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Wirtschaft:Das umstrittene Gautinger Gewerbegebiet könnte umgeplant werden

Kompromissversuch oder Wahlkampfmanöver? Mehrere Ideen kursieren, wie weniger Bäume gerodet werden müssten. Selbst die Bürgermeisterin zeigt sich offen.

"Wir können es uns aussuchen." So beschreibt der Standortförderer der Gemeinde Gauting, Fabian Kühnel-Widmann, seine komfortable Situation. So viele Firmen meldeten sich bei ihm, die umziehen oder expandieren wollen und dafür ein Grundstück suchen. Mehr jedenfalls, als er unterbringen kann, erklärte er in seinem Tätigkeitsbericht im Gemeinderat. Mehr als 200 Anfragen hätten ihn in den vergangenen Jahren erreicht. Das reicht vom kleinen Fotostudio bis zu Krauss-Maffei aus Allach. An der Nachfrage gemessen, hätte er mehr als hundert Hektar vergeben können.

Ein gutes Dutzend Firmen kann Kühnel-Widmann in absehbarer Zeit im Handwerkerhof am westlichen Ortsrand unterbringen; wer zum Zug kommt, wird sich bald entscheiden. Ein zweites Gewerbegebiet soll direkt im Anschluss an das Gelände der Asklepios-Klinik in Richtung Unterbrunn ausgewiesen werden. Das dritte und weitaus umstrittenste Areal, das Gemeinde und Projektentwickler als "Asto Ecopark" bezeichnen, ist im Unterbrunner Holz, in der Nähe der Lindauer Autobahn direkt an das Gilchinger Gemeindegebiet angrenzend vorgesehen.

Ein sehr konkretes Konzept liegt schon vor. Angesichts von Widerständen von verschiedenen Seiten, sieht es aber gerade so aus, als müsste die Gemeinde ihre Pläne noch einmal ändern, vor allem, was die Lage betrifft. Sogar Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) gibt sich da kompromissbereit: "Wir sind offen für Gespräche und können uns eine Situierung, die weniger Wald verbraucht, sehr gut vorstellen", sagte sie der SZ.

Kommunalwahl in Starnberg Kompromiss fürs Unterbrunner Holz
Gauting

Kompromiss fürs Unterbrunner Holz

Unabhängige Bürger regen an, das geplante Gautinger Gewerbegebiet nach Osten zu verschieben.   Von Blanche Mamer

Nach dem bisherigen Konzept wäre ein Kahlschlag größeren Ausmaßes notwendig, um südlich des Gilchinger Gewerbegebiets Platz für weitere Firmen zu schaffen, diesmal auf Gautinger Flur. Dafür müsste hektarweise Wald geopfert werden. Das ist zwar zu großen Teilen eine Fichten-Monokultur, aber zugleich Bannwald, der ersetzt werden müsse. Außerdem steht die Fläche unter Landschaftsschutz, so dass die Gautinger eine Mehrheit im Starnberger Kreistag bräuchten, um diesen Schutz aufzuheben. Vor der Kommunalwahl in gut fünf Wochen passiert das nicht mehr. Erst der neue Kreistag entscheidet unter dem Vorsitz eines neuen Landrats oder einer Landrätin über die Herausnahme aus dem Schutzgebiet. Derweil sind die Gautinger Pläne für ein neues Gewerbegebiet eines der großen Themen im laufenden Wahlkampf, und das über die Gemeindegrenzen hinaus. Nach grundsätzlichen Bedenken von Grünen, Gilchingern und Naturschützern bekommt die Bürgermeisterin dabei nun auch Gegenwind aus dem eigenen Lager.

So schlug sogar Kössingers Parteifreund, der CSU-Landratskandidat Stefan Frey aus Starnberg, bei einem Diskussionsabend in Gilching vor etwa 250 Zuhörern vor, das Gewerbegebiet im Umfang zu reduzieren, außerhalb des Bannwaldes zu planen und auf die Rodung zu verzichten. Er wolle als Landrat die verschiedenen Interessen "unter einen Hut bringen" und Möglichkeiten einer interkommunalen Zusammenarbeit ausloten. Von so einer Verschiebung sprechen auch die Unabhängigen Bürger Gauting (UBG), die sonst in der Gewerbepolitik der CSU und der Bürgermeisterin nahe stehen. "Zukunft Gauting"-Vorsitzender und UBG-Gemeinderatskandidat Andreas Albath erklärte in dieser Woche bei der Vorstellung des Wahlprogramms, es müsse eine Lösung gefunden werden, die auch für die Gilchinger akzeptabel sei.

Die Bewerber

Aus ganz Deutschland kommen Anfragen nach Gewerbeflächen in der Gemeinde Gauting. Seit Fabian Kühnel-Widmann im November 2015 als Standortförderer im Rathaus angefangen hat, haben sich nach seinen Angaben 219 Unternehmen deswegen bei ihm gemeldet. 78 davon kommen aus Gauting selbst. Die weitaus meisten stammen aus einem Umkreis von zehn Kilometern um den geplanten Standort für den Ecopark, darunter jeweils elf aus Krailling und Gilching, weitere aus den Gemeinden Neuried, Gräfelfing, Planegg, Weßling und Starnberg. Fast zwei Dutzend sind aus den umliegenden Landkreisen und

19 aus dem restlichen Deutschland. Typischerweise bräuchten sie Flächen in einer Größenordnung zwischen 1500 bis 2500 Quadratmetern, teilt Kühnel-Widmann mit. rzl

Gautings Bürgermeisterin Kössinger will solchen vom Wahlkampf geprägten Aussagen zwar nicht allzu viel Bedeutung beimessen, signalisiert aber ganz klar Gesprächsbereitschaft: "Wir sind da offen und flexibel." So sei eine Verschiebung des Gewerbegebiets nach Osten denkbar. Es läge dann etwas weiter vom Gelände des Sonderflughafens in Oberpfaffenhofen entfernt und würde näher an die von Unterbrunn kommende Umgehungsstraße rücken. Der Bannwald wäre dann weniger betroffen. Eine Voraussetzung für so eine Lösung wäre aber ein Entgegenkommen der Gilchinger, wie Kössinger deutlich machte. Dabei geht es vor allem um die Erschließung. Um dabei ohne Gilchinger Grund auszukommen, ist bisher eine eher umständliche Lösung mit einer Zufahrt im rückwärtigen Bereich des Gewerbegebiets vorgesehen. So muss das aber nicht bleiben. "Wenn wir ins Gespräch kommen, gibt es viele Varianten", sagt Bürgermeisterin Brigitte Kössinger und meint damit ihren Gilchinger Amtskollegen Manfred Walter (SPD). Die Planungen für das neue Gewerbegebiet laufen in Gauting schon seit mehr als vier Jahren. Zur Gründung einer Projektgesellschaft hat sich die Gemeinde die Asto-Gruppe aus Gilching mit ins Boot geholt. In den Anfängen war noch von einer Gesamtfläche von knapp 80 Hektar die Rede; das ist inzwischen schon deutlich weniger geworden. In einer ersten Mitteilung der Gemeinde zu dem Thema hatte es noch geheißen, wenn notwendige Genehmigungen zügig erteilt werden, könnte der Baustart schon 2017 erfolgen. Das hat sich als zu optimistisch erwiesen.

Unterdessen plant Gauting zwei andere, wesentlich kleinere Gewerbegebiete weiter. Etwas mehr als ein Hektar Bauland stehen auf einem Grundstück zwischen der Ammerseestraße und der Straße nach Pentenried zur Verfügung, wo auch ein Neubau für die Polizei entstehen soll. In der letzten Februarwoche entscheidet eine 15-köpfige Jury, wer dort zum Zug kommt und welches Unternehmen wie viel Fläche auf welcher Parzelle in dem Handwerkerhof bekommt. "Dabei versuchen wir natürlich, möglichst viele Wünsche der Interessenten zu realisieren", erklärt Kühnel-Widmann. Noch in diesem Jahr soll gebaut werden. Etwas mehr als fünf Hektar Bauland sind es im sogenannten Gautinger Feld westlich der Asklepios-Klinik. Auch ein Parkhaus ist dort vorgesehen. Etwa 30 Betriebe könnten dort Platz finden.

Auch ohne die Ausweisung neuer Gewerbegebiete siedeln sich zusätzliche Firmen im Gautinger Gemeindegebiet an. Flächen auf dem Flughafengelände seien "so gut wie vermarktet", berichtete Standortförderer Kühnel-Widmann. Die Immobiliengesellschaft Beos sei gerade dabei, Mietverträge mit mehreren Unternehmen abzuschließen. Da die angesprochenen Vermietungen aber noch nicht unterschrieben seien, wolle sich Beos derzeit nicht dazu äußern, teilte ein Sprecher mit. Fragen nach den vermieteten Flächen und den Firmen ließ er daher unbeantwortet.

© SZ vom 11.02.2020
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