Gauting Antipasti von der Post

Als Partner der Post verkauft Recep Cakil in Gauting auch Antipasti und Fladenbrot. Briefmarken gibt es am Schalter nebenan.

(Foto: Georgine Treybal)

Recep Cakil hat in der Gautinger Postfiliale einen Imbiss eröffnet, Wartende können Kaffee, Börek und Aufstriche kaufen. Doch die Kunden vermissen Geld- und Briefmarkenautomaten.

Von Michael Berzl

Briefmarken kaufen und einen Kaffee trinken, ein Paket abschicken und gleich noch Antipasti probieren: Die Unternehmenspolitik der Post beschert den Gautingern eine seltene Mischung. Nach einem Betreiberwechsel im Mai und einer langen Baustellenphase im Sommer wegen eines Wasserschadens läuft der Laden in der Nähe des Bahnhofs erst jetzt ungefähr so, wie sich der Pächter Recep Cakil sich das vorgestellt hat mit Postgeschäft und Imbiss in einem Raum. Und bei den Kunden kommt die Kombination gut an. "Ich finde das ganz prima", sagt ein Kunde, der gerade bei einer Tasse Kaffee einen dicken Packen Unterlagen für seinen Steuerberater verschickt. "Das ist eine gute Idee, das gefällt mir", sagt der Rentner zu der Kombination aus Brief und Breze.

Cakil hat die Räume recht kurzfristig im Mai übernommen, weil die Post schnell einen neuen Kooperationspartner brauchte und gute Erfahrungen mit ihm als Pächter in Unterföhring gemacht hat. Beim Start im Frühjahr stand noch gar nicht fest, was außer Briefmarken noch verkauft werden sollte. Mit Bäckern war Gauting schon ausreichend versorgt, stellte er bald fest, mit dem Verkauf von Obst und Gemüse hatte er zu wenig Erfahrung. So gibt es nun in einer großen Theke Brezen, Sesamringe und Hörnchen, belegte Semmeln und eine große Auswahl Antipasti. Allerdings erst seit gut einer Woche.

Wegen der Reparatur eines Wasserschadens hat sich die Eröffnung um Monate verzögert. Über den Sommer und bis in den Herbst hinein mussten Cakil und sein Kollege Fatih Sulak am Postschalter improvisieren. Lange konnten sie nur einen Teil des Ladens benutzen, während der Arbeiten musste der Postschalter verlegt werden, Kunden mussten den Hintereingang benutzen, es herrschte Baustellenatmosphäre. Aber die Zeiten sind vorbei.

Vorbei sind auch die Zeiten, in denen die Gautinger sich so gar nicht darauf verlassen konnten, dass die Post überhaupt geöffnet ist. Oft standen sie vor verschlossenen Türen; wegen Personalmangel, hieß es dann. "Wir haben immer die Öffnungszeiten eingehalten", sagt dagegen Cakil stolz, "wir hatten noch keinen einzigen Fehltag." Zudem sind die Öffnungszeiten der Post deutlich länger als früher; von acht bis 18.30 Uhr mit einer Mittagspause von 13.30 bis 14.30 Uhr. Die Pause habe er mit Rücksicht auf die Kunden extra nach hinten verschoben. Cakils Café ist sogar durchgehend von sieben bis 19 Uhr geöffnet. In der Früh kommen Schüler und Pendler auf dem Weg zur S-Bahn, Postkunden lassen sich verführen zu einem Einkauf nebenan. "Die Qualität der Antipasti ist super", schwärmt Daniela Scheid und stapelt ein paar Einkäufe vom Imbiss auf ein großes Paket, das sie dann zu ihrem Auto schleppt. Das Weihnachtsgeschäft mit einer Flut von Geschenkpäckchen kommt nun erst in Fahrt. Cakil ist überzeugt, dass er dem gewachsen ist: "Wir sind ein junges dynamische Team." Und ein Kunde bestätigt: "Das geht alles sehr schnell hier, auch wenn sich einmal eine Schlange gebildet hat". Einen großen Nachteil hat die Umwandlung in eine Partnerfiliale: Die Postbank hat den Geldautomaten und den Kontoauszugsdrucker mitgenommen, auch der Briefmarkenautomat, der an der Außenwand neben der Eingangstüre hing, ist verschwunden. "Der war nicht mehr rentabel zu betreiben. Die Nachfrage war zu gering", erklärt Postsprecher Dieter Nawrath. Stattdessen hängt ein Zigarettenautomat an der Wand. Vermutlich ist der rentabler.