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Unterbrunner Holz:Hund reißt trächtiges Reh: Jäger fordert Leinenzwang

Nach dem qualvollen Tod einer Geiß in seinem Revier zwischen Gauting und Gilching schlägt Georg Mandlsperger Alarm. Solche Fälle kommen im Kreis immer wieder vor.

Im Herbst steigt Zahl der Wildunfälle

Rehe haben wenig Chancen, wildernden Hunden zu entkommen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Immer wieder reißen freilaufende Hunde im Fünfseenland Rehe. Passiert ist dies zuletzt bei Seefeld, in Starnberg und bei Buchendorf. Und nun im Unterbrunner Holz: Eine trächtige Geiß ist beim Brunnenhaus im Naherholungsgebiet, das bei Hundehaltern beliebt ist, qualvoll verendet. Spaziergänger machten den grausigen Fund. Der dortige Jagdpächter Georg Mandlsperger ist erschüttert: Die Bissspuren stammten eindeutig von einem größeren Hund, sagt der 30-Jährige. Bereits im vorigen Jahr seien in seinem Revier zwischen Gilching und Unterbrunn vier Rehe von wildernden Hunden gerissen worden, klagt Mandlsperger. Er fordert nun einen Leinenzwang im Unterbrunner Holz - zumindest während der Brut- und Setzzeit.

Die Gautinger Polizei ermittelt in dem aktuellen Fall und bittet um Hinweise auf den verantwortlichen Hundebesitzer. Denn Vierbeiner dürften in Jagdrevieren nicht unbeaufsichtigt frei herumlaufen und natürlich auch nicht Wild töten. Der Unterbrunner Jagdpächter schlägt deswegen Alarm und verweist auf die hohe Rissquote im Landkreis Starnberg. Die Fälle häuften sich, bestätigt Markus Reichart, Leiter des Amts für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Landkreis Starnberg. Er weiß, dass sich vor allem die Jägerschaft über wildernde Hunde empört und eine Leinenpflicht in Wald und Flur fordert. Das wäre zumindest im Frühjahr sinnvoll, wenn Rehe trächtig seien und ihre Kitze ablegten, sagt Reichart. Er wisse aber auch, dass es sich um ein "sehr emotionsgeladenes Thema" mit unterschiedlichen Interesse zwischen Jägern, Förstern und Hundehaltern handele.

Reichart hält zudem fest: Wer seinen Hund wildern lasse, begeht eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat. In solchen Fällen droht den Haltern eine Geldbuße von bis zu 5000 Euro. Für eine Straftat, sprich Jagdwilderei, müsse aber ein vorsätzliches Verhalten nachgewiesen werden, erläutert Kriminalhauptkommissar Andreas Maurer von der Gautinger Polizei, die im März 2018 im Grubmühler Feld ein schwer verletztes Reh mit einem Fangschuss von seinen Qualen erlösen musste. Die 49-jährige Hundehalterin hatte damals selbst die Polizeiinspektion verständigt; sie erhielt später eine Anzeige.

Der Unterbrunner Jagdpächter Georg Mandlsperger schlägt Alarm.

(Foto: Privat)

Im Frühjahr seien die hochtragenden Geißen leichte Beute, sie seien auf der Flucht "hochgradig gestresst" und für die hetzenden Hunde zu langsam, sagt Andreas König, Forstwirt und Wildbiologe. Er jagt selbst im Fünfseenland und verlangt, dass die Hundehalter bei ihren Spaziergängen in der Natur ihre Vierbeiner genau beobachten, sie konsequent unter Kontrolle haben und unbedingt den Tierschutz beachten.

Auch der Hundesachverständige Anton Fichtlmeier aus Berg appelliert an die Vernunft der Hundehalter, in den nächsten Monaten auf Feld- und Waldwegen ihre Hunde an der Leine zu behalten. Nach Ansicht des Experten gibt es aber eine "Tendenz des Wegschauens" - wobei auch die Möglichkeit, dass der Hund "in dieser Zeit ein Wildtier gehetzt oder sogar erwischt haben könnte, entrüstet abgetan" werde, bericht der Fachberater. Er sagt, dass vor allem Jagdhunderassen wie Vorsteh- und Stöberhunde sowie Mischungen aus diesen Rassen mit besonderem Jagdinstinkt ausgestattet seien. Leider würden aber diese Rassen immer häufiger als Familienhunde gehalten und ihr "jagdliches Potenzial völlig unterschätzt", betont der vereidigte Gutachter.

Dieses Risiko, dass immer mehr Rehe von Hunde hier gerissen werden, hat offenbar zugenommen - was nicht nur der Jägerschaft große Sorgen bereitet.