Gauting/Gilching Zoff unter Nachbarn

Gauting plant ein großes Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz. Das passt den Gilchingern nicht, sie sehen ihr Trinkwasser und Naherholungsgebiet in Gefahr. Der Streit zieht sich quer durch Parteien

Von Michael Berzl und Christian Deussing, Gauting/Gilching

Die Gautinger Pläne für ein großes Gewerbegebiet direkt an der Grenze zur Gemeinde Gilching beschert Kommunalpolitikern in beiden Gemeinden einen Interessenkonflikt. Da stehen die Belange des eigenen Ortes dann gegen die Loyalität unter Parteifreunden. Die einen hoffen auf Gewerbesteuern, die anderen wollen Grünflächen verteidigen. So stimmten SPD-Vertreter in Gauting wie fast alle Kollegen anfangs für das Projekt, während ihre Parteifreunde in Gilching sich dagegen stemmen.

Und bei der CSU ist es noch komplizierter. Das Thema sei ein "heißes Eisen", erklärte am Mittwoch Manfred Herz, Gewerbereferent und CSU-Gemeinderat in Gilching, der SZ. Auf dem Gelände des Sonderflughafen Oberpfaffenhofen gebe es ein riesiges, bereits genehmigtes Gewerbegebiet für flugaffine Firmen; daher müsste nach seiner Überzeugung das für Gilching wichtige Naherholungsgebiet im Unterbrunner Holz nicht versiegelt werden. Gauting koche dort ein "eigenes Süppchen", sagt Herz und betont, dass dieses Gelände als Landschafts- und Wasserschutzzone ausgewiesen sei und sich dort Trinkwasserbrunnen befänden.

Darauf weist auch stets die Gilchinger Wasserreferentin Dorothea Heutelbach hin, die ebenfalls der CSU-Fraktion angehört. Sie bezeichnet die Pläne der Nachbargemeinde Gauting sogar als "rechtswidrig", denn eine Wasserschutzzone werde missachtet.

Ganz anders klingt das im Kreisvorstand der CSU. "Im Grunde stimmen wir diesem Vorhaben zu. Voraussetzung ist allerdings, dass die Zufahrt noch geklärt wird und das Problem des Wasserschutzes gelöst wird", erklärte die Kreisvorsitzende Stefanie von Winning. Der einfachste Weg ins neue Gautinger Gewerbegebiet würde einige Meter über Gilchinger Flur führen. "Aber wenn diese Probleme aus dem Weg geräumt sind, sind wir der Meinung, dass das eine gute Sache ist", erklärt von Winning. Sie unterstützt damit die Parteifreundin und Gautinger Rathauschefin.

Die beiden Bürgermeister Manfred Walter (SPD) und Brigitte Kössinger (CSU) haben schon lange nicht mehr über das Thema geredet. Da herrsche seit eineinhalb Jahren Funkstille, sagte Walter.

Für Kössinger zählt die Ausweisung von Flächen in der Nähe des Sonderflughafens bei Oberpfaffenhofen zu den wichtigsten Zielen in den nächsten Jahren und steht an erster Stelle einer Liste ihrer nächsten Vorhaben. Das hat sie gemeinsam mit der CSU-Ortsvorsitzenden Eva-Maria Klinger in einem Gespräch anlässlich ihrer Halbzeitbilanz nach drei Jahren im Amt bekräftigt und einmal mehr darauf hingewiesen, wie wichtig für die Gemeinde zusätzliche Steuereinnahmen sind.

Ihr ist aber auch bewusst, dass sie einen langen Atem brauchen wird und mit einigen Widerständen rechnen muss. Nicht zuletzt von ihrem Amtskollegen Walter (SPD). Seiner Ansicht nach müsste Gauting zunächst alternative Standorte prüfen, um möglichst wenig in die Natur einzugreifen. Das sei sogar gesetzlich vorgeschrieben. Aber noch sei der Bebauungsplan nicht eingereicht worden, danach werde Gilching dazu Stellung beziehen.

Seit dem Verkauf des Flughafens bei Oberpfaffenhofen an ein Konsortium aus Immobilienentwicklern hat sich die Ausgangslage geändert. Seither fordert auch die Gautinger SPD eine Verlagerung und argumentiert damit ähnlich wie Walter. Mit dem Eigentümerwechsel habe sich die große Chance eröffnet, die Pläne nochmals zu überdenken, heißt es in einem Antrag der Fraktion vom Dezember. Bei den Grünen waren nur zwei Monate vergangen zwischen der grundsätzlichen Zustimmung im Gautinger Gemeinderat und der grundsätzlichen Ablehnung im Kreisverband. "Das beabsichtigte Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz wird abgelehnt", erklärte der Kreisvorsitzende Bernd Pfitzner im September "nach ausführlicher Erörterung und Diskussion". Bannwald, Landschaftschutz und Trinkwasserbrunnen dürften nicht zerstört werden.

Das gut 70 Hektar große Gewerbegebiet beim Flughafen ist eines von zweien, an dem die Gautinger Rathausverwaltung derzeit arbeitet. Es gibt schon Entwürfe, die Planer sind gerade dabei, diese Konzepte zu konkretisieren. So weit ist man bei der zweiten Fläche in der Nähe der Asklepios-Klinik noch lange nicht, aber Kössinger geht nun davon aus, dass man dort eher am Ziel ist. Das 9,5 Hektar große Grundstück, das im Westen an das Krankenhausgelände angrenzt, hatte die Gemeinde vor gut 20 Jahren vom Bund gekauft. Wegen einer Bindungsfrist, die im vergangenen Jahr abgelaufen ist, passierte aber vorerst nichts. Nun können aber auch dort die planerischen Vorbereitungen beginnen.

Bisher ist dort noch eine Wiese, das Interesse von Firmen ist groß. Etliche Firmen haben sich schon im Rathaus gemeldet. "Wir brauchen das dringend für die Bedarfspflege", sagt Bürgermeisterin Kössinger. Sie weiß von einigen Betrieben, die darauf warten, bis sie umziehen können. Wann alles glatt läuft, könnte in etwa drei Jahren das erste Gebäude errichtet werden. Immerhin gebe es dort keine Probleme mit Wasserschutz oder Bannwald. Und keinen Nachbar-Bürgermeister, der sich querstellt.