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Garagen-Bastler:Drei Beispiele, wie sich die Corona-Auszeit kreativ nutzen lässt

Zu Hause bleiben und trotzdem eine Beschäftigung finden - dafür gibt es kaum einen besseren Ort als die Garage oder den Hobbykeller.

Wofür die Menschen im Landkreis dort die Zeit in der Zwangsquarantäne nutzen? Auf diese drei Beispiele wurde die Starnberger SZ quasi im Vorbeigehen aufmerksam.

Ein besonderes Motorrad

Die Finger schwarz und Lackreste an den Klamotten - Softwareentwickler Csaba Bacskor aus Schondorf schraubt in diesen Wochen an seinem Traum. "Jetzt bin ich im Home-Office, jetzt habe ich Zeit", sagt er. Weil die Fahrten ins Büro nach München wegfallen, kann er direkt vom Computer in die Garage wechseln und an seinem Motorrad schrauben, das er sich komplett neu zusammenstellt. Der 33-Jährige hat sich eine alte BMW R1100 RS gekauft, aus der er einen Cafe Racer machen will. "Nur der Rahmen bleibt. Ich baue eine neuen Sattel ein, einen neuen Lenker, lackiere alles neu." Dafür kombiniere er gebrauchte und neue Teile, die er sich in Web-Shops zusammengesucht hat. "Der Plan ist, dass ich zum 20. April fertig bin", sagt er. Denn dann erwartet seine Frau das zweite gemeinsame Kind - und die Garagenzeit wird wieder knapp.

Insektenhotel bauen

Lasse Döllefeld war zunächst nicht sonderlich begeistert, als die Eltern ihn und die zwei Geschwister baten, sich für die "Corona-Ferien" eine Projektarbeit zu suchen. Inzwischen ist der 13-jährige Gautinger aber mit Feuereifer daran, sein Insektenhotel fertigzustellen. "Eigentlich erneuere ich es ja nur", sagt er. Denn in die irgendwann einmal angeschaffte und auf der Hausbank abgestellte Behausung für kleinstes Getier wollten die Insekten nie so recht einziehen. "Das lag an den Tannenzapfen und der gestapelten Rinde", erklärt Lasse, der sich ein paar Videos angeschaut hat und inzwischen weiß, was Bienen und ihre Genossen brauchen: "richtige Löcher, in die keine Feuchtigkeit kann." Er hat sich verschieden große Holzklötze gesägt und im Wald kleine Stämme und Äste gesammelt, mit denen er das Haus neu bestücken will. "Die Arbeit macht Spaß, nur wenn ich etwas korrigieren muss, ist es lästig." Bis zu zwei Stunden täglich beschäftigt sich der Achtklässler mit seiner Projektarbeit. "Dass ich damit auch etwas für die Bienen tue, ist ein tolles Gefühl."

Osterhasen sägen

Die ersten Bestellungen über den Klassenchat hat Jakob Zimmerhackl aus Schondorf bereits erhalten. Der 13-Jährige hat es aber auch geschickt angestellt, denn: "Zwanzig Prozent der Einnahmen gehen in die Klassenkasse." Im Angebot sind Osterhasen-Aufsteller und -Anhänger, die er in der erweiterten Garage aus Multiplex-Platten sägt. Gewerkelt habe er schon immer viel, "zu Weihnachten habe ich mir dann eine Dekupiersäge gewünscht; damit geht das super", erzählt er. Schablonen hat er in zwei Größen angefertigt, der große Hase kostet acht Euro, kleine Anhänger drei Euro. Ganz neu im Sortiment sind außerdem Vogelanhänger. "Ich sehe ihn eigentlich kaum", sagt seine Mutter am Telefon. Denn Jakob ist die meiste Zeit in der Werkstatt. Ein Freund unterstützt ihn beim Vertrieb, fährt die Ware mit dem Fahrrad aus und kassiert. Denn der Gymnasiast hat schon wieder neue Ideen, denen er sich widmet. Er hat sich mit einem alten Waschmaschinenmotor eine Drechselbank gebaut, die er in Betrieb nehmen will. Sobald die selbst konstruierte Absauganlage fertig ist, soll es losgehen.

© SZ vom 09.04.2020

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