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Gauting:Wohncontainer für Saisonarbeiter

Gauting Kiefl

Carola und Wolfgang Kiefl mit Sohn Valentin: "Wenn es unseren Mitarbeitern gut geht, geht es auch uns gut."

(Foto: Nila Thiel)

Der Buchendorfer Gärtnereibetreiber Wolfgang Kiefl braucht mehr Platz, um seine Beschäftigten unterzubringen. Trotz einzelner Bedenken stößt er mit seinen Plänen im Bauausschuss auf breite Zustimmung

Von Michael Berzl, Gauting

Mit seiner vor wenigen Jahren ausgebauten und modernisierten Gärtnerei bei Buchendorf zählt Wolfgang Kiefl zu den größeren Arbeitgebern in der Gemeinde Gauting. Nach eigenen Angaben sind dort 123 Mitarbeiter aus 15 Nationen beschäftigt. Ein Teil davon sind Saisonarbeiter, die nur für ein paar Monate kommen. Ein Problem kennt Kiefl dabei genau so gut wie viele andere Firmenchefs in der Region: Wegen der hohen Mieten im Würmtal ist es schwierig, überhaupt gute Leute zu finden. Darum schafft der Gärtnereibesitzer nun selbst weiteren Wohnraum. Acht Appartements gibt es schon auf dem Betriebsgelände; nun sollen Container für bis zu zwölf Beschäftigte hinzu kommen. Der Bauausschuss des Gautinger Gemeinderats hat sich am Dienstag dafür ausgesprochen, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.

Wohncontainer für Saisonarbeiter: Kiefl weiß selbst, dass das in Zeiten der Corona-Pandemie ein heikles Thema ist, nachdem es bei Spargelstechern und in Fleischereibetrieben zu zahlreichen Ansteckungen gekommen war und Missstände bei der Unterbringung von Arbeitern bekannt wurden. "Manche Dinge, die da passieren, sind für mich nicht nachvollziehbar", sagt der Unternehmer dazu. Damit meint er den Umgang mit Mitarbeitern in manchen Branchen und betont, seine Firmenphilosophie sei schon immer gewesen: "Wenn es den Mitarbeitern gutgeht und jeder seinen Platz hat, dann geht es auch uns gut." Da müsse alles seine Ordnung haben, bei ihm würden Mitarbeiter aus dem Ausland auch nicht schlechter bezahlt als Einheimische.

Die Appartements auf dem Gärtnereigelände seien mit einzelnen Personen oder Paaren belegt. Dort gebe es Fußbodenheizungen, eigene Küchen und Bäder, "das ist reiner Luxus". Nun braucht er mehr Platz, um weiteren Beschäftigten eine Unterkunft anbieten zu können. Nach den Unterlagen des Bauamts sollen in der Nähe von Gewächshäusern vier Doppel-, vier Einzel- und ein Sanitärcontainer aufgestellt werden, die jeweils eine Grundfläche von etwa 200 Quadratmetern haben. Diese Nutzung wird zeitlich befristet bis Ende 2025 mit der Option für eine Verlängerung um weitere fünf Jahre. Auf den Dächern können Solaranlagen installiert werden.

Die Container sind gedacht für Mitarbeiter, die jeweils nur für ein paar Monate in den Gautinger Ortsteil Buchendorf kommen. Die Belegschaft ist international, die Hilfskräfte kommen zum Beispiel aus Spanien und Italien, Polen und Rumänien und aus anderen Ländern. "Multi-Kulti funktioniert bei uns sehr gut", beteuert Kiefl.

Bei den Gautinger Kommunalpolitikern findet er trotz einzelner Bedenken weit überwiegend und quer durch die Fraktionen großes Verständnis für seine Pläne, weitere Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. So erklärte die CSU-Fraktionssprecherin Eva-Maria Klinger: "Bei den Preisen im Würmtal kann man Saisonarbeiter oder Gärtnergehilfen sonst gar nicht unterbringen." Und Susanne Köhler von den Grünen erklärte: "Wir sollten das sehr unterstützen. Wir wollen ja das Gewerbe." Bürgermeisterin Brigitte Kössinger nannte in dem Zusammenhang als Vorbild die Firma Schmid Alarm in Stockdorf, die eine mit öffentlichen Mitteln geförderte Wohnanlage errichtet hat, wo nun vergleichsweise günstige Mieten verlangt werden.

© SZ vom 25.06.2020

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