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Gauting:Planen hinter verschlossenen Türen

Zwischen Ammerseestraße und Pötschener Straße sollen Wohnungen für mehrere hundert Menschen entstehen. Grafik: H2R

Gemeinderat und Eigentümer beraten in Klausur über das neue AOA-Quartier. Piraten und FDP stellen Forderungen

Von Michael Berzl, Gauting

Gut einen Monat nach einer Grundsatzentscheidung über neue Eckpunkte für ein geplantes Wohngebiet in Gauting setzen Gemeinderäte und Grundeigentümer die Beratungen über das Vorhaben an diesem Freitag hinter verschlossen Türen fort. In der Klausur geht es um das ehemalige AOA-Firmengrundstück an der Ammerseestraße und den Bereich dahinter bis zur Pötschener Straße.

Die Rathausverwaltung hatte sich schon im April zu einem Planungsstopp entschlossen, ein breites Bündnis hatte einen bereits vorliegenden Entwurf wegen der Baumassen und wegen eines vorgesehenen Supermarkts grundsätzlich in Frage gestellt. Doch die Grünen ermöglichten durch ihr Ausscheren aus diesem Bündnis, dass sich zusammen mit der CSU letztlich eine Mehrheit für dieses Konzept fand. Allerdings mit einigen Einschränkungen, und die müssen nun eingearbeitet werden.

Die Grünen wollen das Neubaugebiet an der Ammerseestraße als "sozial-ökologische Mustersiedlung" verwirklichen. Dazu gehört nach ihren Vorstellungen ein alternatives Mobilitätskonzept mit Lastenfahrrädern und Carsharing, außerdem Wohnungsbau in einem Genossenschaftsmodell. Die neuen Zielsetzungen wollen sie auch mit den Grundeigentümern diskutieren. Das sind außer der Gemeinde eine Erbengemeinschaft der Familie Diehl, das Katholische Siedlungswerk und der Verband Wohnen, der allein etwa 25 Millionen Euro investieren will.

Die Fraktion "Menschen für Gauting/Piratenpartei" im Gemeinderat hat zwei Tage vor der Klausur einen umfangreichen Kriterienkatalog verschickt, der ihrer Ansicht nach beachtet werden müsste, um das Ziel einer Mustersiedlung zu erreichen. Die Fortsetzung der alten Planung lehnen sie als "Aufhübschung unter dem Feigenblatt eines schicken Namens" ab und verwahren sich dagegen, einen Begriff wie "ökologische Mustersiedlung" zum "Greenwashing konventioneller Investorenprojekte" zu missbrauchen. Zu den Forderungen zählen ökologisches Bauen, Photovoltaikanlagen auf den Dächern, eine Ladestation für E-Bikes, Sozialstation, Gemeinschaftsraum und Seniorentreff.

Vergeblich hatte sich die FDP dafür eingesetzt, die neuen Zielsetzungen zu den Bebauungsplänen "Am Patchway-Anger" in einer öffentlichen Sitzung zu konkretisieren. Die Beratung in einer Klausursitzung schließe die Öffentlichkeit aus, insbesondere die Anwohner des neuen Wohnquartiers, die am meisten von den Entscheidungen betroffen sind, mahnte Fraktionssprecher Markus Deschler. Durch den reduzierten Stellplatzschlüssel, der nun zu den Grundlagen zählt, sei mit einem "enormen Parkdruck in den Straßen des umliegenden Wohngebiets" zu rechnen, warnt er.

© SZ vom 27.11.2020
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