Fünfseen-Festival:Ohne Effekthascherei

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Fünfseen-Festival: Schauspielerin Sandra Hüller mit ihrer Laudatorin, der Regisseurin Annika Pinske (links).

Schauspielerin Sandra Hüller mit ihrer Laudatorin, der Regisseurin Annika Pinske (links).

(Foto: Nila Thiel)

Sandra Hüller erhält zum Finale des Filmfests den Hannelore-Elsner-Schauspielpreis.

Von Gerhard Summer

Ein einsames Segelboot gleitet übers abendblaue Wasser, der Halbmond hängt wie bestellt am Himmel, in der Ferne steht die Alpenkette in Reih und Glied. Jetzt wäre es schon schön, wenn der Stargast noch ein bisschen heiterer dreinschauen könnte für die Bilder. "Lachen kostet extra", sagt Sandra Hüller trocken. Tatsächlich gibt sie sich gleich ein bisschen Mühe, lässt es aber bald wieder sein. Schon klar, Sandra Hüller lacht, wenn ihr danach zumute ist, und nicht, weil es der Pulk der Fotografen so will, der sich an der kleinen Halbinsel des Seebads aufgebaut hat.

Der völlig uneitle Auftritt der Schauspielerin in Starnberg vor gut 200 Filmfestbesuchern fällt vergleichsweise kurz aus, und das hat seine Vorteile. Das sich in die Länge ziehende Frage-und-Antwort-Spiel, das Matthias Helwig, der Leiter des Fünfseen-Festivals, sonst mit den Hannelore-Elsner-Preisträgerinnen auf der Bühne führt, entfällt diesmal. Vielleicht auch, weil die anschließend zu sehende Komödie "Toni Erdmann" mit Peter Simonischek und Sandra Hüller immerhin 162 Minuten dauert. Moderatorin Katja Engelhardt vom BR stellt nur ein paar Fanfragen, wie sie sagt. Und die Laudatio der Regisseurin Annika Pinske ("Alle reden übers Wetter") kommt ebenfalls schnell auf den Punkt. Sie rühmt die 44-Jährige aus Suhl für ihr aufrichtiges und wahrhaftiges Spiel ohne Effekthascherei. Ob Hüller nun Hamlet auf der Bühne gebe, die Rita in "Madonnen" oder die Karrierefrau Ines in "Toni Erdmann" - all ihre Figuren "tragen ein radikales Geheimnis in sich und sind doch ganz nahbar und zwingen einen geradezu, in Beziehung mit ihnen zu treten". Und Hüller versuche auch nie, einem bestimmten Bild zu entsprechen.

Annika Pinske hat auch eine schöne Geschichte parat: Sie erzählt, dass sie einmal ein Foto von Hüllers winterlichem Balkon mit lauter eingeschneiten Preisen gemacht habe. Es habe sie irritiert und zugleich fasziniert, dass die mit Awards überschüttete Schauspielerin die Trophäen gleichsam vor die Tür setze.

Fünfseen-Festival: Ausgezeichnet: Hannelore-Elsner-Preisträgerin Sandra Hüller mit Festivalleiter Matthias Helwig.

Ausgezeichnet: Hannelore-Elsner-Preisträgerin Sandra Hüller mit Festivalleiter Matthias Helwig.

(Foto: Nila Thiel)

Hüller selbst, die vierte Gewinnerin des mit 5000 Euro dotierten und vom Rotary Club Starnberg gestifteten Schauspielpreises, redet kaum über sich, außer vielleicht, dass sie gerade "ein bisschen überwältigt" sei. Sie spricht vor allem über eine Zehn-Minuten-Begegnung mit Hannelore Elsner (1942 bis 2019) im Theater. Sie habe damals die Furchtlosigkeit der Charakterdarstellerin spüren können, "die man sich immer wieder erkämpfen muss". Sie sei ein "großer Fan ihrer Arbeit" und habe es als ermutigend empfunden, welche Entwicklung Hannelore Elsner nahm und welche Experimente sie in späteren Jahre wagte. Auf Katja Engelhardts Frage, was sie sich von der Filmbranche wünsche, plädiert Sandra Hüller für nachhaltigere Produktion und für einfache Geschichten, die an ihrem Entstehungsort gedreht werden sollten. Sie habe aber vor allem einen Wunsch ans Publikum, sagt sie: "dass es öfter kommt" und sich vom Kino überraschen lasse.

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