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Gewalttat in Starnberg:"Das ist alles noch viel furchtbarer"

Das Haus der Mordopfer; Am Haus der Mordopfer

Immer mehr Kerzen und Blumen: Passanten und Anwohner gedenken der Familie, die in ihrem Haus in Starnberg ermordet worden ist.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Bürgermeisterin Eva John und Stadtpfarrer Andreas Jall zeigen sich erschüttert von mutmaßlichem Dreifachmord.

Die Bluttat vom 11. Januar in Starnberg, bei der ein Ehepaar und dessen 21-jähriger Sohn in ihrem Haus erschossen worden sind, erschüttert die Bevölkerung. Bis vor kurzem war die Polizei davon ausgegangen, dass der Sohn der Todesschütze sei und sich danach selbst umgebracht habe. Dann aber kam die Wende in dem Fall: Laut Kripo soll ein 19-Jähriger sowohl den Sohn als auch die Eltern erschossen haben.

Der katholische Stadtpfarrer Andreas Jall hat in seinen Gottesdiensten am Wochenende mit der Gemeinde der Opfer gedacht und für sie gebetet. Jall kennt die getötete Mutter von deren Arbeit als Psychologin im Kindergarten St. Nikolaus. "Wir waren alle schockiert", berichtet der Pfarrer, man habe mit der Therapeutin "immer sehr gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet". Ein Familiendrama sei furchtbar, aber ein Dreifachmord habe eine "ganz andere Dimension", sagt der Geistliche der SZ. Es lasse das "vertraute Nest, das heißt unsere Heimatstadt, noch mal ganz anders erscheinen". Und: Trost aus dem christlichen Glauben komme immer mit der Sicht "von oben". Es würde ihn freuen, wenn die Angehörigen Kraft in der Gemeinschaft finden würden, von Freunden, aber auch von anderen Menschen, die sich gegenseitig bestärkten, so der Pfarrer.

Auch Bürgermeisterin Eva John zeigt sich bestürzt. "Das ist alles noch viel furchtbarer", seien ihre ersten Gedanken gewesen, als sie am Freitag von der überraschenden Wende bei den Ermittlungen gehört habe. Sie kannte die ermordete Mutter persönlich, die als Psychologin eine Expertin für die Ausbildung von Heilpädagogen für Grundschulen war. John ist der Polizei dankbar, dass diese weiter ermittelt und damit den getöteten 21-jährigen Sohn vollständig entlastet habe. "Die ganze Welt war in dem Glauben, dass der Junge die Eltern umgebracht hat", sagt sie. In der Öffentlichkeit sei bereits über Motive spekuliert worden, Gerüchte über die Familie kursierten. Der Sohn wäre für immer als Elternmörder abgestempelt gewesen.

In einer ersten Traueranzeige wurde auch nur der 60-jährigen Psychologin und des 64-jährigen TV-Beleuchters gedacht, der Azubi fehlte. Dessen Reputation sei nun wiederhergestellt, sagt die Bürgermeisterin. Sie hoffe, dass es dies der Familie "ein kleines Stück weniger schwer macht, die Trauer zu überwinden".

Am Freitag wurde bekannt, dass sich das Verbrechen ganz anders abgespielt haben soll. Unter Mordverdacht steht jetzt der 19-jährige Freund des Sohnes. Bei dem 19-Jährigen war am Donnerstag in Olching ein illegales Waffenlager entdeckt worden, danach soll der junge Mann den dreifachen Mord in dem Einfamilienhaus im Starnberger Norden gestanden haben. Offenbar hatte er einen Suizid des 21-Jährigen vorgetäuscht und dem Opfer eine Pistole in die Hand gelegt.

Der 19-Jährige, der den Tatort mit einem Handy gefilmt hat, wurde verhaftet und sitzt in Untersuchungshaft. Zudem durchsuchten Kripobeamte eine Wohnung in einer Gemeinde am Starnberger See und das Appartement eines 18-jährigen Starnbergers, der den Olchinger zum Tatort gefahren und wieder abgeholt haben soll. Der Fahrer soll laut Polizei von dem Mordplan gewusst haben, er befindet sich wegen mutmaßlicher Beihilfe zum Mord ebenfalls in U-Haft. Die Ermittler, die auch Notebooks sicherstellten, prüfen nun, ob der 18-Jährige im Haus gewesen ist und womöglich mitgeschossen hat. Die drei jungen Männer sollen befreundet gewesen sein. Das Tatmotiv sei unklar, vielleicht habe es einen Streit über das Waffendepot gegeben, Hinweise auf ein politisches Motiv gebe es bislang nicht, so die Ermittler.

© SZ vom 27.01.2020

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