Gastronomie:Traditionsgasthaus mit Charme und Seeblick

Lesezeit: 4 min

Gastronomie: Am Kamin in der Wirtsstube der renovierten Schondorfer "Seepost" hat der neue Pächter und Wirt Viktor Fischer Platz genommen.

Am Kamin in der Wirtsstube der renovierten Schondorfer "Seepost" hat der neue Pächter und Wirt Viktor Fischer Platz genommen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Nach sechsmonatiger Renovierungsphase wird die "Seepost" in Schondorf von den Wirten der Fürstenfeldbrucker "Mahavi-Gruppe" wieder eröffnet.

Von Renate Greil

Die Lage direkt am See ist schon etwas Besonderes. Der Ammersee schimmert je nach Wetter von blassblau bis tiefblau, Kloster Andechs thront gegenüber und bei guter Sicht leuchtet die Kugel der Erdfunkstelle Raisting weiß vor der Alpenkette. Ab und zu kommt ein Dampfer vorbei und legt am Dampfersteg ein paar Schritte über die Straße entfernt an. Die dicken Tuffsteinmauern der romanischen Kirche St. Jakob direkt neben dem Schondorfer Gasthaus Seepost strahlen historischen Charme aus. Nach gründlicher Renovierung wird die Seepost nun wieder eröffnet. Die neuen Pächter, das sind die Wirte und Unternehmer der Fürstenfeldbrucker Mahavi-Gruppe Hans Schmölz, Viktor Fischer und Markus Bauer, die gemeinsam mehrere Restaurants in Oberbayern betreiben, wollen "einen Platz für die Einheimischen, die Ausflugs- und Bootsgäste und für kulinarische Genießer schaffen". Auch die Eigentümer, die Gebrüder Hofmann, möchten "in Schondorf die Wirtshaustradition weiterleben lassen".

Seit Ende 2021 wird im Wirtshaus umgebaut und renoviert, erzählt Viktor Fischer beim Pressegespräch. Der Biergarten, bei dem man unter Kastanien erhaben über der Seestraße sitzt, ist nun schon ein paar Wochen im Betrieb und wird laut Fischer sehr gut angenommen. Der Biergarten wurde komplett neu bestuhlt, auch das Wirtshaus erhielt neue Möbel, eine neue Schankanlage und eine neue Kücheneinrichtung. Vorbild für die Seepost war das Marthabräu in Fürstenfeldbruck, das ebenso wie das Strandhotel Berg von der Mahavi-Gruppe betrieben wird. Das bringe viele Vorteile mit sich, so wird zum Beispiel der Kuchen für das Wirtshaus von einem eigenen Patissier in Berg gebacken, erzählt der Wirt. Bei Personalengpässen können sich die Betriebe aushelfen.

Gastronomie: Ein Blick in die frisch renovierte Wirtsstube.

Ein Blick in die frisch renovierte Wirtsstube.

(Foto: Arlet Ulfers)
Gastronomie: Der Biergarten unter den alten Kastanien lädt zum Rasten ein.

Der Biergarten unter den alten Kastanien lädt zum Rasten ein.

(Foto: Arlet Ulfers)

Küchenchef in der Seepost ist der 33-jährige Lukas Thies, der nach Jahren in Berlin wieder Richtung Heimat gezogen ist, und eine bayerische Küche mit leichter Raffinesse kochen wird. Aber auch mediterrane Gerichte und regionale Klassiker stehen auf dem Programm. Der Küchenchef erzählt, dass es ihm wichtig ist, nachhaltig zu arbeiten. So dient beispielsweise Tomatenhaut getrocknet als Chips als essbare Dekoration. Fischer berichtet, dass die Zutaten von regionalen Betrieben stammen, beispielsweise kommt das Fleisch vom Stanishof aus Germering. Gestartet wird mit einer Eröffnungsspeisekarte, auf der sich Klassiker wie "Schweinebraten vom Landschwein" ebenso finden wie ein "Gangerl von Breze und Liebstöckel" oder vegetarische und vegane Gerichte.

Neben der Kulinarik ist auch das Bier wichtig. Mit dem Augustiner Bräu München und der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg habe man zwei starke Partner an der Seite, erzählt Fischer. Freitags oder samstags soll es einen Bieranstich eines neuen Fasses Augustiner Helles geben. Aus Kaltenberg kommt das Weißbier. Der Wirtshausbetrieb startet um neun Uhr und lädt mit einem vielfältigen Angebot zum Frühstück ein, natürlich gibt es auch ganz klassisch Weißwürste. Nach dem Mittagstisch gibt es Kaffee und Kuchen und die Küche hat bis 21.30 Uhr geöffnet. Dienstags hat das Wirtshaus Ruhetag, der Biergarten ist bei schönem Wetter täglich geöffnet.

Gestaltet ist das frisch renovierte Wirtshaus mit viel Holz und viel Liebe zum Detail. Bei der Farbe für den Außenanstrich wurde darauf geachtet, dass diese gut ins Ensemble mit der St. Jakobs-Kirche passt, erzählt der Wirt. Historischen Bezug wurde auch auf den bekannten Maler Wilhelm Leibl genommen, der in diesem Wirtshaus nicht nur viel Bier getrunken, sondern auch gemalt haben soll. So wurde das ihm zugeschriebene Zitat "Gut sehen ist alles" in die Vertäfelung geschnitzt.

Der 1844 in Köln geborene Leibl kam 1875 aus München an den Ammersee nach Unterschondorf. Er verliebte sich in die Wirtstochter Resi Bauer. Die Liebe endete unglücklich, so verließ er 1877 den Ammersee wieder. Für einen neuen Kachelofen in mitten der geräumigen Gaststube wurden schwarzen kleinen Fliesen mit filigranen Ornamenten nachempfunden, das Vorbild stammt laut Illustrator und Künstler Thomas Neumann aus dem späteren Wohnhaus Leibls in Berbling. Allerdings muss der neue Kachelofen mangels eines Kamines elektrisch beheizt werden.

Neben dem großen Gastraum gibt es noch eine kleine Stube, die mit einem Vorhang abgetrennt werden kann. Fischer kündigt an, dass es einen Stammtisch geben wird. Familienfeiern zur Taufe, Kommunion und Firmung und vereinzelt auch Hochzeiten sollen in der Seepost möglich sein. "Mit der Kirche nebenan bietet sich das an", so der Wirt.

Eröffnet wird das Wirtshaus Seepost am Samstag, 28. Mai, um 11.30 Uhr mit einem feierlichen Fassbier-Anstich mit vielen Gästen unter anderem mit Schondorfs Bürgermeister Alexander Herrmann, Landrat Thomas Eichinger und Vertretern der Augustiner Brauerei. Zur Unterhaltung spielt "Da'Waitler". Am Nachmittag findet in den benachbarten Seeanlagen das "Seensuchtsfest" der Landsberger Kreiskulturtage mit einem bunten Programm für die ganze Familie statt.

Aus der Geschichte der Seepost

Kirche und Gasthof gehörten früher oft zusammen und so ist es auch bei der Seepost, die mit der kleinen Kirche St. Jakob auf einem Bergerl eng zusammensteht. Als Landmarke ist St. Jakob auch heute seeseitig gut zu sehen. Aus dicken Tuffquadern, die heute noch allen Wettern stand halten, wurde die romanische Kirche um 1150 von Chuonradus, einem Adeligen von Schondorf, erbaut. Lange stand die Kirche alleine auf dem kleinen Hügel am Seeufer des Ammersee, drum herum waren kleine Hofstellen der Fischer. Die romanische Langkirche mit eingezogener halbrunder Apsis bekam 1750 Dachreiter, ist aber nahezu unverändert erhalten. Sie ist ein Baudenkmal von bayernweiter Bedeutung. Wozu das eingezogene Obergeschoss im Langhaus, das der Kirche die besondere Proportion gibt, früher genutzt wurde, ist nicht überliefert. Möglicherwiese haben dort Pilger übernachtetet. Heute ist die Kirche eine der Sehenswürdigkeiten auf den Pilger-Wanderwegen. Vermutet wird von Seiten des Denkmalschutzes, dass sich unter und im Umfeld der Kirche St. Jakob ein Burgstall befindet. Mythen ranken sich auch um einen Erdstall, eine unterirdische Stollenanlage aus dem zehnten bis zwölften Jahrhundert.

Gastronomie: In Schondorf steht das Gasthaus in unmittelbarer Nähe zur Kirche St. Jakob.

In Schondorf steht das Gasthaus in unmittelbarer Nähe zur Kirche St. Jakob.

(Foto: Arlet Ulfers)

Vor einigen Jahren gab es von den Eigentümern des Gasthauses, die Gebrüder Hofmann, Pläne, auch ein Hotel dazu zu bauen. Diese wurden wieder fallengelassen. Ein Wirtshaus neben der Kirche sieht man bereits auf einem ersten Foto aus dem Jahr 1870. Um 1874 eröffnete dann der "Gasthof zur Post". Zur Post gesellte sich Anfang der 2000 Jahre noch die Anspielung auf die Seenähe und wurde zur "Seepost" umbenannt. Seit Ende des Jahres 2021 haben die neuen Pächter, die Fürstenfeldbrucker "Mahavi-Gruppe", das Gasthaus umfassend und mit Liebe zum Detail renoviert. Das Wirtshaus mit Seeterrasse und Biergarten ist nun wieder geöffnet.

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