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Gastronomie:Oma trifft auf Tante Emma

Jenny Köhling hat in der Berger Ortsmitte das "Kaffeehaus Berg" eröffnet. Mit einer Mischung aus Alt und Modern, Gekauftem und Selbstgebasteltem schafft die 39-Jährige eine gemütliche Atmosphäre

Von Sabine Bader, Berg

Ein Kaffeehaus mit sehr persönlicher Note hat in der Berger Ortsmitte eröffnet. Jenny Köhling hat sich damit ihren Lebenstraum verwirklicht. Das Mobiliar ist ebenso bunt zusammengewürfelt wie das Porzellan und differiert in Größe, Design, Form und Farbe: Da ist der moderne Tisch mit Stühlen neben einem antiken Stück, und der Tee wird in der leuchtend blauen Tasse gemeinsam mit dem Kaffee in der Tasse mit Blumenmuster á la Oma serviert. Aber alles passt doch irgendwie zusammen.

Viele Einrichtungsideen hat die 39-Jährige selbst kreiert. So thront fest montiert auf einem Kerzenständer statt einer Kerze ein Unterteller mit Teetasse und Teelicht drin. Einen anderen Tisch ziert eine Teekanne auf einem Kerzenständer. An den Wänden prangen Bilder von Caféhäusern und eine Uhr, deren Zifferblatt aus Tee- und Kaffeetassen besteht. "Die habe ich auch selber gebaut," sagt Köhling. Selbst gefertigt hat sie auch die Kerzenständer auf den Tischen. "Ich wollte einfach, dass die Einrichtung nicht steril wirkt," sagt sie.

Berg hat ein neues Café; Neu in Berg

Überhaupt ist es im Kaffeehaus Berg bunt, Hauptsache nicht steril, das ist der Inhaberin wichtig.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Und noch etwas erinnert an Omas Küche oder den Kramerladen um die Ecke, den es heute nicht mehr gibt. In einem der Regale stehen Gläser mit Süßigkeiten, die man einzeln für zehn Cent das Stück kaufen kann. Es gibt Colafläschchen, Schaummäuse und Schaumeier, Lollis und grüne Gummifrösche. Sprich, alles was das Kinderherz begehrt. Abgefüllt werden die klebrigen Köstlichkeiten dann auch klassisch in bunt bedruckten Dreieckstütchen aus Papier.

Seit sechs Jahren wohnt Jenny Köhling in Berg. Eigentlich stammt sie aus Dresden. Mit der Maueröffnung 1989 kam ihre Familie nach München. Dort ist sie gemeinsam mit Bruder und Schwester aufgewachsen. Ihr Bruder und die Mutter leben mittlerweile auch in Berg. Der Bruder ist bei ihr im Café angestellt. Sie selbst hat Hotelfachfrau gelernt und viele Jahre in verschiedenen Cafés gearbeitet. Die unterschiedlichen Arbeitsstellen waren für sie Ideengeber in Sachen Mobiliar und Angebot. "Ich habe unheimlich viel gelernt, aber irgendwann macht man sich Gedanken, dass man selbst ein Café eröffnen möchte", sagt sie. Als sich in Berg die Chance dazu bot, "hab' ich sofort zugegriffen", erzählt Köhling.

Vor vielen Jahren war in den Berger Räumen bereits eine Kneipe untergebracht. Die machte dann dicht, und es zogen die Buchhandlung "Schöner lesen" von Dini Kortman-Huizing und die Post-Agentur ein. Beide sind im Oktober vergangenen Jahres umgezogen. Danach hat Jenny Köhling renoviert. Wochenlang hingen an den Fenstern Zeitungen als Sichtschutz. Am 7. Januar hat Köhling ihr Kaffeehaus dann eröffnet.

"Die Leute reagieren sehr positiv auf mein Angebot", sagt sie. Auch freue es die Gäste, dass sie ihre Hunde mitbringen dürfen. Köhling möchte ein Familiencafé haben, in dem alle willkommen sind, da darf auch der Hund dabei sein. Das Publikum sei völlig gemischt, erzählt sie. So kommen mittags nach der Schule beispielsweise auch die Teenager zu ihr.

Berg hat ein neues Café; Neu in Berg

Klebrige Köstlichkeiten werden im Café von Jenny Köhling in bunten Papiertüten verkauft.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Etliche Speisen bereitet die 39-Jährige selbst zu. "Eine Spezialität ist mein Cheesecake", sagt sie, "den kann ich wirklich gut." Auch die Suppen kocht sie selbst. Es gibt Kürbis-, Gulasch-, Brokkoli- und Kartoffelsuppe mit Würstchen sowie Panini und Flammkuchen. Frühstücken kann man im Kaffeehaus Berg übrigens von sieben bis 17 Uhr. Da die Chefin Spätaufsteherin ist und leider selbst früh raus muss, gönnt sie wenigstens ihren Gästen das Ausschlafen. Es gibt zahlreiche Kaffeekreationen und einen heißen Ingwer-Minz-Tee aus frischen Zutaten.

Im Sommer will Köhling die Terrasse herrichten. "Das wird schön ", glaubt sie. Trotz der mit Kochen, Backen und Bewirten ausgefüllten Tage versucht Köhling, noch alle zwei Tage zu sporteln. Entweder sie geht joggen oder ins Fitnessstudio.

Das "Kaffeehaus Berg", Grafstraße 26, ist wochentags, außer donnerstags, von sieben bis 18 Uhr und samstags und sonntags von acht bis 18 Uhr geöffnet. Der Donnerstag ist Ruhetag.

© SZ vom 28.01.2019

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