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Fünfseen-Filmfestival:Minimalisten am Werk

Gauting: fsff Lyrikabend

Der eine liest, der andere spielt: Anton G. Leitner (re.) aus Weßling und Josef Brustmann aus Waldram beim Lyrikabend in Gauting.

(Foto: Nila Thiel)

Der Lyrikabend mit dem Dichter Anton G. Leiter und dem Musikkabarettisten Josef Brustmann

Von Carolin Echterbeck, Gauting

"Bewegung und Stillstand", so heißt das Motto des 14. Film-Festivals. Bewegung zieht sich auch durch die Gedichte des Lyrikers Anton G. Leitner und des Musikkabarettisten Josef Brustmann. Im Gautinger Kino geht es nämlich am Mittwochabend um Aufbrüche, Ausbrüche oder auch mal eine verunglückte Autofahrt. Die beiden wechseln sich mit zehnminütigen Solobeiträgen ab und unterhalten das Publikum mit bayerischer und hochdeutscher Sprachkunst. Brustmann unterstützt die Poesie mit Musik auf der Zither.

Die beiden sind ein eingespieltes Team. Sie kennen sich so lange, dass beide erst nachdenken müssen, bevor ihnen einfällt, wo sie sich kennengelernt haben: Vor mehr als zehn Jahren hatte Festivalleiter Matthias Helwig die Künstler zu einem Lyrikabend mit Schauspielerin und Kabarettistin Marianne Sägebrecht eingeladen. Brustmann schickte Leitner seine Gedichte zu. Und Leitner veröffentlichte sie prompt in seinem 20. Jubiläumsband. "Ab dann haben wir uns nicht mehr losgelassen", erzählt Leitner.

Die Poesie des Weßlingers ist teils humoristisch, teils nachdenklich. Ein Gedicht ahmt ein Gespräch zwischen zwei bayerischen Männer nach, die Leitner während eines Aufenthalts in einer Reha-Klinik mitgehört hat. Ein anderes erzählt von einer Mutter, die das Gas- und Bremspedal des Autos verwechselt und ins Schaufenster eines Schuhgeschäfts fährt - angeblich eine wahre Begebenheit. Trotzdem gibt's es auch Zeilen, die heiter daherkommen und zum Nachdenken anregen: "Fliegen lernen. Wie soll das Leben leichter werden, wenn du so schwer bist?"

Auch Brustmann spielt mit der Mischung aus Humor und Sinnlichkeit. "Vom Mond tropft honiggelbes Licht ins Hügelland uralter Nächte" sind Zeilen aus einem Geburtstagsgedicht für seine Frau, mit denen er versonnene Stimmung erzeugt. Mit einem amerikanischen Schlaflied samt Jodeleinlagen bringt er das Publikum wieder zum Lachen. Zuletzt leitet er mit seiner Version eines Tom-Waits-Songs in den anschließenden Film ein, den die beiden mit Helwig ausgesucht haben: "Down By Law", ein märchenhafter Klassiker vom US-amerikanischen Regisseur Jim Jarmusch, der 1986 in New Orleans spielt. Die Titelmusik stammt von Tom Waits, der zudem den Radio-DJ Zack spielt.

Jarmuschs Minimalismus passt zu Brustmann und Leitner: "Down By Law" beschränkt sich auf wenige Personen und einfache, enge Räume, Jarmusch hat in Schwarzweiß gedreht, weil Farben ablenken würden. Auch Brustmann und Leitner genügen ein paar Wörter für ihren Blick auf den Alltag.

© SZ vom 04.09.2020

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