Geschäftswelt:Warum ein Bankchef nicht einfach ein Auge zudrücken kann

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Geschäftswelt: Lockere Atmosphäre, ernstes Thema: Christian Kalinke (Mitte), Moderator der Plauderreihe Bergspektiven, im Gespräch mit Kommissionsmitglied Rolf Nonnenmacher (li.) und Konrad Hallhuber von der VR-Bank Starnberg.

Lockere Atmosphäre, ernstes Thema: Christian Kalinke (Mitte), Moderator der Plauderreihe Bergspektiven, im Gespräch mit Kommissionsmitglied Rolf Nonnenmacher (li.) und Konrad Hallhuber von der VR-Bank Starnberg.

(Foto: Arlet Ulfers)

In der Reihe "Bergspektiven" geht es um den ehrbaren Kaufmann: Der neue Chef der Volks- und Raiffeisenbank Starnberg, Konrad Hallhuber, berichtet von Compliance und Co.

Von Ute Pröttel, Berg

Sich bloß nicht bestechen zu lassen, das ist wohl einer der wichtigsten Grundsätze in der deutschen Geschäftswelt. Bevor jemand einen Chefsessel erklimmt, wird er erst einmal auf seine "Compliance" geprüft. Also auf die Kenntnis von Gesetzen und Richtlinien - und vor allem auf die Treue, sie einzuhalten. So ist es auch Konrad Hallhuber ergangen, dem neuen Vorstand der VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg. Seit sieben Tagen ist er im Amt. Am Mittwochabend war der gebürtige Starnberger zu Gast bei den Bergspektiven. Sein neuer Job besteht zum Großteil darin zu überwachen, dass die strengen Regeln, die von der Bankenaufsicht im Nachgang der Banken- und Finanzkrise aufgestellt wurden, auch eingehalten werden.

Auf die Frage des Moderators Christian Kalinke "A bisserl was geht doch immer?" antwortet Hallhuber trocken: "In der Bank nimmer." Bei sämtlichen Geschäften herrsche das Vier-Augen-Prinzip, und ohne genaue vorherige Kalkulation trifft Hallhuber keine Entscheidung. Auch bei persönlicher Sympathie sei heute für "weniger Compliance" keine Luft, wie Kalinke nachbohrt. Im Klartext: Einmal ein Auge zudrücken, das ist undenkbar. Dass die Regelwut in Deutschland vielleicht überhand genommen hat, will Hallhuber nicht in Abrede stellen. Doch als Risikomanager hat er ganz klare Vorgaben, und im Gespräch mit Kalinke wird klar, dass Hallhuber sie kennt und einhalten wird.

Auch zur 99. Veranstaltung der Bergspektiven im Hotel Schloss Berg sitzen wieder ein paar Zuhörer im Publikum, die zum ersten Mal dabei sind. Die Bauernstube ist locker gefüllt. Als weiteren Gast hatte Christian Kalinke am Mittwochabend Rolf Nonnenmacher eingeladen. Der ehemalige Wirtschaftsprüfer bei KPMG ist Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK). Ihr Thema: das ehrbare Kaufmanns-Prinzip. Zwar enthält der Kodex nur Empfehlungen oder Anregungen, doch das Regelwerk zielt auf angemessene Unternehmensführung, was vor allem auch den Begriff der Nachhaltigkeit bei allem Tun und Handeln impliziert.

Initiiert wurde der Kodex im Nachgang zur Philipp-Holzmann-Pleite im Jahr 2000. Seither wird er jährlich überprüft. Wie viel Merkel denn nun in dieser Regierungskommission steckt, fragt Kalinke. Das Einzige, was er in diesem Jahr von "Frau Merkel" bekommen habe, sei eine Weihnachtskarte, erzählt Nonnenmacher und versichert, dass die Regierung die Kommission gewähren lasse. Anschaulich erklärt er, wie die Kommission arbeitet und geht gut gelaunt auf die Fragen im Publikum ein - ohne jedoch preiszugeben, was im Beruf sein größter Flop war.

Rolf Nonnenmacher, der in Assenhausen lebt, war kurzfristig als Gast eingesprungen, nachdem Günther Beckstein seine Teilnahme abgesagt hatte. Das passiert. Nur diesmal war Kalinke in der Bredouille: Da er den Termin für die 100. Veranstaltung der seit 16 Jahren bestehenden Berger Plauderreihe bereits terminiert hatte und diese natürlich nicht ohne eine vorhergehende 99. Veranstaltung stattfinden kann.

Gefeiert wird am 23. Februar im Berger Marstall. Kalinke plant eine kurzweilige Zeitreise im Gala-Ambiente. Dazu hat er all seine Gesprächspartner aus den letzten 16 Jahren eingeladen. Kämen sie alle, wären es gut 200. Dazu die Honoratioren aus Gemeinde und Sportverein, denn ganz zu Beginn hieß seine Veranstaltung ja einmal MTV Unternehmer-Stammtisch. Sie diente dazu, Spendengelder für die Jugend und den neuen Sportplatz einzusammeln.

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