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Gauting:Arbeitsplatz im Paradies

Nach 20 Jahren im Institut für Jugendarbeit geht der bisherige Leiter Albert Fußmann in den Ruhestand. Es wird kein leichter Abschied

Das Büro im ersten Stock der ehemaligen Junkers-Villa ist klein, aber die Aussicht in den Park beneidenswert. Eine mächtige Blutbuche ist vom Fenster aus zu sehen und eine Wiese mit viel Löwenzahn, blühender Blauregen überwuchert den Glaspavillon, in dem gerade Streetworkerinnen aus ganz Bayern ein Seminar absolvieren.

"Schauen Sie sich das an. Das ist doch ein Paradies als Arbeitsplatz", sagt sichtlich zufrieden Albert Fußmann, der seit 20 Jahren das Institut für Jugendarbeit des Bayerischen Jugendrings (BJR) in Gauting leitet. An diesem Freitag ist dort sein letzter Arbeitstag. Er geht nicht gerne. Das wird immer wieder deutlich, als er seine Zeit in Gauting Revue passieren lässt.

Albert Fußmann geht in den Ruhestand

Mitten im Grünen liegt die alte Junkers-Villa, in der Institutsleiter Albert Fußmann sein Büro hat.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Diplom-Sozialpädagoge Fußmann hatte schon einige Jahre das Exzellenzhaus in Trier geleitet, eine Art Jugendzentrum mit Konzertbühne, als er Lust bekam, etwas anderes zu machen. "Einfach mal so" habe er sich für die Stelle in Gauting beworben und wurde genommen. Er hat eine Wohnung in der Zerboni-Villa ganz in der Nähe bekommen, ist aber nie ganz nach Gauting gezogen, sondern 20 Jahre lang Wochenendpendler geblieben; knapp 500 Kilometer Entfernung sind das zu Frau und Kindern. "Familie an zwei Standorten" nennt er das Modell.

Martin Holzner

Martin Holzner übernimmt im September die Leitung des Instituts für Jugendarbeit in Gauting.

(Foto: privat)

An der Wand in seinem Büro hängt immer noch eine Landkarte von Bayern. Die hat Fußmann gebraucht, um sich zu orientieren. Aus dem ganzen Freistaat kommen die Teilnehmer an Seminaren, Kursen und Fortbildungen. Nach den Pfingstferien geht es zum Beispiel zwei Tage lang um den Einsatz von Youtube und Instagram in der Jugendarbeit. Andere Themen sind etwa zielgerichtete Kommunikation, Demokratie und Toleranz, aber auch Jahresabschlüsse und Haushaltpläne. Nach Gauting kommen Streetworkerinnen, Hauswirtschaftsleiterinnen in Jugendbildungseinrichtungen in Bayern, Ehrenamtliche und hauptamtlich Beschäftigte, Sozialpädagogen jeglicher Couleur aus allen möglichen Arbeitsgebieten. Pro Jahr sind es laut Fußmann insgesamt 6000 Teilnehmer an verschiedensten Veranstaltungen. Zu dem Institut gehört auch ein Übernachtungshaus mit 55 Betten, das gerade Zug um Zug modernisiert wird, weshalb nebenan Container aufgestellt sind.

Der Neue

Nach der Sommerpause übernimmt Martin Holzner die Leitung des Instituts für Jugendarbeit. Bisher war der 47-Jährige Referent für Jugendringe und ehrenamtliches Engagement in der Geschäftsstelle des Bayerischen Jugendrings (BJR) in München, er kennt sich daher in den Strukturen der Dachorganisation der Jugendverbände im Freistaat gut aus. Er kommt aus der Sportjugend, war im Vorstand des Kreisjugendrings im Landkreis Erding und hat ein Masterstudium in Sozialmanagement absolviert. In Gauting war er schon oft bei Fortbildungen und Schulungen. Das Haus kennt er "in- und auswendig", wie er sagt. Und er weiß das Ambiente mindestens so sehr zu schätzen wie sein Vorgänger Albert Fußmann. "Das ist schon eine sehr angenehme Atmosphäre dort", sagt Holzner, "das war mit ein Grund, dass ich die Stelle haben wollte". Und er kann sich gut vorstellen, dort lange zu bleiben. Vielleicht sogar annähernd 20 Jahre. rzl

Das Bildungshaus in Gauting mit einem etwa zwei Hektar großen Gelände an der Germeringer Straße ist im Ort kaum bekannt. Es spielt keine Rolle im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Gemeinde. Es gab einmal Tage der offenen Tür, aber das ist schon Jahre her. In dem verglasten Flachbau hat einmal eine Bürgerversammlung stattgefunden. Aber sonst gibt es wenige Anknüpfungspunkte.

Medienpädagogik ist dort ein großes Thema, das auch dem scheidenden Institutsleiter Fußmann sehr am Herzen liegt. Viele Veranstaltungen hat er selbst geleitet, oder er ist als Referent aufgetreten. "Ich bin nicht der Typ, der nur Verwaltung macht", sagt er. "Nach einem Tag Seminar geht es mir besser als nach einem Tag im Büro". Die Situation auf seinem Schreibtisch nennt er "intuitive Ordnung".

Mit dem Ausräumen ist er gerade noch fertig geworden, sein Regal war Tage vor dem Auszug immer noch nicht ganz leer. "Das ist schon eine ambivalente Geschichte, verrentet zu werden", sagt der 65-Jährige, der vom Aussehen her viele an John Lennon erinnert und der noch nicht zeigen will, dass sein langes, dichtes Haar eigentlich schon grau wäre. Zum Abschied hat er seine Mitarbeiter an diesem Freitag zu einer Feier im Institut eingeladen, auch die ehemaligen. Fast alle hätten zugesagt, erzählt Fußmann; es werden wohl so 50 Gäste kommen. Auch das sagt wohl etwas aus über das Arbeitsklima in dem idyllisch gelegenen Fortbildungshaus an der Germeringer Straße. Das wird kein leichter Abschied.