Geschäftsidee Kartenspiele

Bunt und kreativ: Patrick Leibold ist Geschäftsführer in der "Kartenmacherei" in Gilching. Die Firma ermöglicht ihren Kunden das Gestalten von Glückwunschkarten zu allen möglichen Anlässen. Ein erfolgreiches Geschäftsmodell, denn das Unternehmen hat zurzeit 50 offene Stellen.

(Foto: Georgine Treybal)

Geburten und Hochzeiten sind die Anlässe, zu denen die meisten Glückwunschkarten geschrieben werden. Die "Kartenmacherei" in Gilching ist auf Expansionskurs. Die Chefs machen sich schon Gedanken über neue Firmengründungen

Von Otto Fritscher, Gilching

Gruß- und Glückwunschkarten im Internet selbst zu gestalten - dieses Geschäftsmodell ist ja nicht ganz neu. Wer will, kann auch in jedem besseren Drogeriemarkt an einem Automaten kreativ werden. Aber die Art und Weise, wie Firmengründer Christoph Behn die von ihm vor zehn Jahren in Gilching gegründete Firma "Die Kartemacherei" auf Erfolgskurs getrimmt hat, ist dann doch wieder erstaunlich: mit einem Online-Konfigurator für Gruß- und Glückwunschkarten, der leicht zu bedienen ist, mit schlüssigen Designs und vor allem engagierten Mitarbeitern, die flexibel über ihre Arbeitszeiten entscheiden können, und auch von zuhause aus oder auch mal aus dem Ausland arbeiten können. "Viele Mütter sind dabei", sagt Geschäftsführer Patrick Leibold.

Und er präsentiert Zahlen, die den Erfolgskurs des Unternehmens verdeutlichen, das immer noch im Besitz des Gründers ist. Der Umsatz betrug zirka 40 Millionen Euro im vergangenen Jahr, heuer können es bis zu zehn Millionen Euro mehr werden. 200 Mitarbeiter hat die Firma, die meisten, rund 120, im Astopark in Gilching. Daneben gibt es noch kleinere Standorte in München-Laim und Hamburg. Die Kartenmacherei-Kunden konfigurieren jährlich etwa 20 Millionen Grußkarten, die dann auf Druckfehler, Missverständlichkeiten oder auch- in seltenen Fällen auf strafbaren Inhalt hin - geprüft werden, bevor sie in Druck gehen.

"Die Firma ist bis jetzt ohne Fremdkapital ausgekommen und aus sich selbst heraus gewachsen", erklärt Leibold, der vor eineinhalb Jahren zum Führungsteam dazugestoßen ist. Vorher war er als Interimsmanager und Firmensanierer tätig. "Da habe ich harte Schnitte machen und durchsetzen müssen", sagt Leibold. Bei der Kartenmacherei gehe es um Wachstum, Zukunftsideen, eine wertschätzende Firmenphilosophie und Kundenorientierung", sagt Leibold. Man spürt, dass ihm dieser Job mehr Spaß macht, als die Vorherigen.

Doch auch wenn die Kartenmacherei auf Erfolgskurs segelt, wollen sich die Macher der Macherei nicht zurücklehnen. Jetzt denken Patrick Leibold, Christoph Behn und sein Bruder Steffen darüber nach, wie sie die mittlerweile gegründete Holding namens "Better", deren wichtigste Tochter eben die Kartenmacherei ist, mit neuen Firmengründungen füllen können.

"Natürlich soll das kein Sammelsurium an Startups oder Firmen werden, sondern Sinn machen und die Kartenmacherei bei den Themenfeldern Geburt, Hochzeit und Weihnachten sinnvoll ergänzen", erklärt Geschäftsführer Leibold. Erster Schritt war der Kauf eines Schmuckgeschäfts, denn wer heiratet oder sich verlobt, braucht in der Regel auch Ringe. "Für eine Hochzeit in Deutschland werden durchschnittlich 12 000 Euro ausgegeben", sagt Leibold. "Und von diesem Kuchen wollen wir in Zukunft mehr haben", so der Manager. Über weitere Ideen, die Better-Group breiter zu machen, will er noch nicht sprechen.

Klar ist indes, dass die Kartenmacherei trotz ihres Expansionskurses in Gilching bleiben und nicht nach München oder sonst wohin ziehen wird. "Viele unserer Mitarbeiter kommen aus dem Raum Landsberg und sind froh, dass sie nicht durch den Stau auf der A 96 nach München hineinfahren müssen", sagt Leibold.

50 offene Stellen gibt es momentan, die Räumlichkeiten im Astopark in der Nähe des Oberpfaffenhofener Flughafens werden langsam eng. Vor allem werden Mediengestalter gesucht, die sich mit der Gestaltung von Druckmedien auskennen, aber auch Mütter sind immer gerne gesehen. "Sie sind zuverlässig, empathisch im Kundengespräch, belastbar und sehr gute Managerinnen", sagt Leibold. Er schätzt, dass sich die Mitarbeiterzahl in Gilching in zwei, drei Jahren verdoppelt haben wird.

Doch die Chefs denken auch in die fernere Zukunft. Denn es nicht gesagt, dass die Glückwunschkarte ein auf lange Sicht funktionierendes Geschäftsmodell bleiben wird - Stichwort: digitaler Wandel. Von Whatsapp oder anderen Messenger-Diensten fürchtet die Kartenmacherei keine Konkurrenz. "Wer viel Geld für eine Hochzeit, eine Geburt oder für Weihnachten ausgibt, der will auch entsprechend hochwertig einladen oder Dank sagen", ist Leibold überzeugt. Doch wie das ins Digitale übersetzt werden soll ist noch offen.

Auf jeden Fall achtet Leibold schon im Einstellungsgespräch auf die jeweilige Haltung der Bewerber, ob diese zur Firma passt - "Culture fit" heißt das im Fachjargon der Personaler. Und er hat einen Unterschied ausgemacht. Die Aufgabe für die Bewerber heißt: "Erkläre Deiner Oma, was Du bei der Kartenmacherei eigentlich machst." - "Ja so Karten zusammenstellen, die dann gedruckt und an die Kunden verschickt werden", lautet eine gängige Antwort. "Wo macht ihr das denn?" - "Im Internet." - "Ja wo ist das denn? Lass uns doch mal hinfahren, damit ich Dir mal zuschauen kann", antwortet dann die fiktive Oma - und die jungen Bewerber stutzen. "Junge Leute unter 27 erklären gar nicht mehr, was das Internet ist, für sie ist das total selbstverständlich", sagt Leibold. Wichtig ist dieses Einfühlungsvermögen auch deshalb, weil Papier-Karten eben oft von der älteren Generation verschickt werden. Die Manager bei der Kartenmacherei indes sind jung: Firmengründer Behn ist gerade mal 40 Jahre alt geworden, Leibold ist 37 Jahre alt.