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Kommunalwahl:Gauting streitet über Vize-Bürgermeister

Die alten Gräben werden aufgerissen: Die Grünen reklamieren den Posten für den knapp unterlegenen Hans Wilhelm Knape. Die CSU will mit Jürgen Sklarek weitermachen.

Von Michael Berzl

Gute sechs Wochen ist die Stichwahl nun her, in der die Gautinger Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) knapp gegen Hans Wilhelm Knape, ihren Herausforderer von den Grünen, gewonnen hat. Danach waren versöhnliche Töne zu hören, von mehr Miteinander war die Rede und von der Suche nach Gemeinsamkeiten. Die "Gemeinde zusammen voranbringen", das "Miteinander in Gauting konsequent fortsetzen": So lauteten die via Internet veröffentlichten Vorsätze von Kössinger und Knape. Das ist vorbei, jetzt geht es wieder gegeneinander.

Beinahe-Bürgermeister Knape würde gerne Vize-Bürgermeister werden, doch die CSU schlägt den bisherigen Stellvertreter Jürgen Sklarek (Mifü) zur Wiederwahl vor. Der teilt selbst mit, als Gemeinderat habe er nur 48 Stimmen weniger erhalten als Knape. Daher habe die Gruppierung "Miteinander-Füreinander 82131" schon vor dem Vorschlag der CSU entschieden, ihn zu nominieren. Seitdem schlagen die Wellen hoch in Gauting: Während die CSU von einem "bewährten Team" an der Spitze der Gemeinde spricht, protestieren Grüne und SPD massiv. Die Wähler hätten sich gegen ein "Weiter so" im Rathaus ausgesprochen. Und so kommt es wohl schon bei der konstituierenden Sitzung an diesem Dienstag zur ersten Kraftprobe zwischen den beiden großen Blöcken im Gautinger Gemeinderat, die auf der einen Seite von der CSU, auf der anderen Seite von den Grünen dominiert sind.

Der Ausgang ist ungewiss. Die FDP könnte dabei die Funktion des Züngleins an der Waage übernehmen. Die Fraktion habe sich auf keine einheitliche Linie geeinigt, sagte Gemeinderat Markus Deschler: "Das wird spannend." Es hatte Gespräche gegeben, doch CSU und Grüne konnten sich nicht einigen. "Leider sind Teile der Grünen-Fraktion nicht bereit, mit der CSU zusammenzuarbeiten. Anstatt gemeinsam eine Lösung zu suchen, wurden immer wieder neue Forderungen präsentiert", erklärte die Fraktionsvorsitzende Eva-Maria Klinger.

Zu den Forderungen der Grünen zählt die Einführung von Referentenposten. "Das ist ein sehr gutes Modell, um die Anzahl der Synapsen zu erhöhen", sagte Knape am Montag in einer Video-Konferenz; damit meint er die Verbindung in die Rathausverwaltung. Die Grünen fordern außerdem, dass die Sitzungen künftig um 19 Uhr beginnen und damit eine halbe Stunde früher als bisher. Außerdem wollen sie den sogenannten Verfügungsrahmen der Bürgermeisterin kürzen, also ihre finanziellen Möglichkeiten einschränken.

In dem neuen Gemeinderat, der unter besonderen Bedingungen seine Arbeit aufnimmt, ist vieles anders als bisher. Allein die Größe: Weil die Gemeinde mittlerweile bei der Einwohnerzahl die 20 000er-Grenze überschritten hat, wächst die Zahl der Mandatsträger von 24 auf 30. Die Grünen sind mit acht Vertretern fast so stark wie die neunköpfige CSU-Fraktion. Die SPD ist wieder mit zwei Mandatsträgern vertreten, darunter der angriffslustig auftretende Ortsvereinsvorsitzende Eberhard Brucker. Die Piratenpartei, bisher die One-Man-Show des Veranstaltungstechnikers Tobias McFadden, hat einen neuen Namenszusatz und zwei weitere Gemeinderäte als Verstärkung bekommen.

Die CSU-Fraktion hat inzwischen ihre Vorsitzende gewählt und Eva-Maria Klinger in diesem Amt bestätigt. Maximilian Platzer bleibt ihr Stellvertreter. Martin Elsnitz kommt als erster Nachrücker in den Gemeinderat; er nimmt den Platz von Hans-Michael Krepold ein, der im Alter von erst 56 Jahren am vergangenen Freitag völlig überraschend gestorben ist. Die erste Sitzung beginnt daher mit einer Schweigeminute, hieß es im Rathaus.

Die Gautinger nehmen sich zwei Abende Zeit, um die Formalien am Beginn einer neuen Amtsperiode zu erledigen. An diesem Dienstag geht es nach den Vereidigungen um die Wahl des Vize-Bürgermeisters. Zur Debatte steht auch, das Amt eines weiteren Stellvertreters einzuführen. Am Donnerstag werden Ausschüsse besetzt. Damit die Gemeinderäte genügend Abstand zueinander einhalten können, treffen sie sich in der Unterbrunner Mehrzweckhalle.

© SZ vom 12.05.2020

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