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Streit um Genehmigung:Wie sicher ist die Versorgung mit Trinkwasser im Würmtal?

Von der Reismühle bei Gauting ein Stück flussaufwärts befinden sich Brunnen des Würmtal-Zweckverbandes.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der Zweckverband warnt vor Engpässen, weil er zwei Brunnen aufgeben muss. Bürgermeister widersprechen - und geraten in Bredouille.

Von Michael Berzl

Im Dauerstreit um Trinkwasser aus dem Mühltal südlich von Gauting kommt eine Kompromisslösung in Sicht. Die Zeit drängt, denn es geht um zwei Brunnen, die nach einem Bescheid des Starnberger Landratsamts nur noch heuer und im nächsten Jahr genutzt werden dürfen. Eine Verlängerung der Frist ist nicht vorgesehen, Ersatz zu finden, kann dauern. Der Würmtal-Zweckverband (WZV), der Wasser für mehr als 50 000 Menschen in vier Gemeinden liefert, sieht daher die Versorgung insgesamt gefährdet und sperrt sich deshalb gegen größere Bauvorhaben.

Aktuell betrifft das die Gemeinde Gauting bei ihren Planungen eines Handwerkerhofs; künftig könnten aber auch größere Vorhaben in Krailling und Lochham betroffen sein. Das ist ein Grund, warum alle Kommunen im Würmtal großes Interesse daran haben, eine Lösung zu finden. Nach langen Auseinandersetzungen liegt nun ein Vorschlag auf dem Tisch, seit Monaten korrespondieren Landratsamt und Verband. Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux (FDP), zugleich WZV-Vorsitzender, geht davon aus, dass es noch im Januar zu einem Gesprächstermin in Starnberg kommt. Darüber, wie ein Kompromiss aussehen könnte, wollte er sich am Donnerstag nicht äußern.

Leicht wird es nicht, die Auseinandersetzungen um die Königswieser Brunnen haben eine zehnjährige Vorgeschichte, seit sich der WZV um eine neue Genehmigung für die Grundwasserentnahme bemüht. Eine Klage stand schon im Raum, im vergangenen Mai war eine Gerichtsverhandlung angesetzt, die aber abgesagt wurde. Einige Interessenkonflikte spielen da eine Rolle, mehrere Beteiligte sind involviert.

Der Reit- und Fahrverein Gauting zum Beispiel, der eine Wiese an der Staatsstraße nach Starnberg als Pferdekoppel nutzt. Ein Teil der Fläche, der sich im Schutzgebiet eines Brunnens befindet, ist mittlerweile abgetrennt, dort dürfen die Tiere nicht mehr hin. Dieser abgesperrte Teil in Form eines großen Halbkreises ist sogar auf Satellitenbildern zu erkennen. Dabei habe es wegen der Pferde auf der Weide nie Probleme mit dem Trinkwasser gegeben, betont die Vereinsvorsitzend Annette Achtelik. Ausschlaggebend seien ganz andere Faktoren wie eine alte Hausmülldeponie oder die Nähe zu Würm und Straße.

Fakt ist: Die Genehmigung für die Brunnen im Königswieser Forst läuft Ende 2022 aus. Mit einem möglichen Fördervolumen von bis zu 680 000 Kubikmetern ist es zwar das kleinste Vorkommen des WZV, der nach eigenen Angaben etwa 3,7 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr fördert. Das meiste davon stammt aus den Mühltalquellen. Die Königswieser Brunnen sind jedoch nach Darstellung von WZV-Geschäftsführer Klaus Krüger dringend erforderlich als Reserve; für Notfälle, wenn etwa andere Quellen ausfallen. Zudem, so betont er, handle es sich um tadelloses Wasser von bester Qualität, mit besonders niedrigem Nitratgehalt.

Dennoch muss er nun nach Alternativen suchen. Das kostet Zeit. So lange sperrt sich Verbandschef Krüger gegen die Ausweisung von neuen Baugebieten im gesamten Würmtal. Zuletzt kam das im Dezember in einer Sitzung des Gautinger Bauausschusses zur Sprache, als es wieder einmal um den Handwerkerhof im Westen des Ortes ging, wo sich elf Firmen ansiedeln wollen. Mit Verweis auf die fehlende Versorgungssicherheit lehnt der Zweckverband das in seiner Stellungnahme ab. Was allerdings in Gauting wenig Eindruck hinterlässt. "Die Trinkwasserversorgung ist gesichert", erklärte Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) kurz und trocken. Sie ist zugleich stellvertretende Vorsitzende des Verbands, der ihre Vorhaben torpediert.

In einer ähnlichen Situation befindet sich ihr Kraillinger Amtskollege Haux, der beim Caritas-Altenheim ein Betreutes Wohnen plant und auch dabei eine negative Stellungnahme kassieren dürfte von dem Verband, dessen Vorsitzender er ist. So dürfte es auch dem Gräfelfinger Bürgermeister Peter Köstler (CSU) gehen, der eine neue Turn- und Schwimmhalle plant. Auch er ist stellvertretender Verbandsvorsitzender.

Als im Gautinger Ausschuss zuletzt die Wasserproblematik auftauchte, schlug Grünen-Gemeinderat Heinrich Moser vor, einen Verbandsvertreter einzuladen, um über die weitere Entwicklung zu informieren. "Können wir gerne tun", sagte Bürgermeisterin Kössinger.

© SZ vom 08.01.2021
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