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Gewalt im Fußball:Lokalderby endet mit einer Rauferei

Das Kreisklassen-Spiel der U 19 aus Gauting gegen eine Spielgemeinschaft aus Pentenried und Stockdorf wird nach einem Handgemenge abgebrochen. Nun ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung.

Von Michael Berzl

Betrunkene Zuschauer, beleidigende Sprechchöre und schließlich ein Handgemenge: Ein Fußballspiel der U-19-Jugend in Gauting ist am Freitagabend abgebrochen worden, nachdem es nach einem Tor für die Gäste zu Tumulten auf dem Spielfeld gekommen war. Die Polizei war mit mindestens fünf Fahrzeugen im Einsatz. Nun laufen Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Nord in Ingolstadt am Sonntag mit. "Das war Fußball von der hässlichen Seite", sagte Jens Rindermann, der Leiter der Fußballabteilung des Gautinger Sportclubs (GSC). Zugleich nimmt er die Spieler in Schutz. "Beide Mannschaften haben sich absolut vorbildlich verhalten", betont er. Nicht aber die Fans.

Im Kreisklassen-Lokalderby des Gautinger SC gegen die Spielgemeinschaft an der Würm mit Kickern aus Stockdorf und Pentenried führten die Gastgeber lange mit 2:0. Als dann in der zweiten Halbzeit der Gegentreffer fiel, kam es zu Ausschreitungen. Laut Rindermann, der selbst bei dem Spiel war, eskalierte die Situation, als der Torschütze der Spielgemeinschaft jubelnd auf seine Fans zulief. In kurzer Zeit waren auch Zuschauer auf dem Spielfeld, es kam zu einem Handgemenge, nach Beobachtungen von Zeugen auch zu Faustschlägen. Das Spiel wurde abgebrochen.

Die Gastgeber waren schon gewarnt, da es bei den beiden Jugend-Mannschaften eine besondere Rivalität zu geben scheint. Beim Derby im vergangenen Jahr sollen Feuerwerkskörper gezündet worden sein. Darum wurden dieses Mal besondere Vorkehrungen getroffen, auch um die Corona-Auflagen einhalten zu können. So wurde ein striktes Alkoholverbot ausgesprochen und auch kontrolliert. Zehn Ordner waren im Einsatz, es gab Taschenkontrollen, gegen etwa ein halbes Dutzend Zuschauer wurden Platzverweise erteilt. Doch die Eskalation war nicht zu verhindern. "Wir wurden überrannt. Wir haben nicht damit gerechnet, dass das ganze Partyvolk zu dem Spiel kommt", sagte Rindermann. Etwa 180 Zuschauer wurden gezählt, wesentlich mehr, als bei einer Begegnung in dieser Spielklasse unter normalen Umständen zu erwarten gewesen wären. In den Augen des GSC-Abteilungsleiters war die Begegnung am Freitagabend ein "Ventil" für die Jugend, für die in Corona-Zeiten sonst kaum Unterhaltung geboten ist. Das Spiel scheint zumindest bei einigen Anlass zu exzessivem Alkoholkonsum gewesen zu sein; darauf deuten jedenfalls Wodka-Flaschen hin, die in der Umgebung des am Ortsrand gelegenen Sportgeländes gefunden wurden.

Nun untersucht die Polizei die strafrechtlichen Folgen, der körperlichen Auseinandersetzungen. Nach Angaben des Präsidiumssprechers laufen Ermittlungen gegen mehrere Beschuldigte. Von zahlreichen Zeugen wurden noch am Abend die Personalien aufgenommen.

Laut Rindermann werden die Vorfälle auf dem Gautinger Sportplatz auch das Sportgericht noch beschäftigen, das die Möglichkeit habe, unterschiedliche Sanktionen wie Geldstrafen oder Sperren zu verhängen.

Unterdessen hat der GSC bereits seine Konsequenzen gezogen. "So ein Lokalderby werden wir sicher nicht mehr an einem Freitagabend austragen", sagte Rindermann. "Das machen wir künftig am Sonntagvormittag."

© SZ vom 12.10.2020

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