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Gauting:Partei der Messies

Der Gautinger Michael Schröter ist Gründungsvorsitzender

Michael Schröter geht in die Politik, um den Problemen von Menschen, die nichts wegwerfen können, mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Wie der 66-jährige Gautinger mitteilt, hat er die "Messie-Partei" gegründet, die im kommenden Mai bei der Europawahl antreten werde. Dazu braucht er aber noch 4000 Unterstützer-Unterschriften, die er nun bundesweit sammelt.

Vorsitzender der Partei ist Schröter selbst. Zum Vorstand gehören außerdem Miriam Büttner aus Stadtbergen bei Augsburg und Peter Embacher aus München. Seit der Gründungsversammlung am Donnerstag hat die Partei neun Mitglieder. Ziele sind nach Angaben des Vorsitzenden, dass das Messie-Syndrom als eigenständige Krankheit anerkannt wird, dass es dementsprechend in das Studium der Psychologie und in die Ausbildung von Heilpraktikern mit diesem Fachgebiet aufgenommen wird. Außerdem will Schröter sich dafür einsetzen, dass die Forschung in dem Bereich gefördert wird, und dass bundesweit Beratungsstellen für die Betroffenen geschaffen werden.

Im alten Elektrizitätswerk am Hauptplatz in Gauting betreibt er seit zwei Jahren eine Einrichtung, die er "Messie-Akademie" nennt. Dort bietet er Seminare und Vorträge an, außerdem werden Hilfskräfte geschult. In Deutschland gibt es nach Schätzungen mindestens zwei Millionen vom Messie-Syndrom betroffene Menschen, jedoch viel zu wenige professionelle Helfer, wie Schröter bedauert. Sie sollten nicht nur in der Lage sein, gezielt zu entrümpeln - sondern sich auch darum kümmern, dass der krankhafte Sammelzwang nicht gleich wieder einsetzt.

Schröter kennt sich aus mit den Problemen von Messies. Er arbeitete für die Caritas, machte sich dann aber mit einem Sozialunternehmen selbständig. Die Fälle, in denen er zum Leerräumen von vollgestopften Wohnungen gerufen wurde, nahmen stetig zu. Seit etwa fünf Jahren ist das sein Beruf. "Ich arbeite so oft wie möglich in den Wohnungen, um mit den Betroffenen in Kontakt zu bleiben", sagte der Gautinger der SZ. Aber durch Partei und Akademie kämen immer mehr andere Aufgaben hinzu.

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