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Spenden:Eine milde Gabe fürs arme Gauting

Weil die Gemeinde Zuschüsse für Soziales und Kultur streicht, sammeln Bürger Spenden. Bernd Lüders etwa will den Fahrdienst vom Deutschkurs zum Kindergarten retten.

Wo die Gemeinde Zuschüsse streicht, springen Spender ein. Dieses Modell macht in Gauting Schule. Das war im vergangenen Jahr beim Filmfestival von Matthias Helwig so und im Sommer beim Waldfest des Eltern-Kind-Programms. Für das Kulturprogramm im Bosco läuft gerade eine Sponsoringkampagne unter Federführung von Altbürgermeister Ekkehard Knobloch. Auch für das Mühlrad haben die Gautinger viel Geld gegeben. Insgesamt Tausende Euro aus privaten Kassen sind so geflossen. Jüngstes Beispiel ist eine Initiative von Bernd Lüders, der dazu aufruft, für einen Fahrdienst vom Deutschkurs zum Kindergarten zu spenden. Bisher hat auch dafür die Kommune bezahlt, heuer allerdings nicht mehr.

Es ist eine der vielen freiwilligen Leistungen, die im Zuge des Sparkurses im Gautinger Rathaus gestrichen wurde. Die Gemeinderäte hatten sich im vergangenen Herbst extra zu einer Klausurtagung zurückgezogen, um sich auf die Suche nach verzichtbaren Ausgaben zu machen. Bisher stand ein Posten von 14 000 Euro im Haushalt, um damit die Busfahrten für Kinder zu bezahlen, die an einem Deutschkurs in der Grundschule teilnehmen und dann im Lauf des Vormittags in den Kindergarten gebracht werden mussten. Nach Angaben des Rathauses sind es bisher etwa 30 Buben und Mädchen gewesen, die das Angebot in Anspruch genommen haben.

Der Finanzierung des Kurses ist weiterhin gesichert, der Bus vorerst nicht. Allerdings gibt es auch in der Gemeinde Bemühungen, den Fahrdienst wenigstens einmal pro Woche aufrecht zu erhalten. Deswegen liefen bereits Gespräche mit dem Schulamt, erklärte Rathaussprecher Fred Rauscher am Dienstag. Bisher habe außer Gauting nur eine weitere Gemeinde im Landreis Starnberg so einen Bustransport als freiwillige Leistung finanziert.

Lüders, der unter anderem Stiftungen und den SZ-Adventskalender unterstützt, hatte von der Finanzierungslücke eher zufällig erfahren, als er sich über Modalitäten für Zuwendungen an die Sozialstiftung der Gemeinde erkundigt hat. "Uns geht es gut. Man muss nicht alles haben", sagt der 66-Jährige, der zuletzt als Abteilungsleiter einer Bank gearbeitet hat und nun vor allem im Bereich Bildung als finanzieller Förderer auftritt. Ihm erscheint es wichtig, Kindern gute Startchancen zu ermöglichen. In seinen Augen wäre es ein "politisches Unding", wenn die Finanzkraft von Eltern eine Rolle beim Werdegang der Kinder spielt. Umso mehr wäre es in seinen Augen ein Fehler, den Fahrdienst für die kleinen Deutschschüler zu streichen. "Da wird es auf dem Rücken der Kleinsten ausgetragen", kritisiert er. Daher appelliert der Rentner zu spenden. Ein einzelner Betrag von 2000 Euro ist nach seinen Angaben bereits eingegangen. Nun hofft Lüders, dass weitere 10 000 Euro zusammenkommen. Die dann noch fehlenden 2000 Euro müsste die Gemeinde beisteuern, meint Lüders. "Wenn das nicht klappen würde, wäre das ein Armutszeugnis für Gauting", findet er. Wer die Initiative finanziell unterstützt, muss sich ans Rathaus wenden.

Spendenaufrufe nach Zuschusskürzungen waren in der Vergangenheit in Gauting schon recht erfolgreich. Fast 10 000 Euro hat zum Beispiel Gemeinderätin Christiane Lüst im vergangenen Jahr für das Fünfseen-Filmfestival zusammenbekommen. Veranstalter Helwig hatte eigentlich 15 000 beantragt, sollte nur 5000 bekommen und hat dann lieber gar nichts von der Gemeinde genommen. Die Spenden fielen dann doppelt so hoch aus wie der Zuschuss, den er abgelehnt hatte.

Auch der Betrieb im Bosco leidet unter dem kommunalen Sparkurs. Den jährlichen Zuschuss für den Betreiber und Hauptmieter, das Theaterforum, haben die Gemeinderäte wie bei vielen anderen Vereinen auch gekürzt; zugleich steigt die Saalmiete. Um das auszugleichen, springen die "Freunde des Bosco" ein. Seit dem Spendenaufruf im Juni sind schon mehrere Tausend Euro eingegangen. Einen genauen Betrag konnte der Initiator Ekkehard Knobloch noch nicht nennen.

Ein weiteres Beispiel ist das Waldfest des Eltern-Kind-Programms. Nachdem die Gemeinde das Aufstellen von Buden erstmals bezahlt haben wollte, haben Privatleute das Geld zur Verfügung gestellt. Bei der aufwendigen Restaurierung des Mühlrads für mehr als 100 000 Euro hat die Gemeinde selbst um finanzielle Unterstützung aus privaten Kassen geworben.

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