Garatshausen/Schondorf Strom für Boote in Amazonien

Übersetzer Hecht (links) und Schondorfs Bürgermeister Herrmann (3.v.r.) begleiten die kolumbianische Delegation mit Bürgermeister Bravo.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Eine Delegation aus Schondorfs Klimapartnergemeinde Puerto Leguízamo informiert sich im Fünfseenland über nachhaltige Mobilitätskonzepte auf dem Wasser - und sucht Partner für Kakaoverarbeitung

Von Armin Greune, Garatshausen/Schondorf

"Kann man den Schwimmkörper auch als rosa Delfin gestalten?" Die Frage ist zwar nicht ernst gemeint, aber Alexander Herrmann weiß, wie stolz seine kolumbianischen Gäste auf die Amazonas-Flussdelfine ihrer Heimat sind. Zehn Tage lang ist der Schondorfer Bürgermeister derzeit durch Oberbayern und Österreich unterwegs, um eine fünfköpfige Delegation aus der Kilmapartnergemeinde Puerto Leguízamo zu begleiten.

Zum dicht gepackten Programm gehört an diesem Dienstag ein Besuch bei der Garatshauser Firma Smart Hydro Power: Dort erklärt Inhaber Karl Kolmsee das Prinzip seiner Flussturbine, die optimal für eine dezentrale, regenerative Stromerzeugung an Fließgewässern geeignet ist. Dank Praxiserfahrungen in Nigeria, Peru und Kolumbien weiß der Agraringenieur und promovierte Philosoph genau, woran es hapert: Treibgut stellt in den Tropen ein entscheidendes Problem dar. Deshalb ist der Alurotor der Turbine mit Drahtseilen geschützt und unter der Wasseroberfläche verankert, aus der im Betrieb nur ein Teil des Schwimmkörpers ragt. Und die von Smart Hydro Power entwickelte Anlage - die dem 2010 gegründeten Unternehmen unter anderem auch einen Energiepreis des Landkreises Starnberg einbrachte - ist robust, einfach zu warten und leicht am Einsatzort zu montieren. 330 Kilogramm wiegt die Turbine, notfalls kann sie auch von acht Mann zu Fuß getragen werden.

Ein weiteres Problem ist die Stromversorgung, wenn ein Tropenfluss in der Trockenzeit wenig Wasser führt. Deshalb bietet Kolmsees Firma Hybridanlagen mit Fotovoltaik an: Für etwa 25 000 Euro erhält der Kunde ein Komplettpaket aus Turbine, Solarmodulen, Batterien, Einspeisegeräten, dreiwöchiger Schulung vor Ort und Fernüberwachung via Satellit. Die Anlage kann fünf Kilowatt Strom erzeugen, genug für etwa 25 Haushalte. In Puerto Leguízamo jedoch soll das Mikrokraftwerk für eine Motorboot-"Tankstelle" eingesetzt werden. "Elektromobilität auf dem Wasser" lautet ein Projekt, das Schondorf mit den Kolumbianern stemmen möchte, erklärt Herrmann: Auch die kolumbianische Binnenmarine habe schon Interesse angemeldet, denn geräuscharme Elektroboote bieten für die Einsätze im von Schmugglern geplagten Grenzgebiet zu Peru und Ecuador entscheidende Vorteile. Auf dem Besuchsprogramm der Kolumbianer steht auch noch ein Treffen mit Vertretern der Gilchinger Firma Torqeedo, die am Donnerstag ihre Elektro-Außenbootmotoren auf dem Starnberger See vorführt. Herrmann ist wichtig, dass ein Teil der Wertschöpfung des interkontinentalen Klimapartnerprojekts im Fünfseenland bleibt.

Für einen weiteren Schwerpunkt der Kooperation reist die Gruppe allerdings in die Steiermark, wo sie heute eine Schokoladenmanufaktur mit Rösterei besucht. Der Kakaoanbau in Puerto Leguízamo wäre eine Alternative zur waldvernichtenden Viehwirtschaft, der Aufbau eines fairen Verarbeitungs- und Vertriebsnetzes in Deutschland ist ein weiteres Ziel der Klimapartnerschaft. Gerade sind 120 Kilo Kakaobohnen auf dem Seeweg an den Ammersee, um damit "Schondorfer Schokolade" herzustellen. Die Kolumbianer besichtigen auch Trinkwasser-, Klär- und Solaranlagen, Schulen, einen Biohof, dazu die Wiesn. Die Schondorfer können die Delegation an diesem Donnerstag bei einer Fragestunde kennenlernen (19.30 Uhr, Grundschule).