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Wildtiere mitten im Ort:Fuchs, du hast den Schuh gestohlen

Einen der Füchse hat Schießl mit einer Wildkamera ertappt.

(Foto: Privat)

Seit einigen Wochen machen Füchse nachts die Gärten unsicher. Sie haben es auf ungewöhnliche Beute abgesehen: Damenschuhe.

Von Cora Krüger, Gauting

Sie sind neugierig und flink, und sie bevorzugen Ballerinas, Slipper und Sandaletten. Füchse streifen nachts durch Gärten und suchen nach Beute. Seit mehreren Wochen machen sie Gauting unsicher und haben dabei neben Nahrung einen ganz besonderen Gegenstand im Visier: Damenschuhe. Einige Anwohner reagieren amüsiert, andere sind besorgt, auch weil die Tiere sich schon bis ins Esszimmer eines Hauses vorgewagt hätten.

Ein gelber Sack, aufgerissen und mit Essensresten: Um den 20. Juni herum bemerkt Hubert Schießl, der in der Nähe des Spielplatzes in der Römerstraße wohnt, die ersten Spuren eines nächtlichen Besuchers. In einem Kiesweg, der zwischen seinem Haus und seiner Garage verläuft, fallen ihm außerdem in den Boden gegrabene Löcher auf. Schießls Tochter, eine Jägerin, ist sich sicher: Das muss ein Fuchs gewesen sein. Sie stellen eine Wildkamera auf, der Verdacht bestätigt sich. Der Gautinger lässt die Kamera daraufhin regelmäßig laufen. "Jede Nacht kam dieser Fuchs, entweder um ein oder um vier Uhr", berichtet er. Anfangs seien vermutlich noch mehrere Tiere durch den Garten gestreunt, inzwischen sei es aber nur noch ein einzelner Fuchs. Erst vor wenigen Tagen habe er ihn gesehen, sagt Schießl.

Neben einem gelben Sack und Löchern im Boden hat der Fuchs auch andere Spuren hinterlassen. Schon vier einzelne Damenschuhe hat Schießl in seinem Garten gefunden. Zumindest einer ist inzwischen wieder zurück bei seiner Eigentümerin: Eine Nachbarin, die etwa 300 Meter weiter wohnt, hat ihren Schuh zufällig wiedererkannt. "Woher die anderen beiden Damenschuhe kommen, weiß ich auch nicht", rätselt der Gautinger. Ihm selbst ist bereits ein Gartenhandschuh stibitzt worden. "Das kann ich aber verschmerzen", sagt er und lacht.

Mit seinen Fundstücken ist Schießl nicht alleine: Auch seine Nachbarn berichten von einzelnen Schuhen in ihren Gärten. Gehortet werden sie auf einem Stromkasten in der Nähe des Spielplatzes in der Römerstraße. Inzwischen ist es eine kleine Sammlung.

Die nächtlichen Streifzüge der Tiere sind nicht auf die Römerstraße beschränkt. Von fünf bis sechs Füchsen, die ihm und seinen Nachbarn seit Jahren Problemen machten, berichtet ein Gautinger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Auch er habe bereits eine kleine Sammlung an Damenschuhen, das sei jedoch nicht das Problem. Die Tiere hätten im vergangenen Jahr unter anderem einen Hasen seiner Kinder getötet, auch Hühner hätten sie bereits gerissen. Außerdem erzählt er von einem Fall im Bekanntenkreis, bei dem die Füchse bis ins Haus gekommen seien. Dort seien sie unter anderem auf den Esstisch gesprungen. Sorgen macht er sich auch über die mögliche Verbreitung von Krankheiten durch die Tiere. Die Füchse brächten der gesamten Nachbarschaft massive Probleme, beklagt der Mann. Trotzdem seien jegliche Aufforderungen an das Landratsamt, gegen die Wildtiere vorzugehen, auf taube Ohren gestoßen. Ein weiter Anwohner berichtet Ähnliches.

Auf Anfrage bestätigt das Landratsamt in Starnberg, dass das Problem mit den Füchsen bereits bekannt sei und auch ernst genommen werde. Vorwürfe, untätig zu sein, weist man zurück. Zu den Jägern in Gauting sei bereits Kontakt aufgenommen worden, sagt der stellvertretende Sprecher Christian Kröck. Im Moment seien darüberhinaus erst einmal keine weiteren Maßnahmen geplant. "Wir werden aber natürlich weiter die Augen und Ohren offen halten, wie sich die Situation entwickelt", so Kröck. Zunächst versuche man, Anrufer über Präventionsmöglichkeiten aufzuklären. Sie werden zum Beispiel darauf hingewiesen, kein Essen draußen stehen zu lassen, damit die Füchse erst gar nicht angelockt werden.

Gauting,  Hubert Schießl

Fuchs, du hast die Schuh gestohlen: Auf dem Stromkasten am Spielplatz in der Gautinger Römerstraße zeigt Hubert Schießl die Beute der Tiere.

(Foto: Georgine Treybal)

Das ist auch einer der wichtigsten Tipps von Kreisjägerchef Hartwig Görtler, um sich die Tiere vom Leib zu halten. "Der Fuchs ist ein klarer Kulturfolger, der kommt dahin, wo es Nahrung gibt. Wenn es keine Nahrung gibt, dann kommt er auch nicht", sagt er. Da Füchse Allesfresser seien, solle man es auch unterlassen, andere Tiere wie Igel oder Katzen zu füttern. Und bei der Müllentsorgung gebe es ebenfalls einen wichtigen Punkt zu beachten: "Speisereste gehören nicht auf den Kompost, sondern in die braune Tonne."

Vorsicht, Fuchsbandwurm! Nach der Gartenarbeit Hände waschen

Nicht die verlorenen Schuhe, sondern die Frage, ob die Tiere Krankheiten übertragen könnten, bereitet einigen Gautingern Sorgen. Hier kann der Kreisjägermeister zumindest teilweise Entwarnung geben. Sich mit Tollwut zu infizieren, sei ausgeschlossen, auch die Räude sei bei den Füchsen in der Region zurzeit nicht verbreitet. Anders ist das jedoch beim Fuchsbandwurm. Das bestätigt auch Andreas König, Wildbiologe an der Technischen Universität München. Grundsätzlich bestehe die Gefahr, sich zu infizieren, wenn regelmäßig Füchse durch den Garten streiften, sagt König. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei jedoch ziemlich gering. Kritischer werde es, wenn im Garten auch Obst und Gemüse angebaut werden. In diesem Fall rät der Experte zu gründlicher Hygiene: Nach der Gartenarbeit sei es wichtig, sich gründlich die Hände zu waschen. Drähte und Netze, die über Beete oder Sträucher gespannt werden, seien ebenfalls eine Möglichkeit, einer Infektion vorzubeugen. Sind zahlreiche Fuchsspuren im Garten, sollten am besten nur Früchte von stehenden oder hängenden Ästen verzehrt werden.

Grundsätzlich kann König aber auch im Fall des Fuchsbandwurms beruhigen. "Im Prinzip regelt das Problem die Immunabwehr", sagt er, nur zehn Prozent der Menschen, die mit dem Parasiten in Kontakt kommen, erkrankten auch wirklich. Dem Landratsamt Starnberg sind derzeit keine Fälle von durch Füchse übertragenen Krankheiten bekannt.

Laien können gegen die ungebetenen Gäste nicht viel mehr unternehmen, als zu versuchen, sie erst gar nicht in den Garten zu locken. "Wenn man wirklich Probleme mit dem Fuchs hat, kann man das Fangen beantragen, das darf aber nur der Jäger", erklärt Kreisjägerchef Görtler. Zugleich weist er darauf hin, dass der Fuchs dann zwar mit einer Lebendfalle geschnappt, in der Folge aber fachmännisch getötet werde. Zum Beantragen können sich Bürgerinnen und Bürger entweder an die Untere Jagdbehörde oder an die Untere Naturschutzbehörde richten.

Zumindest Hubert Schießl haben die Füchse bis jetzt keine Probleme bereitet, wie er erzählt: "Mir nimmt der Fuchs nichts, außer meine Gartenhandschuhe. Aber mit den Damenschuhen kann ich auch nichts anfangen."

© SZ vom 22.07.2021/berk
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