Ausstellung:Lichtblicke in dunklen Zeiten

Lesezeit: 2 min

Zahlreiche Künstler öffnen in der Gautinger Reismühle ihre Ateliers für Besucher. Ihre Bildern und Skulpturen thematisieren auf ganz unterschiedliche Weise die Auswirkungen des Lockdowns.

Von Katja Sebald

Während die Zahl der Corona- Infektionen täglich neue Rekorde bricht und unerbittlich der dunkle Winter heraufzieht, haben am Wochenende zwanzig Künstler in der Gautinger Reismühle unter dem Motto "Lichtblicke" noch einmal ihre Ateliertüren für Besucher geöffnet. Zahlreiche Kulturhungrige nahmen das Angebot an, unter den Hygieneauflagen des Einzelhandels Kunst und Kunsthandwerk zu besichtigen - und vielleicht sogar den einen oder anderen "Lichtblick" mit nach Hause zu nehmen.

Ausstellung: Stefanie von Quast.

Stefanie von Quast.

(Foto: Arlet Ulfers)

Knapp hundert Besucher zählte die Malerin Yvonne Schneider allein im Lauf des Samstags in ihrem luftigen Turmatelier. Wie viele andere Aussteller konnte sie eine ganze Reihe von Arbeiten präsentieren, die während der vergangenen Lockdown-Monate entstanden sind: Mit feinem Tuschestrich und Aquarellfarbe fügte sie Masche um Masche zu hauchzarten "Verstrickungen", mal wie kleine Gespinste mit Öffnungen und Durchblicken, manchmal aber auch wie Gitter vor den Fenstern. Ganz anders sah es bei Else Streifer-Schröck im darunter liegenden Raum aus: Mit kraftvollem und dynamischem Gestus, in starken Farben und auf riesigen, manchmal sogar mehrteiligen Formaten entstehen ihre abstrakten, oftmals aber von der Natur inspirierten Bilder.

Ausstellung: Evelyn Bermayer.

Evelyn Bermayer.

(Foto: Arlet Ulfers)

Noch größer die Geste und zuweilen auch noch größer sind die Formate bei Martina Hamrik in der untersten Etage des Turms: Ihre fast lebensgroßen Darstellungen von tanzenden, springenden oder skifahrenden Menschen sind in reliefartige, milchweiße Flächen eingespannt, für die sie den Bildgrund über und über mit breiten Stoffschlaufen bedeckt. Mit dieser Technik, die längst ihr Markenzeichen geworden ist, will sie die Dynamik der sportlichen, weit ausladenden Bewegungen zusätzlich verdeutlichen. Der Mensch steht auch im Mittelpunkt der bildhauerischen Arbeit von Stefanie von Quast: In einer ganzen Serie von Skulpturen stellt sie ein Paar dar, bei dem sich die zwei einzelnen Figuren so aneinander schmiegen, dass sich eine zusammenhängende Form ergibt. Oft sind die beiden buchstäblich "aus einem Holz geschnitzt", zuweilen bestehen sie aber auch aus sichtbar unterschiedlichen Hölzern. Kleinformatige Figuren entstehen auch aus Marmor sowie aus Kombinationen von Edelsteinen und Bronze. Es gibt Aktdarstellungen und Torsi, vor allem aber immer wieder zwei Menschen, die einander zugewandt sind.

Ausstellung: Ulrich Schweiger.

Ulrich Schweiger.

(Foto: Arlet Ulfers)

Auch der Bildhauer Ulrich Schweiger beschäftigt sich nach wie vor mit der Figur: Seine oftmals farbigen "Raumgestalten" sind ebenso witzige wie hintergründige Momentaufnahmen des Zwischenmenschlichen. Ausgehend von einer Zeichnung schneidet der Künstler stark vereinfachte, zunächst zweidimensionale Figuren aus einer Metallplatte aus, die sich dann durch einige wenige Knicke zu dreidimensionalen Bewegungen im Raum fügen. Wenn mehrere Figuren nebeneinander stehen, ergeben sich durch die entstehenden Leerräume und Durchblicke immer neue Beziehungen. Man braucht nicht viel Fantasie, um dabei an spannende Paar- und Familienkonstellationen in langen Lockdown-Wochen zu denken.

Das Gefühl des Eingesperrtseins im Lockdown hat die Künstlerin Elke Groebler in einer kleinen Serie von Zeichnungen mit wenigen schwarzen Kreidestrichen sehr pointiert eingefangen. Der Blick aus dem eigenen Fenster, Naturstimmungen und Landschaften sind Themen, mit denen sich auch Christine Wieland, Iris Schilcher und noch eine ganze Reihe anderer Künstlerinnen in den zurückliegenden eineinhalb Jahren beschäftigten - wohl nicht ahnend, dass sie im Moment der Präsentation neue Brisanz haben würden.

Wie hinter der Glaswand aus Marlen Haushofers berühmtem Roman ist hingegen die Welt der Dinge in den Bildern von Bianca Artopé zu sehen: Ihre digitalen Collagen aus Architekturfragmenten und Landschaftselementen werden auf einen stark strukturierten, metallisch glänzenden Untergrund gedruckt und dann unter einer transparenten Kunststoffschicht eingegossen. Im Grenzland zwischen Gefäß und Skulptur, zwischen Kunst und Kunsthandwerk sind die archaisch anmutenden Keramiken von Jutta Körner zu sehen, glänzende kleine "Lichtblicke" in dunklen Zeiten können die hübschen Schmuckstücke aus dem Atelier von Veronika Klaus sein.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB