Gautinger Freibad Planschen, tauchen, Stand-up-Paddeling

Hinein in die Erfrischung: Julian, Philip und Sirko testen schon einmal das Wasser des Gautinger Freibads.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das Gautinger Freibad feiert sein 50-jähriges Bestehen mit vielen Attraktionen

Von Michael Berzl, Gauting

Bademeister Augusto Rodriguez strahlt über das ganze Gesicht: "Alles schick, alles sauber." Mit einem großen Kaffeebecher in der Hand steht er auf der Terrasse und schaut zufrieden hinüber zum blau leuchtenden Sportbecken, wo am Rand ordentlich aufgereiht die gelben Liegestühle stehen. Zum Geburtstag hat sich das Gautinger Sommerbad besonders fein herausgeputzt. Die Büsche sind akkurat gestutzt, überall sieht es piccobello aus. So kann man Gäste erwarten. An diesem Sonntag wird mit Spiel und Spaß und etwas Musik 50. Jubiläum gefeiert. Der Eintritt ist an diesem Tag frei.

Dann dürfte der Trubel etwas größer sein als an diesem Freitagvormittag. Zehn Senioren ziehen gemächlich ihre Bahnen im 24 Grad warmen Wasser im großen Becken. Das kleinere Nichtschwimmerbecken nebenan haben drei Buben ganz für sich allein. Ganz weit hinten beim Beachvolleyballplatz haben sich ein paar Jugendliche mit einer Decke auf der frisch gemähten Wiese bequem gemacht. Mächtige Buchen und Eichen spenden hier Schatten. Gleich daneben fließt die Würm vorbei. Hier lässt es sich aushalten.

Das haben schon die alten Römer herausgefunden. In der Nähe des heutigen Freibads gab es im zweiten Jahrhundert nach Christi Geburt ein öffentliches Bad. In der Therme, die 1936 ausgegraben wurde, konnten sich Bewohner und Reisende waschen. Ein für damalige Verhältnisse modernes Freibad an der Würm mit Umkleiden, Kassenhäuschen und Ausschank wurde 1926 auf dem vorderen Teil des heutigen Badgrundstücks eröffnet. Im Juni 1966 wurde schließlich das Freibad in seiner heutigen Form vom damaligen Bürgermeister Joseph Cischeck feierlich eröffnet. Das ist jetzt 50 Jahre her, und darum wird jetzt Jubiläum gefeiert. Eine Tageskarte kostete damals zwei Mark. Heute sind es fünf Euro. Eine vergleichsweise kleine Kostensteigerung.

Seit der Eröffnung wird immer wieder modernisiert. Um das Bad fit zu machen als Trainingsstätte für die Olympischen Spiele 1972 wurde eine Warmumkleide mit direktem Zugang ins Sportbecken gebaut. 1979 wurde die Gaststätte gebaut, 1989 kamen Planschbecken und Whirlpool hinzu. Das ist der jetzige Stand; seither wird mehr repariert als modernisiert.

Ein 50 Jahre altes Schwimmbad sein eigen zu nennen, ist für eine Gemeinde nicht nur Segen sondern auch Fluch. Davon könnte Christian Ruhdorfer, der im Rathaus für diese Freizeitstätte zuständig ist, mehr erzählen, als er soll. "Es kommt ständig irgendwas angepfiffen", sagt er. Gerade zum Saisonstart hatte er damit alle Hände voll zu tun. Zuletzt hat zum Beispiel der Kassenautomat Ärger gemacht, Geldscheine eingesaugt und dann so getan, als wäre nichts gewesen. Mittlerweile passiert das nicht mehr, nächste Woche soll ein neues Lesegerät eingebaut werden. Und so muss ständig nachgebessert werden. Mehrere hunderttausend Euro lässt sich die Gemeinde das Vergnügen kosten.

Doch den Gautingern ist es das wert. Und das zeigen sie beim Jubiläum am Sonntag. Das Programm beginnt um 10 Uhr. Bei einer Tauchschule können Kinder schnorcheln, die Wörthseer Wasserwacht zeigt Rettungsaktionen, die Schule der Fantasie baut ein Badelatschen-Xylofon, und Schwimmlehrer Steffen Pilz zeigt, wie Stand-Up-Paddeling funktioniert. Bürgermeisterin Brigitte Kössinger spricht um 14 Uhr ein Grußwort.

Eine Gelegenheit für ein Bekenntnis zum Bad. Immer wieder tauchen aus dem Nichts Gerüchte über eine Schließung auf, die die Bürgermeisterin stets dementiert. Wäre auch zu schade, da es jetzt doch eine Attraktion gibt, die mehr Kinder anlockt als eine haushohe Rutsche mit Looping: Beim Bad befindet sich ein Poke-Stop, wo es zum Beispiel den Rauch zum Anlocken von Pokemons gibt.