Es wird immer enger in der Boom-Gemeinde Gilching. Der Arbeitsmarkt und die Bevölkerung wachsen stetig, laut Prognose werden in der drittgrößten Gemeinde im Landkreis Starnberg bald mehr als 20 000 Einwohner leben. Bis zum Jahr 2034 wird diese Zahl noch um 14 Prozent steigen. Das würde knapp neun Prozent über den landkreisweiten Schnitt liegen, wie ein Münchner Gutachterbüro vorhersagt. Somit werde sich der Druck auf den Wohnungsmarkt und den Bedarf an Kita-Plätzen in der Gemeinde an der Lindauer Autobahn (A 96), die dort derzeit auf sechs Fahrspuren ausgebaut wird, weiter erhöhen, betonte Gutachter Thomas Voßkamp im Gemeinderat. Die Lokalpolitiker müssen nun nach Auswegen suchen, diese Entwicklung steuern zu können.
Experte Voßkamp geht nämlich auch davon aus, dass entlang der Autobahnachse mit den Anrainer-Gewerbegebieten zwischen dem Sonderflughafen Oberpfaffenhofen und Gilching-Argelsried in den nächsten 15 Jahren zusätzlich 5000 bis 12 000 Arbeitsplätze entstehen. Bereits jetzt hätten sich zudem die Zahlen zwischen Ein- und Auspendlern angeglichen, berichtet der Datenanalytiker. Ein Magnet sei die gute Verkehrsanbindung. Bemerkenswert sei zudem, dass in Gilching 10 000 Einwohner im Radius von nur 500 Metern von den S-Bahnstationen entfernt leben. "Das kann keine andere Gemeinde vorweisen", erklärte Voßkamp im Gemeinderat.
Den Fraktionen liegen jetzt ein Struktur- und Verkehrsgutachten vor, mit denen sie sich intern befassen sollen, sagt Bürgermeister Manfred Walter (SPD). Mit den Basisdaten wollen die Lokalpolitiker auch Argumente gegen das geplante Gautinger Gewerbegebiet sammeln. Ihr Ziel: Sie wollen das im Schutzgebiet des Unterbrunner Holz südlich der Gilchinger Gemeindegrenze geplante Areal verhindern. Dafür müsse man aber mit einem Struktur- und Verkehrsgutachten "fundierte Daten" präsentieren, wenn die Bauleitplanungen der Nachbargemeinde zum Gewerbegebiet vorliegen, mahnt Fachanwalt Josef Geislinger, der von Gilching wegen des Streits um das etwa 20 Hektar große Gewerbegebiet eingeschaltet wurde.
Geislinger pocht auf das "interkommunale Abstimmungsgebot", das bislang von Gauting kaum beachtet worden sei. Für diese Gemeinde werde vor allem der Zuweg über die Dornierstraße zu ihrem Gewerbegebiet zum Problem, denn die Anbindung würde über Gilchinger Flur und den Kreisel der Staatsstraße 2069 führen. Verkehrsgutachter Christian Fahnberg aus Planegg verwies darauf, das der Kreisel schon jetzt überlastet sei und den künftigen Verkehr nicht bewältigen könne.
Im Fokus haben die Gilchinger Kommunalpolitiker auch ihren Gewerbepark Nord, der schon seit 1975 existiert. Dort wird es ebenfalls immer enger, Firmen können kaum noch erweitern. Nun sollen die Parzellen und das Gewerbegebiet im Bereich der Talhofstraße und Carl-Benz-Straße effektiver genutzt und überplant werden. Überdies soll ein Verkehrsleitsystem sämtliche Gewerbegebiete besser miteinander verbinden und Irrfahrten von Lastwagen im Ort verhindern. Zu diesen Strategien rät auch die Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusforschung (gwt) im Landkreis Starnberg.
Nicht nur Gemeinderätin Rosmarie Brosig (BfG) warnt davor, dass "Gilching zu schnell wächst". Auch die Grünen kritisieren den "Flächenfraß und die Versiegelungen" - und warnen vor einem Verkehrskollaps. Der Druck auf Gilching habe sich "gigantisch erhöht", mahnen sie.
