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Brand in Stockdorf:Der Schaden geht in die Hunderttausende

Weil die Feuerwehren schnell zur Stelle sind und alle 22 Bewohner aus dem Haus holen, verläuft der Brand glimpflich. Allerdings werden mindestens 50 Fahrräder zerstört.

Auch drei Tage nach dem Brand in dem Fahrradgeschäft am Stockdorfer Baierplatz riecht es noch nach Qualm in dem fünfstöckigem Mehrfamilienhaus. Viele Bewohner sind noch in Pensionen und Hotels in der Umgebung einquartiert oder bei Verwandten und Freunden untergebracht. Die Heizung und der Strom sind weiterhin ausgeschaltet, in dem Haus ist es bitterkalt. Immerhin dürfen die Bewohner ihre Wohnungen auf eigene Gefahr wieder betreten.

Im Schaufenster des Fahrradgeschäfts im Erdgeschoss stehen verrußte Kinder- und Jugendfahrräder, die Eingangstür ist mit Brettern verschlagen. Geschäftsführer und Mitinhaber Jens Baier inspiziert den Brandort. Er schätzt den Schaden allein im Laden auf mehr als 100 000 Euro, es seien mindestens 50 Fahrräder zerstört und verrußt, darunter ein Dutzend E-Bikes. Beschädigt werden auch Kleidung, Helme und Schlösser. Der 50-Jährige geht davon aus, dass der Laden erst wieder in einigen Monaten öffnen kann.

Stockdorf Baierplatz Radhaus

Geschäftsführer Jens Baier schätzt, dass mehr als 50 Fahrräder zerstört und verrußt wurden und dass der Laden erst in Monaten wieder öffnen kann.

(Foto: Georgine Treybal)

Am Freitagbend gegen 21.35 Uhr hatte ein Brandmelder Alarm geschlagen: Zunächst liegt etwas Rauch in der Luft. "Ich dachte zuerst an einen Kabelbrand", erzählt Edith Widmann aus dem zweiten Stock. Sie will eigentlich gerade mit ihrem Pudel Cindy Gassi gehen. Die 63-Jährige weckt ihren 79-jährigen Mann, der schon im Bett liegt, und benachrichtigt ein benachbartes Pärchen. Dann wird es schnell "sehr dramatisch", wie die Stockdorfer Feuerwehr berichtet, denn tatsächlich ist im Fahrradgeschäft ein "massiver Brand" ausgebrochen.

Drei Menschen müssen wegen des Brandrauchs ins Krankenhaus

Als erster Retter trifft Klaus Ringhoff aus Stockdorf am Baierplatz ein. Der erfahrene Kreisbrandmeister bemerkt gleich im Treppenhaus, dass es sich nicht um einen kleinen Kabelbrand handelt, und alarmiert ein Großaufgebot nach. Das Treppenhaus des Mehrfamilienhauses ist bereits völlig verqualmt. Die 22 anwesenden Anwohner müssen raus. Es sei für die Evakuierung über das Treppenhaus schon sehr knapp gewesen, berichtet Ringhoff, denn der Brand in dem Geschäft hätte durch das gesamte Wohngebäude "durchzünden können". Dann wären die Bewohner aus den oberen Stockwerken nur noch über Drehleitern zu retten gewesen.

Erst schlägt nur ein Rauchmelder im zweiten Stock Alarm. Dabei ist im Fahrradladen ein massives Feuer ausgebrochen.

(Foto: Tanja Wallhauer)

"Ich lag schon im Bett, als ein Nachbar mich alarmierte", berichtet Karin Kellermann, die im vierten Stock wohnt. "Zehn Minuten später hätte ich nicht mehr durch das Treppenhaus flüchten können." Ihre zwei Katzen Lion und Felide holte die 60-Jährige am Samstag unversehrt aus dem Appartement.

Der Brand verläuft dank der schnellen Hilfe gerade noch glimpflich: Die Retter können alle Bewohner unversehrt aus dem Haus bringen. Drei von ihnen werden leicht verletzt und müssen wegen des Brandrauchs ins Krankenhaus gebracht werden, berichtet Kreisbrandinspektor Anton Graf.

Die Feuerwehren sind mit mehr als 100 Rettern im Einsatz

Die Bewohner können wegen des starken Rauchs nicht in dem Haus übernachten. Weil acht von ihnen nicht bei Freunden oder Bekannten unterkommen, wird ihnen zusammen mit der Gemeinde Gauting eine Unterkunft bereitgestellt. Eine Frau wird etwa in einem Planegger Hotel einquartiert. Der Einsatz dauert inklusive der Lüftung des Hauses mit Spezialgeräten vier Stunden. Währenddessen ist die Straße zwischen Gauting und Krailling komplett gesperrt.

Die Feuerwehren sind mit mehr als 100 Rettern aus der ganzen Region im Einsatz: Zunächst eilen die Wehren aus Stockdorf und Gauting an den Brandort. Wegen der Größe des Gebäudes und des dichten Rauchs müssen Retter aus Krailling, Planegg, Starnberg, Söcking, der Kreisbrandinspektion sowie der Einsatzleitwagen aus Percha angefordert werden, der durch die Wehren aus Hochstadt und Oberpfaffenhofen unterstützt wird. Insgesamt sind sieben Trupps aus jeweils zwei bis drei Feuerwehrleuten mit Atemschutzgeräten im Einsatz. Dazu kommen zwei Fachberater des Technischen Hilfswerks. Der Rettungsdienst ist mit 20 Kräften, zwei Krankenwagen und einem Notarzt im Einsatz.

Die Feuerwehr ist mit mehr als 100 Rettern im Einsatz, darunter viele Atemschutzträger. Sie holen alle 22 anwesenden Bewohner aus dem Mehrfamilienhaus.

(Foto: Wolfgang Behm)

Die Ursache ist bislang unklar. Die Ermittlungen der Brandfahnder des Polizeipräsidiums München dauern an. Es gebe keine Hinweise auf Brandstiftung, einen Einbruch oder Akkubrand an einem der E-Bikes, teilt ein Polizeisprecher mit. Der Schaden liegt nach Auskunft des Münchner Präsidiums im Bereich mehrerer 100 000 Euro.

Was viele Würmtaler noch wissen: Nur zwei Tage nach dem Umzug und der Eröffnung des Fahrradgeschäfts am Baierplatz, das zum "Radhaus Starnberg" gehört, war im März 2018 eingebrochen worden. Die unbekannten Täter hatten damals drei E-Moutainbikes, ein Tourenrad und Akkus gestohlen. Der Schaden lag damals bereits bei mehr als 30 000 Euro. "Und jetzt passiert auch noch diese Katastrophe", bedauert ein Stammkunde aus Krailling das Branddesaster, von dem auch vier angestellte Mitarbeiter betroffen sind. Eigentlich hätte das Geschäft nach dem Weihnachtsurlaub an diesem Dienstag öffnen sollen. Wann dies nun möglich sein wird, ist völlig offen.

© SZ.de/dac/deu
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