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Gauting:Alles auf Anfang

Die Gemeinde rollt ihre Gewerbepläne neu auf. Bisher sind 430 000 Euro ausgegeben worden

Von Michael Berzl, Gauting

Ein Jahr Geheimdiplomatie im kleinen Kreis, und plötzlich liegt da ein völlig neuer Vorschlag für ein Gautinger Gewerbegebiet auf dem Tisch: keine Insel mehr im Unterbrunner Holz, sondern eine Erweiterungsfläche parallel zum Gelände des Sonderflughafens Oberpfaffenhofen. Das nimmt viel Konfliktpotential. Landrat Stefan Frey (CSU) und Wirtschaftsförderer Christoph Winkelkötter haben diese Idee mit den drei Bürgermeistern Brigitte Kössinger (CSU) aus Gauting, Manfred Walter (SPD) aus Gilching und Michael Sturm (FW) aus Weßling sowie Vertretern des Flughafeneigentümers entwickelt. Als sie vor knapp drei Wochen damit an die Öffentlichkeit gingen, dachten die Gautinger Gemeinderäte noch, die bisherigen Pläne wären noch aktuell. Per Mail mit einem Hinweis auf diese Präsentation haben die Kommunalpolitiker davon erfahren, dass die Entwicklung schon längst in eine ganz andere Richtung geht. Ohne sie.

Entsprechend sind die Bemerkungen ausgefallen, als das Thema Gewerbegebiet am Dienstag in die öffentliche Debatte in den Gemeinderat zurückgekehrt ist. Fast einstimmig wurde beschlossen, nun planerisch die nächsten Schritte zu unternehmen und damit das Thema neu aufzurollen. Nur SPD-Gemeinderat Eberhard Brucker war dagegen.

Dabei wurde aber auch deutlich, dass Mandatsträger verschiedener Fraktionen die zurückliegenden Gespräche hinter verschlossenen Türen zumindest mit gemischten Gefühlen betrachten. FDP-Fraktionssprecher und Dritter Bürgermeister Markus Deschler nannte es "äußerst unglücklich, wie das kommuniziert wurde". Und Michael Vilgertshofer (CSU) war "verwundert" über die E-Mail. Aber: "Der Erfolg gibt dieser Vorgehensweise recht".

"Manche Dinge kann man nicht in der Öffentlichkeit diskutieren, man erstickt sie sonst im Keim", hatte Frey vorher erklärt. Der Gemeinde Gauting könnten nun viele weitere Auseinandersetzungen und wohl auch Gerichtsprozesse erspart bleiben. Denn bisher war vorgesehen, hektarweise Bannwald zu roden. Naturschützer organisierten Protestkundgebungen, die Grünen positionierten sich gegen das Vorhaben. Diese Pläne dürften nun bald Geschichte sein, nachdem sechs Jahre lang daran gefeilt und um Details gerungen wurde. Etwa 430 000 Euro hat die Gemeinde laut Bürgermeisterin Kössinger in Untersuchungen, Beratungen und Gutachten investiert. Allerdings betont sie, dass die Ausgaben nicht komplett vergebens gewesen seien. Allein etwa 90 000 Euro seien für ein Gutachten zum Kreisverkehr ausgegeben worden, der auch nach den neuen Plänen eine große Rolle spielen wird.

Die Kehrtwende in der Gewerbepolitik war erst durch den Verkauf des Flughafens möglich. Während EADS offenbar alle Ansätze blockierte, änderte sich die Großwetterlage nach der Übergabe an die Triwo AG völlig. Auch das wurde deutlich, als Landrat Frey und Wirtschaftsförderer Winkelkötter ihren Coup den Gemeinderäten erläuterten. "Es war der Flughafenbetreiber, der den neuen Input gegeben hat", sagte Frey. Der Eigentümer sei "sehr umtriebig" und habe selbst größtes Interesse auch an angrenzenden Flächen.

Das gilt ganz konkret für den mindestens zwölf Hektar großen Bereich des neuen geplanten Gautinger Gewerbegebiets, denn ein Teil dieser Flächen gehört dem Flughafenbetreiber. Insgesamt sind es nach Angaben von Bürgermeisterin Kössinger vier Eigentümer: außer der Triwo ein öffentlicher Träger, eine Privatperson und die Kirche. Im Flughafenareal auf Gautinger Flur errichten ein Medizin-Versandhändler aus Germering und ein Technologie-Unternehmen aus München gerade Neubauten.

© SZ vom 22.07.2021
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