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Artenschutz in Gauting:Bienenzucht für Anfänger

Karl Heinz Jobst am Werk: Im Umweltzentrum "Öko & Fair" betreut er Bienenvölker und organisiert Veranstaltungen für Imkerei-Einsteiger.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Solidarische Imkerei Würmtal vermittelt Theorie und Praxis zur Imkerei. 31 Leute haben den Kurs schon absolviert.

Von Kathrin Haas

Solange es Bienen gibt, hat Karl Heinz Jobst Hoffnung, dass die Natur erhalten bleibt. Doch es bestehe Grund zur Sorge: "Einzelne Bienenvölker schrumpfen gerade jährlich um 20 bis zu 100 Prozent - ja, auch Totalausfälle gibt es." Für den 70-Jährigen steht fest: Die wichtigen Pflanzenbestäuber brauchen menschliche Hilfe, um zu überleben. Der frühere Ingenieur aus Gauting widmet sich deshalb seit sieben Jahren der Imkerei, denn seitdem er Rentner sei, mache er nur noch "vernünftige Sachen".

Als solche würde Jobst wohl die Solidarische Imkerei Würmtal (Solim) bezeichnen, die er seit 2016 organisiert, um Privatleuten aktiven Bienenschutz nahezubringen. Die Solim ist ein Projekt des Gautinger Umweltzentrums "Öko & Fair", eines privatgeführten Unternehmens, das sich für Umweltbildung einsetzt. Neben einem Hofladen und einem Café gibt es auf dem Gelände von "Öko & Fair" vier Bienenstöcke, die Karl Heinz Jobst mitbetreut. Weitere fünf stehen in Gräfelfing. Sie werden der Solim zur Verfügung gestellt - einem Zusammenschluss von Bienenfreunden und Imkern.

Interessierte bekommen am 26. November in einem einstündigen digitalen Infoabend einen Einblick in den Bienenschutz und einen Ausblick auf weitere Veranstaltungen im kommenden Jahr. Für Teilnehmer, die tiefer einsteigen möchten, kommt ein zweitägiges Grundlagenseminar zur Demeter-Imkerei in Frage. "Hier geht es nicht um die wirtschaftliche Nutzung, sondern um das Wohl der Bienen", erklärt Jobst. Bei der Infoveranstaltung werde ausgelotet, ob Interesse an dem Seminar besteht, das für Ende Januar geplant ist.

Wer im Anschluss sein Theoriewissen in die Tat umsetzen möchte, kann in der Solim von März bis November die fünf Bienenstöcke von "Öko & Fair" in Gräfelfing betreuen. Das sind im Sommer rund 50 000 Honigbienen pro Volk. Demeter-Imkerin Claudia Kraft nimmt jährlich bis zu zehn Solim-Teilnehmer an die Hand und führt sie in rund zehn Praxis-Workshops an die Bienenhaltung heran. Im Laufe eines Bienenjahres, also von der Öffnung des Stocks im Frühjahr bis zur Einwinterung im Herbst, ist einiges zu tun, etwa Honigzargen aufsetzen, einen Schwarm einfangen, Honig schleudern und Bienen füttern.

Der nächste Solim-Lehrgang endet im Dezember 2021 mit dem gemeinsamen Gießen von Bienenwachskerzen und einer kleinen Weihnachtsfeier. Zudem werden mehrere Kilo selbstgemachter Honig unter den Teilnehmern und der Imkerin aufgeteilt. Die Kosten für die Grundausrüstung sowie den Aufwand der Imkerin müssen die Teilnehmern bezahlen. Die Seminar- und Workshopgebühren liegen, je nach Gruppengröße, jeweils bei etwa 250 Euro pro Person. Mehr als 30 Bienenfreunde haben die Solim-Kurse bereits absolviert, sechs von ihnen haben sich danach einen eigenen Bienenstock angeschafft.

Auch ohne Imker-Ausrüstung kann man Bienen schützen: "Es hilft schon, nicht mit Gift auf der Terrasse herum zu sprühen", sagt Jobst. Beim Artenerhalt komme es auch auf die privaten Gärten an. Da es auf Agrarflächen kaum noch Nahrung für Bienen gebe, müsse in bewohnten Gebieten ein Ausgleich geschaffen werden. Besonders für den Schutz von Wildbienen seien bienenfreundliche Gärten wichtig. Diese lebten oft alleine anstatt in Völkern und seien auf bestimmte Pflanzen spezialisiert.

Gäbe es keine Wildbienen mehr, würden auch die Pflanzen aussterben. "Der Rückgang der einen Art bedingt den Rückgang der anderen", fasst Jobst die ernste Lage zusammen. Er hofft, mit seinen Veranstaltungen ein Bewusstsein für die Zusammenhänge in der Natur zu schaffen. Die Schlüsselrolle der Pflanzenbestäuber beim Thema Artenerhalt kannte Jobst, lange bevor die Insekten als Maskottchen dem Volksbegehren "Rettet die Bienen!" zum Erfolg verhalfen. Genug getan habe sich seitdem aber nicht, das Artensterben gehe weiter wie bisher.

Anmeldung zum Online-Infoabend am 26. November, 20 Uhr, unter Telefon 089/89311054 oder per E-Mail an info@oeko-und-fair.de

© SZ vom 24.11.2020
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