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AOA-Gelände:Neues Wohngebiet in Gauting soll kleiner ausfallen

Ein Bündnis aus mehreren Fraktionen will die Planungen für das Areal an der Ammerseestraße abspecken. Bei einer Sondersitzung steht eine Grundsatzentscheidung an.

Von Michael Berzl

Noch stehen an der Ammerseestraße in Gauting die schon lange nicht mehr genutzten Betriebsgebäude der ehemaligen Firma AOA-Apparatebau. Doch auf dem früheren Firmengelände und der freien Fläche dahinter soll ein neues Wohngebiet entstehen. Im Rathaus liegen schon recht konkrete Pläne vor; mit großen Mehrfamilienhäusern, einem Bereich mit kleineren Flachbauten und einem Supermarkt. Vielen Gemeinderäten ist das jedoch alles eine Spur zu groß; sie wollen die Planungen abspecken.

Einen entsprechenden Antrag hat ein fraktionsübergreifendes Bündnis aus Grünen, FDP, "Menschen für Gauting", "Miteinander-Füreinander" und SPD formuliert, der in einer Sondersitzung des Gemeinderats am kommenden Dienstag behandelt werden soll. Dann steht eine Grundsatzentscheidung an, wie es mit dem Gebiet weitergehen soll, der im Rathaus den Arbeitstitel "Patchway-Anger" trägt. Als Grundeigentümer und Bauherren beteiligt sind außer der Gemeinde der Verband Wohnen und das Katholische Siedlungswerk sowie die Diehl-Gruppe, der die Firma AOA gehört.

Die Gemeinderäte in den Fraktionen, die den Gemeinschaftsantrag gestellt haben, verfügen zusammen über eine deutliche Mehrheit der Stimmen und haben somit die Möglichkeit zu einer Kurskorrektur auch gegen den Willen von Bürgermeisterin Brigitte Kössinger und der CSU-Fraktion. Die Änderungswünsche sind umfangreich und zum Teil gravierend. Für die jeweiligen Bauherren würden sich neue Voraussetzungen ergeben.

So sprechen sich die Kritiker gegen den bisher auf dem AOA-Gelände vorgesehenen Supermarkt an der Ammerseestraße aus. Stattdessen sollen nur "kleinteilige Einzelhandelsflächen zur Quartierversorgung" zugelassen werden. Weitere Forderungen: Die Geschossflächen in den verschiedenen Häusern und damit die Baumassen sollen neu begrenzt werden. Statt der bisher vorgesehenen winkelförmigen Häuser in einem Bereich sollen Wohnanlagen wie am Lulu-Beck-Weg entstehen.

Die Gemeinde soll ihre Flächen nicht verkaufen, sondern in Erbpacht vergeben. Betreuungsplätze für Kinder von der Krippe bis zum Hort sollen innerhalb des neuen Wohnquartiers geschaffen werden. Schließlich soll ein Vertrag zur Abnahme von Fernwärme aus der geplanten Geothermie-Anlage im Unterbrunner Holz angestrebt werden. Es sollen Angebote zum Car- und Bikesharing geschaffen werden.

Die öffentliche Sitzung am Dienstag im im Rathaus, die um 19.15 Uhr beginnt, ist ausschließlich den Planungen für das Wohngebiet zwischen Ammerseestraße und Pötschener Straße gewidmet. Architekten und Planer sind dazu eingeladen, außerdem Fachleute für Markt- und Standortanalysen sowie Rechtsanwälte, die über mögliche Entschädigungsansprüche informieren sollen.

© SZ vom 02.10.2020
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