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Fünfseen-Filmfestival:Lebensgefährliches Geschäft

Gauting Kino FSFF 2020, Horizonte Filmpreis

Ausgezeichnet: Regisseur Shaheen Dill-Riaz (mi.) mit Tochter Kantom Azad und Ehefrau Rukhsana, Matthias Helwig und Sophie von Wiedersperg (re.).

(Foto: Georgine Treybal)

Regisseur Shaheen Dill-Riaz aus Bangladesch gewinnt mit seiner Natur- und Sozialdoku "Bamboo Stories" den Horizonte-Preis

Von Lea Kropff, Gauting

Die Auszeichnung, die Shaheen Dill-Riaz mit seinen "Bamboo Stories" von 2019 gewinnt, hat es in sich. Für den Horizonte-Filmpreis, der am Montagabend im Kino Gauting verliehen wurde, gilt nämlich ein besonderes Kriterium: Er soll ein Zeichen setzen für die gesamte Ausrichtung des Festivals. "In den Präambeln für den Horizonte-Preis stehen die Themen Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichstellung geschrieben. Generell gleiche Rechte, zwischen Geschlechtern zum Beispiel, aber auch zwischen Mensch und Natur ", sagt Festivalleiter Mathias Helwig zu Beginn des Abends.

Leider würden diese Filme, oft Dokumentationen, in der Regel nicht so gut angenommen, bedauert Helwig. Im Rennen um den Preis des Fünfseen-Festivals waren diesmal acht Filme, die alle keine leichten Stoffe behandeln und zum Teil auch Enthüllungsgeschichten sind. Themen sind etwa die harten Arbeitsbedingungen für osteuropäische Gastarbeiterinnen in der deutschen Fleischindustrie ("Regeln am Band") und der Kampf gegen Malaria in Afrika, in dem es den Pharmakonzerne nur um Profit geht ("Das Fieber").

Wie viele andere Auszeichnungen des Filmfests ist der Horizonte-Preis ein Publikumspreis. Und die Zuschauer fällten ein klares Urteil für "Bamboo Stories" von Regisseur und Dokumentarfilmer Dill-Riaz. Der Film habe keine einzige Negativstimme bekommen, so Helwig, und das bei vier Vorstellungen während des Festivals. "Bamboo Stories" erzählt die Geschichte von einer Handvoll Männern, die seit Generationen Bambusstämme mit riesigen Flößen aus dem Dschungel Bangladeschs in die Hauptstadt Dhaka befördern - über 300 Kilometer, flussabwärts. Ihr Geschäft ist lebensgefährlich, weil der Fluss Poshur unberechenbar ist und an den Ufern Flusspiraten und Diebe warten.

Mit seinen atemberaubenden Bildern aus der Vogelperspektive und den in langen Einstellungen verharrenden Aufnahmen vom bangladeschischen Dschungel hat der Dokumentarfilm beim Publikum einen besonderen Eindruck hinterlassen. Shaheen Dill-Riaz, der den Preis zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter entgegennahm, ist in Bangladesch geboren und aufgewachsen,. Er arbeitete in der Hauptstadt als Filmjournalist, bevor ihn die junge Filmszene nach Berlin zog.

Mit seinen bisherigen Filmprojekten konnte er bereits internationale Erfolge feiern. 2010 bekam er mit "Eisenfresser" den Grimme-Preis in der Kategorie Information und Kultur verliehen. "Eisenfresser" ist eine Doku über Saisonarbeiter in Bangladesch, die, um der Hungersnot zu entgehen, per Hand Industrieschiffe in ihre Einzelteile zerlegen.

Dieses Jahr wurde der mit 2000 Euro dotierte Horizonte-Filmpreis durch die Gleichstellungsstelle des Landratsamtes Starnberg gefördert. Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Sophie von Wiedersperg, richtete ihren Dank an Helwig: "Er ist jemand, der keine Angst vor unangenehmen Themen hat." Ob es sich für ihn und seine Kinos finanziell lohne oder nicht - "für die wichtigen Themen wie soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung hat er nicht nur offene Ohren, sondern auch offene Türen." Die Dokumentation des Preisträgers Dill-Riaz hat Helwig auch in sein aktuelles Kinoprogramm aufgenommen. Sie wird nach dem Ende des Festivals am 9. September noch im Lichtspielhaus in Gauting zu sehen sein.

© SZ vom 09.09.2020

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