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Gauting:Eine Tonne Granatäpfel

Warum das Umweltzentrum Früchte-Liebhaber sucht

Von Manuela Warkocz, Gauting

Ein Hilferuf aus Süditalien veranlasst das Öko & Fair-Umweltzentrum in Gauting zu einer außergewöhnlichen Aktion. 1000 Kilo Granatäpfel müssen bei einem Kleinbauern in Matera von den Bäumen. Für die Tonne roter Früchte sucht Karl Heinz Jobst vom Umweltzentrum jetzt Liebhaber, die kistenweise bestellen.

Gauting Umweltzentrum

Granatäpfel müssen in Süditalien von den Bäumen, aber die Märkte sind zu. Das Gautinger Umweltzentrum hilft einem Kleinbauern in Matera.

(Foto: privat/oh)

SZ: Wieso brauchen Sie hier rasch Abnehmer für 1000 Kilo Granatäpfel?

Karl Heinz Jobst: In der Basilicata, an der Grenze zu Apulien, sind wegen Corona alle Märkte geschlossen. Unser Freund Vito Castoro, der sonst mit dem Lastenfahrrad zum Markt fährt, kann nichts verkaufen. Der Absatzmarkt in Matera ist zusammengebrochen. Deshalb gehen wir diesen Weg.

Wie kam die Verbindung nach Matera?

Wir unterstützen das Flüchtlingsprojekt, das Vito Castoro auf seinem Biobauernhof macht. Er beschäftigt geflüchtete Afrikaner in der Landwirtschaft, mit geregelten Arbeitsverträgen, ordentlichen Unterkünften. Ethisch sauber. Er will das Ganze auch noch größer machen. Mehrere feste Lehmhäusern sind für die Afrikaner geplant.

Karl Heinz Jobst hat Granatäpfel im Angebot; Karl Heinz Jobst von Fair Trade Gauting

Karl Heinz Jobst, Rentner und ehrenamtlich aktiv im Umweltzentrum, steht persönlich nicht so auf Granatäpfel. Aber seine Tochter liebt die Früchte mit den roten Kernen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Sie haben persönlichen Kontakt?

Ja, Christiane Lüst (Gründerin des Umweltzentrums, Anm.d.Eed.), ich und andere waren dieses Jahr schon drei Mal unten. Wir laden dann das Auto voll und bringen mit, was geht. Eigentlich wollten wir nächste Woche wieder hin. Aber das wird wohl nichts angesichts der Entwicklung.

Seit Montag preisen Sie via Rundmail und auf der Homepage des Zentrums kistenweise Granatäpfel an. Wie läuft's?

Die Resonanz ist enorm. 250 Kilo sind immerhin schon weg. Wir bieten sie in Zehn-Kilo-Kisten an, das Kilo für 1,50 Euro. Das ist ziemlich günstig. Sie zahlen ja sonst oft für einen einzigen Granatapfel schon 1,50 Euro. Dazu legen wir noch die Speditionskosten um. Das dürften insgesamt so um die 200 Euro sein. Wir machen dabei keinen Gewinn, sondern geben alles weiter.

Muss man die Früchte gleich essen?

Nicht unbedingt. Wenn Sie die kühl und trocken lagern, können Sie sie bis Dezember oder Januar aufheben, also monatelang. Biozertifiziert und gentechnikfrei sind sie übrigens auch. Diese Sorte aus der Basilicata heißt Dente di Cavallo, Pferdezähne, was sich wohl auf die großen, saftigen Kerne bezieht.

Infos und Bestellung unter 089/89311054

© SZ vom 28.10.2020

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