geht nicht", so Opis. Dazu werden spezielle Standfahrräder benötigt, für andere Kurse werden ebenfalls bestimmte Geräte benötigt, aber statt Hanteln könnte man beispielsweise auch gefüllte Wasserflaschen nehmen.

Für das "Body Art" genügt eine Matte oder der heimische Teppichboden und natürlich ein PC, Laptop, Tablet oder Smartphone. Mit der Videokonferenz-Plattform "Zoom" haben sich die Kursteilnehmer dazugeschaltet. "Iris", "Herbert", "Stefanie", aber auch "ipad von Julia" oder "Galaxy" machen mit. "Ihr seid super, Leute. So voll war meine Stunde noch nie", freut sich Yvette Frank, als die Anzahl der Mitglieder die 70 erreicht. Alle können auf dem Bildschirm nicht nur die Vorturnerin sehen, sondern auch die anderen Teilnehmer - sofern sie die Videofunktion freigeschaltet haben. Bei den meisten ist das Fenster dunkel, aber ein paar Mutige sind auch bildlich dabei und turnen im Sportoutfit zwischen Schrankwand und Couchgarnitur.

Nach der Aufwärmphase wird es anstrengend. "Bildet mit dem Körper ein V", fordert Frank, sie berührt mit ihrer Hand den Boden und streckt das Bein hoch in die Luft. "Swing und lift", ruft sie "squat und jump". Die sichtbaren Teilnehmer sind voll dabei und zeigen keine Schwäche. Ob die anderen nur halbherzig mitmachen oder mittlerweile auf das Sofa ausgewichen sind und nurmehr der durchtrainierten Trainerin zuschauen, ist bei dieser Stunde komplett egal. Soziale Kontrolle - Fehlanzeige. Immerhin: Kaum jemand schaltet ab. "Jeder in seinem eigenen Tempo", mahnt Yvette Frank und spielt für die Abschlussübungen eine esoterische Musik ab.

Über die große Resonanz der Videostunde sei sie total überrascht gewesen, gesteht sie am Ende. 68 Teilnehmer sind bis fast zum Schluss online geblieben. Mit Applaus und Winken verabschieden sich die sichtbaren Teilnehmer, andere rufen "Danke" ins Mikro.

"Sensationell", schwärmt Frank Opis und strahlt.

© SZ vom 27.03.2020
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