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Gastronomie in Krailling:Neuer Wirt im "Alten Wirt"

Krailling: Gaststätte Alter Wirt: Florian Egner ist neuer Wirt

"Und das Personal bedient in Tracht, das gehört sich so": Florian Egner in seiner frisch renovierten Gaststätte.

(Foto: Nila Thiel)

Florian Egner, der frühere Betriebsleiter der Traditionswirtschaft, führt jetzt das Lokal. Wiedereröffnung ist am Pfingstmontag.

Noch gibt es keine Absperrbänder und Hygienehinweise im "Alten Wirt" in Krailling. Knapp zehn Wochen hat Florian Egner die Wirtschaft renoviert, hat gestrichen, geschliffen, geputzt und liebevoll selbst kleinste Details gestaltet. "Ein echtes bairisches Wirtshaus" wie der 35-Jährige sagt. Abstands-Markierungen und womöglich auch Plexiglaswände wird er erst in diesen Tagen anbringen, kurz bevor er das Lokal am Pfingstmontag als neuer Pächter eröffnet. Ein bisschen wirkt es so, als wolle der gelernte Industriekaufmann aus Planegg der Corona-Krise möglichst wenig Raum geben, zumindest hier in Stüberl, Schwemme und Saal.

Denn tatsächlich bestimmt die Pandemie seit Monaten Egners geplante Wiedereröffnung. Die sollte schon im April erfolgen, dann wurde es Mai, nun Juni. "Wir haben die Zeit genutzt, und sind wirklich alle Baustellen angegangen", sagt Florian Egner. Die Augustiner-Brauerei, der das Gebäude gehört, habe ihm dabei den Rücken freigehalten. Pacht muss er erst von Juni an zahlen. "Jetzt wird es auch Zeit, dass es wieder losgeht." Er vermisse die Gäste, und "der Stammkundschaft geht es nicht anders".

Nach den vergangenen Wochen mit diversen Beschränkungen, in denen die Menschenmitunter Lieferdienste zu schätzen gelernt hätten, sei die Sehnsucht nach einem Besuch im Biergarten groß. Egner hat denn auch den Garten zusammen mit seinem Bruder Michael, 33, mit einer neuen Außenküche und Kühlschränken für die Maßkrüge hergerichtet. Beide sind in Krailling aufgewachsen, beide haben die vergangenen Jahre bereits im "Alten Wirt" gearbeitet, Florian Egner als Betriebsleiter, der Bruder nebenberuflich am Ausschank. Zusammen wollen sie hier nun ihr eigenes Ding machen. Florian Egner als Chef, der jüngere Bruder als Barleiter.

"Wir haben schon immer in der Gastronomie gearbeitet", erzählt Florian Egner, "eigentlich nur nicht während der Ausbildung". Sein Bruder ist gelernter Kfz-Mechaniker. Was ihn daran so fasziniert? "Die Gäste glücklich machen. Entweder man liebt es, oder eben nicht." Ihm selbst liegt es womöglich im Blut, seine Mutter habe bereits in der Gastronomie gearbeitet, die Tante führte früher die "Planegger Alm" sowie das "Cross Countries". Ein eigenes Lokal, davon habe er immer geträumt. Als Susanna Möller nach knapp 17 Jahren als Pächterin des "Alten Wirts" ihren Rückzug ankündigte, sah Florian Egner seine Chance gekommen. "Ich bin im richtigen Alter, habe viel gesehen." Die Gespräche mit der Brauerei seien vielversprechend gewesen. Doch dann kam Corona.

Nun müsse man sehen, welche Ideen sich noch umsetzen ließen und welche nicht. Fest steht, dass er mit Einnahmen durch Festgesellschaften - ganz gleich ob Beerdigung, Taufe, Kommunion oder Hochzeit - nicht mehr kalkulieren kann. Zudem fallen auch die selbst gesetzten Events aus. Egner wollte ursprünglich den Vatertag groß im Biergarten feiern, ein Sommerfest war geplant - alles abgesagt. "Vielleicht gelingt es, zur Wiesnzeit wieder was aufziehen", sagt er. Es sei schon deprimierend. Egner lässt seinen Blick durch das denkmalgeschützte Stüberl mit der Deckenmalerei schweifen. Hier haben die Gäste immer ganz besonders gern reserviert. "Wenn jeder zweite Tisch frei bleiben muss. . ." Er spricht den Satz nicht zu Ende. Mit 50 Prozent Auslastung rechnet er für den Start, das seien bis zu einhundert Gäste im Lokal und etwa 90 im bedienten Bereich im Biergarten, hinzu kommen die Selbstversorger. "Unser Ziel ist es, sämtliche Auflagen zu erfüllen, ohne den Gast ständig mahnen zu müssen." Und ohne viel draufzuzahlen. Die Speisekarten sollen deshalb über einen QR-Code auf den Mobiltelefonen der Besucher abrufbar sein. Nur wenige Karten will Egner laminieren lassen. Andere Dinge seien noch offen, etwa wie die Toilettenbenutzung coronagerecht reguliert wird.

Doch die wichtigsten Dinge, die stehen: "Wir haben täglich von 10.30 bis 24 Uhr offen und bieten eine gut bürgerliche Küche", sagt der neue Wirt vom "Alten Wirt". Und das Personal bedient in Tracht, "das gehört sich so".

© SZ vom 30.05.2020

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