In der Affäre um Pflegemissstände im Caritas-Altenheim "Marienstift" zeichnet sich eine Wende ab. Die Vorwürfe eines 19-jährigen früheren Pflegeschülers haben sich bislang nämlich nicht bestätigt. Das erklärte jedenfalls auf Anfrage eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II. Wie berichtet, hatten vorige Woche Kripobeamte zahlreiche Mitarbeiter und Bewohner des "Marienstifts" vernommen und Pflegeakten geprüft. Noch nicht befragt wurde der langjährige Heimleiter, der vom Dienst suspendiert worden war.
Er und seine Mitunterzeichner hätten keine Zweifel daran, dass die Vorwürfe haltlos seien, sagte am Montag Altbürgermeister Ekkehard Knobloch, Mitverfasser eines offenen Briefes in dem Altenheim-Fall. Es sei in dem "merkwürdigen Verfahren ohne Not ein Scherbenhaufen angerichtet worden", klagt Knobloch, der sich für den Hospizdienst im "Marienstift" engagiert. Die Caritas habe bei "ihren überzogenen Entscheidungen ohne Fingerspitzengefühl" agiert und den guten Ruf des Altenheimes gefährdet, kritisierte Knobloch den kirchliche Träger. Wie berichtet, müssen fünf Ordensschwestern, die teilweise mehr als 30 Jahre in dem Heim gearbeitet haben, zum Ende dieses Monats gehen. Der Heimleiter wurde beurlaubt. Er habe seine Sache "sehr gut gemacht" und für Offenheit gesorgt, meinte Knobloch. Der Ex-Rathauschef fordert eine "deutliche Erklärung" des Caritasverbandes, sollten sich die Vorwürfe endgültig nicht bestätigen.
Das Ergebnis der Ermittlungen müssten erst abgewartet werden, sagte auf Anfrage Doris Schneider, Geschäftsführerin der Caritas-Altenheime in der Region. Die in dem offenen Brief geäußerte Kritik von Knobloch, Ärzten und ehrenamtlichen Helfern, wonach die Caritas den kroatischen Schwestern einen "Aufhebungsvertrag binnen weniger Stunden abgenötigt" habe, wies Schneider als bloße Verdächtigung zurück. Tatsächlich habe es mehrere Gespräche mit den teilweise fast 70 Jahre alten Schwestern und dem Heimleiter gegeben, der "in so einer Stimmungslage aus der Schusslinie genommen" werden sollte, betonte die Geschäftsführerin. Gleichwohl befinde sich die Caritas angesichts der Pflegevorwürfe in einer "Zwickmühle" - nämlich einerseits rechtzeitig reagieren und andererseits die richtigen Konsequenzen ziehen zu müssen. Jedenfalls habe man als Träger ein "hohes Maß an Verantwortung" und könne aufatmen, wenn die Vorwürfe doch nicht zuträfen, so Schneider.
Knobloch glaubt, dass die Caritas die angeblichen Vorfälle womöglich genutzt habe, den Heimleiter und die Ordensschwestern eventuell aus konzeptionellen Gründen loszuwerden - was ihn enttäuschen würde. Immerhin sei der Altenheimbau der Caritas Ende der sechziger Jahre mit rund 225 0000 Euro von der Gemeinde bezuschusst worden. Und dem Träger seien beim "Grundstückstausch 2500 Quadratmeter geschenkt" worden.