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Ausbruch bei Caterer:Starnbergs Kampf gegen das Coronavirus

Corona-Tests in Flüchtlingsheim

In den betroffenen Flüchtlingsunterkünften nehmen die Gesundheitsbehörden Abstriche. Allein in Pöcking werden 90 Menschen getestet.

(Foto: dpa)

Das Landratsamt nimmt nach den Infektionen in Gilching reihenweise Abstriche. Zwei weitere Männer werden positiv getestet, fünf Flüchtlingsunterkünfte sind geschlossen. Die Bewohner sind am Boden zerstört.

Von Astrid Becker

Nach dem heftigen Ausbruch des Coronavirus beim Caterer "Apetito" in Gilching hat das Landratsamt die fünfte Flüchtlingsunterkunft im Landkreis geschlossen. Nach Bewohnern in Hechendorf, Seefeld, Herrsching und Pöcking sind nun auch zwei Männer aus der Weßlinger Unterkunft positiv auf das Virus getestet worden. Einer davon arbeitet bei "Apetito" und teilt sich laut Landratsamtssprecherin Barbara Beck mit dem anderen neu Erkrankten ein Zimmer. Letzterer sei mit Symptomen zum Arzt gegangen, der die Corona-Infektion nun bestätigt habe. Damit steigt die Gesamtzahl der infizierten Mitarbeiter des Caterers laut Beck auf mindestens 46.

Mittlerweile sei fast jeder zweite Mitarbeiter infiziert, sagt Landrat Stefan Frey, der die Ausbreitung aufklären will. "Die Firma muss darlegen, ob die Arbeitsbedingungen dem Hygienekonzept entsprochen haben." Die Behörden arbeiten weiterhin daran, die Kontaktpersonen der Infizierten zu ermitteln. Dabei würden auch sämtliche Zulieferer, Reinigungsfirmen, Techniker und Kühlunternehmen unter die Lupe genommen, heißt es. Besonderes Augenmerk werde auch darauf gerichtet, ob Bewohner einer unter Quarantäne stehenden Einrichtung in einer Alten- und Pflegeeinrichtung arbeiten.

Neben den Bewohnern der bereits geschlossenen Herrschinger Unterkunft sollen auch diejenigen Menschen untersucht werden, die im Ortsteil Breitbrunn an der Seestraße und in einer kleinen Anlage an der Schönbichlstraße leben. Die Menschen, die dort untergebracht sind, hätten zwar nicht bei dem Gilchinger Unternehmen gearbeitet, seien aber in engem Kontakt mit den Bewohnern der Unterkunft in Herrsching gestanden, erklärt Beck.

Ein weißer, großer Lastwagen ohne jede Beschriftung steht an diesem Mittwochmittag vor der Containeranlage in Herrsching. Ein Biertisch ist aufgebaut, die Tester stehen davor, in weiße Schutzkleidung gehüllt. Der Reihe nach werden hier Abstriche genommen, nachdem dort ein Bewohner am Dienstag - wie in Seefeld und Pöcking auch - positiv auf Corona getestet worden war. Wie zehn von insgesamt 18 mit infizierten Bewohnern einer Unterkunft in Hechendorf hatte er bei dem Caterer gearbeitet, der in Gilching täglich 6300 Essen für Patienten und Mitarbeiter der Münchner Unikliniken zusammenstellt und nun mindestens 14 Tage geschlossen bleibt. Für eine Stellungnahme war die Firma bisher nicht zu erreichen.

Als das Ausmaß der Neuinfektionen bei dem Caterer und in den betroffenen Heimen bekannt geworden sei, hätten manche Bewohner zu weinen begonnen, ist von einer Asylhelferin zu hören. Da sei beispielsweise ein junges Mädchen, das sich nun monatelang auf ihren Schulabschluss in der kommenden Woche vorbereitet habe und die Prüfung nun nicht ablegen dürfe. Da sei ihr Vater, der an diesem Freitag seine Deutschprüfung absolvieren sollte, und da sei der junge Mann, der in der Hoffnung auf bessere Berufschancen seinen Führerschein machen wollte: "Erst verhinderte das der Lockdown und nun die Quarantäne", erzählt die Herrschingerin, die weder ihren Namen noch den ihrer Schützlinge in der Zeitung lesen will.

Ein Grund dafür könne die Angst vor Stigmatisierung sein, vermutet Johanna Senft. Die Gemeinderätin (Bürgerverein Seefeld) engagiert sich seit Jahren für Flüchtlinge. Schon während des Lockdowns hätten viele von ihnen unter den fehlenden sozialen Kontakten gelitten: "Das wird jetzt nicht leichter für sie werden, aber die Gesundheit geht vor." Senft ist überzeugt, dass die Behörden alles Erdenkliche unternehmen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, aber sie weiß von vielen Helfern, die nun verunsichert sind.

Auch im Landratsamt und unter der Hotline, die in der Zwischenzeit eingerichtet worden ist, meldeten sich viele Helfer, berichtet Behördensprecherin Beck. Man arbeite ununterbrochen daran, die Kontaktpersonen der Infizierten zu ermitteln. Zudem seien auch in Pöcking Reihentests in der betroffenen Unterkunft erfolgt. Das Unternehmen in Gilching sei gereinigt und desinfiziert worden. Wie viele Mitarbeiter noch mit Infektionen gemeldet würden, sei nicht abzusehen, sagt Beck. Auch wo die ursächliche Infektionsquelle liege, werde "man wahrscheinlich nicht herausfinden". Eine gute Nachricht hat sie dennoch parat. Drei der Mitarbeiter des Caterers haben sich offenbar nicht angesteckt: Einer lebt in einer Starnberger Unterkunft, der zweite in Weßling und der dritte in der Containeranlage von Inning. Diese Unterkünfte bleiben vorerst geöffnet. Insgesamt haben sich seit Ausbruch der Pandemie 592 Menschen aus dem Landkreis infiziert.

In den vergangenen Tagen sind insgesamt 34 Landkreisbewohner positiv getestet worden, darunter 24 Asylbewerber. Das entspricht laut Landratsamt einer 7-Tage-Inzidenz von 24, gerechnet auf 100.000 Einwohner. Ab einem Grenzwert von 50 drohen neue Beschränkungen.

Weitere Informationen beim Landesamt für Gesundheit unter Telefon 09131/6808-5101.

© SZ vom 02.07.2020

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