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Gericht:Taxifahrt mit Wodkaflasche

Drei betrunkene junge Leute prellen Chauffeur um Geld

Von Christian Deussing, Starnberg

Drei betrunkene Burschen hatten in der Nacht zum 14. März 2020 in Gauting ein Großraumtaxi angehalten, um nach Starnberg zu fahren. Doch am Bahnhof Nord sprangen sie aus dem Wagen und flüchteten, ohne den Fahrpreis von 27,20 Euro zu zahlen. Zudem soll das Trio die Ledersitze im Taxi beschmutzt, mit einem spitzen Gegenstand ramponiert und letztlich einen Schaden von 1555 Euro angerichtet haben. Jetzt mussten sich zwei der jungen Leute, ein 20-jähriger Gautinger und ein 17 Jahre alter Kraillinger, wegen Sachbeschädigung und gemeinschaftlichen Betrugs vor dem Jugendgericht Starnberg verantworten.

Der dritte Mitfahrer war damals von der Polizei in Starnberg nicht erwischt worden. Er gab aber nun als Zeuge im Prozess zu, bei der nicht bezahlen Taxifahrt dabei gewesen zu sein. Zunächst saßen aber nur seine Kumpels auf der Anklagebank. Sie gaben den Betrug zu, stritten jedoch die Beschädigungen im Wagen ab. Diese waren den Angeklagten auch nicht nachzuweisen, denn sie hatten offenkundig nur Alkohol verschüttet. Der Kraillinger, der wegen Körperverletzungen und besonders schweren Raubes vorbestraft ist und unter Bewährung steht, wurde wegen Betrugs zu 64 Sozialstunden und Alkoholberatungsgesprächen verurteilt. Das Verfahren gegen seinen Mitangeklagten stellte das Gericht gegen eine Geldauflage 250 Euro und mit der Pflicht zur Suchtberatung ein.

"Wir waren besoffen und wussten nicht, was wir tun", sagte der Kraillinger. Es sei keine S-Bahn mehr in der Nacht gefahren, und er habe gedacht, dass die Freunde Geld dabei hätten und sie die Taxifahrt zahlen würden. Vernommen wurde auch der geprellte Taxifahrer. Die jungen Leute seien laut und betrunken gewesen - "und hinten kreiste die Wodkaflasche." Nachdem die Burschen am Bahnhof Nord getürmt waren, fuhr der Taxler sofort zu Polizeiwache. Später präsentierte sein Chef ein kurzes Gutachten, das den Schaden von 1555 Euro mit Kratzern im Polster des Taxis belegen sollte. Doch den Richter und auch den Staatsanwalt überzeugten die Fotos nicht, denn sie belegten keinesfalls, dass diese Schäden von den Angeklagten verursacht worden seien.

Zudem seien auch die Flecken nur mit Mühe zu erkennen, betonte der Pflichtverteidiger des Kraillingers. Der Anwalt wies auch den Betrugsvorwurf zurück und forderte für den 17-Jährigen einen Freispruch. Denn der Jugendliche habe darauf vertraut, dass die anderen das Taxi zahlen würden.

© SZ vom 06.05.2021
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