Öffentlicher NahverkehrWenn das Taxi-Telefon wieder klingelt

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Hallo Taxi: Anrufe von Kunden können der Fahrer Michael Kilian und seine Kollegen nun wieder an einer Rufsäule beim Gautinger Bahnhof annehmen. Oder via Wlan direkt im Auto.
Hallo Taxi: Anrufe von Kunden können der Fahrer Michael Kilian und seine Kollegen nun wieder an einer Rufsäule beim Gautinger Bahnhof annehmen. Oder via Wlan direkt im Auto. Nila Thiel
  • Eineinhalb Jahre war das Taxi-Telefon vor dem Gautinger Bahnhof stumm, jetzt läutet es wieder.
  • Rufsäulen an Taxiständen sind ein Auslaufmodell, da fast jeder eine App nutzt - in München gibt es noch 130 Standorte mit 177 Telefonen, früher waren es 200.
  • Der Seniorenbeirat setzte sich für die Wiederinbetriebnahme ein, da ältere Menschen das Taxi für Kurzfahrten zum Arzt oder Einkaufen brauchen und direkten Kontakt schätzen.
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Eigentlich sind die Rufsäulen an Taxiständen ein Auslaufmodell. Aber gerade für Senioren können die direkte Erreichbarkeit von Fahrern und eine einheitliche Telefonnummer wichtig sein. Das zeigt das Beispiel einer Eigeninitiative in Gauting.

Von Michael Berzl, Gauting

Eineinhalb Jahre war das Taxi-Telefon vor dem Gautinger Bahnhof stumm, jetzt läutet es wieder. Der grüne Apparat mit Tasten und Schnur ist in ein graues Kästchen auf einem Mast eingebaut, das wie ein Vogelhäuschen aussieht. Drinnen befindet sich nun auch ein Router, der eine Wlan-Verbindung nach draußen herstellt. Das Ganze sieht mehr gebastelt als installiert aus und mutet ziemlich altmodisch an. Doch der Seniorenbeirat ist glücklich, dass der Anschluss wieder funktioniert und die Taxifahrer wieder über eine einheitliche Nummer zu erreichen sind. Das macht deutlich, wie wichtig solche Rufsäulen sein können. Dabei werden es immer weniger.

„Das ist ein Auslaufmodell“, sagt Florian Bachmann, Vorstand des Taxiverbands München. Langfristig würden die Telefone nach und nach ausgemustert. Schließlich nutze fast jeder eine App auf seinem Handy, um ein Taxi zu rufen.

Genaue Zahlen für das Stadtgebiet kennt Thomas Kroker, Vorstand der Taxi München e.G. Insgesamt seien es noch 130 Standorte mit Rufsäulen. An einigen Plätzen sind es zwei Telefone, also insgesamt 177. Kroker weiß das so genau, weil die Genossenschaft der Stadt Sondernutzungsgebühren bezahlt; schließlich werden dafür öffentliche Flächen genutzt. Die Abrechnung habe er erst kürzlich auf dem Tisch gehabt. Die Taxi-Genossenschaft ist ein wirtschaftlicher Verbund, zu dem mehr als 1000 Unternehmen mit fast 3000 Autos gehören, und übernimmt für diese auch organisatorische Aufgaben wie den Betrieb der Rufsäulen.

Früher seien es mal 200 Rufsäulen gewesen, sagt Taxi-Vorstand Kroker. Eigentlich mag er die Apparate an den Taxiständen: „Schneller und effektiver kann ich einen Fahrer nicht bestellen.“ Im günstigsten Fall gehe der Fahrer sofort ans Telefon, sei binnen weniger Minuten beim Kunden und müsse nicht erst über eine Zentrale angefordert werden. „Über 50 Jahre war das ein Top-System, aber jetzt gibt es eben die Apps.“

Um per Handy eine Fahrt zu buchen, müssten Taxler und Kunde notfalls nicht einmal miteinander sprechen, sodass auch verschiedene Sprachen kein Hindernis darstellen. Da gebe man einfach seinen Standort und das gewünschte Ziel ein, während der Wartezeit sei manchmal sogar die Anfahrt des Wagens auf dem Display zu verfolgen. Kroker prophezeit eine Entwicklung wie in Städten wie Frankfurt oder Berlin: Dort seien Taxi-Telefone längst abgeschaltet, die Säulen, in denen sie untergebracht waren, würden nur noch als Werbeträger genutzt.

Über dem grünen Tastentelefon ist ein Router mit einer Schnur festgezurrt. „High-Tech aus Gauting“, nennt der Seniorenbeiratsvorsitzende Sevin Ulukut diese Lösung.
Über dem grünen Tastentelefon ist ein Router mit einer Schnur festgezurrt. „High-Tech aus Gauting“, nennt der Seniorenbeiratsvorsitzende Sevin Ulukut diese Lösung. Nila Thiel

Im Umland lässt sich die Zahl der Rufsäulen nicht so genau beziffern, denn dort fehlt ein wirtschaftlicher Zusammenschluss wie die Genossenschaft, die einen Überblick liefern kann. In den Landkreisen um München sind es eher zahllose einzelne Unternehmer, die mit ihren Taxis unterwegs sind. Telefonische Erreichbarkeit wird dann manchmal in Eigeninitiative organisiert. So wie in Gauting, wo acht Fahrer mit ihren Wagen regelmäßig beim Bahnhof stehen. Das ging so lange gut, bis das Telefon kaputtging und es zu Unstimmigkeiten kam.

Eine gute Zeit lang haben Fahrer ihre Handynummern auf Visitenkarten unter die Leute gebracht. Es hat gedauert, bis wieder ein Telefon installiert und eine zentrale Nummer eingerichtet wurde. Auch am Starnberger Bahnhof wurde in Eigeninitiative eine Rufsäule nach langem Ausfall wieder in Betrieb genommen.

Der Seniorenbeirat setzt sich für das Telefon ein

Treibende Kraft war dort der Seniorenbeirat. Ältere Menschen bräuchten das Taxi vor allem für Kurzfahrten. Zum Arzt etwa, zur Apotheke, zum Physiotherapeuten oder zum Einkaufen, erklärte der Beiratsvorsitzende Sevin Ulukut. Da sei es eben eine Erleichterung, die Taxler direkt am Standplatz unter einer bestimmten Telefonnummer erreichen zu können. Dieses Anliegen sei immer wieder ein zentrales Thema im Seniorencafé gewesen, berichtet die stellvertretende Beiratsvorsitzende Gertraud Gschwendner.

Nun gibt es die Nummer 089/88 99 98 90. Wenn dort angerufen wird, klingelt es in der Rufsäule, per Router und Wlan wird der Anruf außerdem auf die Handys der Fahrer weitergeleitet, die sich in der Nähe befinden. Diese technische Lösung nennt Ulukut „High-Tech aus Gauting“.

„Das ist die kleinste Form einer Vermittlungszentrale, die es gibt“, sagt der Taxifahrer Ralf Büscher, der den Router installiert hat. Er ist selbst sechs Jahre lang in München gefahren. Büscher sieht sich als Dienstleister: „Wir halten die Tür auf, helfen beim Einsteigen, tragen auch mal das Gepäck bis zur Haustür.“ Leuten über 50 sei der persönliche Kontakt wichtig. Isarfunk und die Taxi-Genossenschaft hätten es abgelehnt, Fahrten auch in Gauting zu vermitteln, sagt er. Darum die einfache, improvisierte Lösung.

Doch dabei soll es nicht bleiben. „Wir können es nur gemeinsam schaffen“, sagt Büscher und denkt dabei an eine Zusammenarbeit im Umland. Er will Kontakt aufnehmen mit Kollegen in der Region, in Germering oder Unterhaching etwa.

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