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Gericht:Auf Stiefsohn eingeprügelt

34-Jähriger aus Gauting zu Geldstrafe verurteilt

Von Christian Deussing, Gauting

Sie hatten offenbar häufig miteinander gestritten, aber am 3. Oktober vergangenen Jahres eskalierte die Auseinandersetzung zwischen dem Familienvater und seinem Stiefsohn. Der Anklage zufolge soll der arbeitslose Mann den 20-Jährigen in der Gautinger Wohnung am Hals gepackt und gewürgt, ihn in der Küche auf die Sitzbank gedrückt und dreimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Zudem habe er mit einer fast vollen 1,5 Liter-Plastikflasche auf den jungen Mann eingeschlagen, was sich aber im Prozess vor dem Amtsgericht Starnberg nicht beweisen ließ.

Das Opfer, das sich mit Schlägen und Tritten gegen die Attacken des Angeklagten gewehrt hatte, berief sich als Angehöriger auf sein Recht, die Aussage zu dem Vorfall zu verweigern. Laut Staatsanwaltschaft hatte er durch den Angriff Blutergüsse am Auge und an den Unterarmen erlitten. Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte, der mittlerweile in einer Notunterkunft nördlich von München wohnt, wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à zehn Euro verurteilt.

Der 34-Jährige räumte die rabiate Attacke ein. "Es ist scheiße gelaufen, ich hatte Stress mit mir selber, und meine Frau war bei ihrem neuen Freund", erzählte der Angeklagte dem Gericht. Er rechtfertigte seinen Ausraster damit, dass sein Stiefsohn ihn beleidigt habe, als er nur für sich und seine zweijährige Tochter Essen mitgebracht hatte. Aus diesem Grund sei die Sache eskaliert, sagte der Verteidiger. Sein Mandant habe nun aber ein offenes und ehrliches Geständnis abgelegt, sich zudem mit seinem Stiefsohn und dessen Mutter ausgesprochen und versöhnt. Der Anwalt, der eine deutlich geringere Geldstrafe gefordert hatte, sprach von einer "innerfamiliären Spontantat" und betonte, dass der Mann seinen Fehler eingesehen habe.

Die Staatsanwältin erklärte, der Angeklagte sei mit "erheblicher Aggressivität" gegen seinen Stiefsohn vorgegangen. Das sah auch Richterin Christine Conrad so, führte aber auch an, dass sich der Gautinger damals gestresst und provoziert gefühlt habe. Allerdings rechtfertige dies nicht, "sich so aggressiv zu verhalten", mahnte sie. Auch dies schien der Mann zu verstehen, der nach eigenen Angaben zu seiner Ehefrau und kleinen Tochter zurückkehren will. Er bemühe sich jetzt außerdem darum, einen Job im Gartenbau zu bekommen.

© SZ vom 18.11.2020
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