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Gauting:Planungsstopp für neues Wohngebiet

Zu groß geplant? Auf die Initiative von fünf Fraktionen hin will Gauting das Projekt im Westen des Orts überdenken. Hier ein Modell des Wohngebiets.

(Foto: Arlet Ulfers)

Ein Bündnis aus fünf Fraktionen setzt durch, dass der Gemeinderat die Bebauung des früheren AOA-Geländes noch einmal überdenkt. Vor allem die Dimensionen der Häuser und ein geplanter Supermarkt sind Streitpunkte.

Von Michael Berzl

Es ist ein komplettes neues Wohngebiet, das im Westen des Ortes auf dem ehemaligen AOA-Firmengelände an der Ammerseestraße und auf bisher freien Grundstücken dahinter entstehen soll. Entwürfe sehen auch Mehrfamilienhäuser mit bis zu fünf Etagen, eine Siedlung mit Flachbauten und einen Supermarkt vor. Mit dieser Konzeption für ein etwa drei Hektar großes Gebiet ist allerdings nur ein Teil des Gautinger Gemeinderats so ganz einverstanden. Seit der Kommunalwahl haben die Kritiker an Gewicht gewonnen. Nun hat ein Bündnis aus fünf Fraktionen eine Denkpause durchgesetzt. Wegweisende Entscheidungen sollen in einer Sondersitzung Anfang Oktober fallen. Der Antrag wurde einstimmig gebilligt.

Gemeinderäte von Grünen, FDP und SPD sowie der Gruppierungen "Miteinander-Füreinander 82131" und Piratenpartei-MfG haben zusammen einen Gemeinschaftsantrag formuliert. Demnach soll die Rathausverwaltung zunächst den Gemeinderat über den aktuellen Stand der Dinge informieren. Dann sollen die städtebaulichen Ziele für den Bereich zwischen der Ammerseestraße und der Pötschener Straße neu diskutiert werden. Zur Sondersitzung sollen Fachleute und auch die Grundeigentümer eingeladen werden. Außer der Gemeinde sind auch der Verband Wohnen, das Katholische Siedlungswerk und der AOA-Mutterkonzern Diehl in Nürnberg als Grundeigentümer beteiligt.

Bis zu der Grundsatzentscheidung gilt ein Moratorium, insbesondere weitere Schritte, die Geld kosten würden, unterbleiben damit vorerst. "Das Moratorium haben wir schon", erklärte Marita Münch, die im Rathaus für die Bauleitplanung zuständig ist, im Gemeinderat. Ende April habe man einen Stopp eingelegt. Es entspreche auch dem Wunsch der Verwaltung, zunächst den neuen Gemeinderat umfassend zu informieren, erklärte sie.

"Es geht um eine grundlegende städtebauliche Entwicklungsmaßnahme, die Auswirkungen auf die ganze Gemeinde hat", erklärte FDP-Fraktionssprecher und Dritter Bürgermeister Markus Deschler als Sprecher des Fünferbündnisses zur Begründung einer erneuten Debatte. Es sei bekannt, dass es über einige Ziele unterschiedliche Positionen gebe. Zugleich betonte er: "Es geht uns nicht darum, das zu verzögern oder zum Scheitern zu bringen. Nein, das wollen wir nicht."

Vor allem die Dimensionen der Wohnhäuser und der geplante Supermarkt stoßen auf Kritik. Von bis zu 300 Wohnungen ist die Rede. "Wieder kann es nicht groß genug werden", hatte die SPD auf einem Flugblatt moniert.

Auch wegen des Ladens, der dort vorgesehen ist, wo jetzt noch AOA-Gebäude stehen, gibt es Bedenken. Unter anderem Vize-Bürgermeister Jürgen Sklarek (Mifü) spricht sich dagegen aus, denn er befürchtet zu starke Konkurrenz für die Geschäfte am Pippinplatz.

Besonders strittig dürfte in der Diskussion das Thema Supermarkt werden. "Es kann sein, dass wir da keinen Konsens finden", sagte Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU), die ansonsten mit der nun beschlossenen Vorgehensweise einverstanden ist. "Da werden wir irgendwann eine Mehrheit entscheiden lassen", sagte CSU-Gemeinderat Maximilian Platzer. Sollte sich das Fünferbündnis in der Frage einig sein und gegen den Laden stimmen, wie er bisher vorgesehen ist, würde die CSU diesmal aber rein rechnerisch der Minderheit angehören.

© SZ vom 17.07.2020

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