Gericht Schläge statt Drogen

Männer rauben 16-Jährigen aus, der Rauschgift kaufen wollte

Von Christian Deussing, Pöcking

Angeblich war das Geld, das der Jugendliche in einem Pöckinger Bankautomaten einzahlen wollte, für seinen Führerschein bestimmt. Doch laut Anklage hatte der Jugendliche am Abend des 20. August 2017 etwas anderes vor: Er wollte mit den 1800 Euro Drogen kaufen. Zwei Männer spielten ihm allerdings im Auftrag von Dealern übel mit. Sie fingen den damals 16-Jährigen ab, schlugen ihn nieder und traten auf ihr Opfer ein, so die Staatsanwältin. Die Täter sollen dem Pöckinger den Geldbeutel, eine Halskette und Zigaretten entrissen haben und mit dem Auto von zwei Komplizen geflüchtet sein, die auf die Räuber warteten. Einen der Täter hatte das Opfer flüchtig gekannt. Dass die beiden Angeklagten den Jugendlichen abzocken wollten, scheint auch ein Chatverlauf auf dem Handy des Überfallenen zu belegen, mit dem die Drahtzieher den Treffpunkt in Pöcking vereinbarten. Das Drogengeschäft sei nur vorgetäuscht worden, ist die Kriminalpolizei überzeugt, in Wahrheit seien die Männer nur auf das Geld ausgewesen.

Die 22 und 20 Jahre alten Angeklagten bestätigten am Donnerstag vor dem Jugendschöffengericht Starnberg den Plan und gestanden reumütig die Tat. Sie wurden wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt - der Ältere zu insgesamt 17 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, wobei ein vorheriges Urteil wegen Drogenhandels miteinbezogen wurde. Der zweite Angeklagte, der ebenfalls nach Drogendelikten vorbestraft ist, erhielt einen viertägigen Dauerarrest, soll 64 Sozialstunden ableisten und sich Drogentests unterziehen. Zudem muss das Duo 1600 Euro als Wertersatz zurückzahlen.

Nach ihren Angaben hätten sie sich zu je 400 Euro die Beute mit ihren Auftraggebern geteilt. Die Angeklagten beteuerten aber im Prozess, den Jugendlichen nicht mit der Faust geschlagen oder getreten zu haben. "Ich habe ihm nur mit der flachen Hand eine Ohrfeige verpasst und ihn am Boden festgehalten", so der Jüngere. Sein Mittäter habe dabei das Portemonnaie entwendet. Eine Kette hätten sie nicht gestohlen. Bei dem Angriff war der Lehrling verletzt worden und musste in einer Klinik behandelt werden; laut Attest erlitt er eine Schädel- und Wirbelsäulenprellung.

Das Opfer trat als Zeuge und Nebenkläger in der Verhandlung auf. Er sei von hinten gepackt worden und habe "Tritte abbekommen", sagte er. Der Zeuge behauptete weiterhin, dass er das Geld bei der Bank einzahlen wollte. Erst als Richter Ralf Jehle ihm die eindeutigen Verabredungen auf dem Handychat für ein mutmaßliches Drogengeschäft vorhielt, verweigerte der Lehrling die Aussage. Das Gericht sah den Raub und gemeinsamen Tatplan als erwiesen an - würdigte aber wie Verteidiger und Staatsanwältin, dass sich die Männer schuldeinsichtig gezeigt und von der Drogenszene gelöst haben.