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Fünfseen-Filmfestival:Kino - ein Schattenspiel

Ana Stefanidis, Stefan und Anna Fichert zeigen ihr eigens fürs Festival konzipiertes Stück

Von Blanche Mamer, Gauting

Eine weiße Leinwand als Spielschirm, seitlich zwei schwarze Stoffpanele, um das Licht abzuhalten, Scheinwerfer, Platz hinter der Leinwand - und fertig ist die Bühne für das Schattenspiel "Als die Bilder laufen lernten". Eigens für das Fünfseen-Filmfestival haben die Puppet Players - Stefan Fichert, Anna Fichert und Ana Stefanidis - das Stück konzipiert, mit dem sie vor der Vorstellung von Tom Tykwers "Lola rennt" am Mittwochabend auf der Treppe vor dem Kino in Gauting auftreten.

Gauting: fsff Schattentheater

"Rauchen kann tödlich sein": Szene aus dem Schattenspiel der Puppet Players.

(Foto: Nila Thiel)

Es ist gerade 21 Uhr und schon fast richtig dunkel, als Ana Stefanidis dem Publikum erzählt, wie es zu ihrem Beitrag zum Filmfestival gekommen ist. Das klingt wie eine gut ausgedachte Geschichte, doch Stefanidis und Fichert betonen, dass es sich so zugetragen hat. Also: Bei einer Bergwanderung auf den Rabenkopf sei sie plötzlich vor Stefan Fichert gestanden, erzählt Stefanidis. "Wir stehen da in der prallen Sonne, und nach dem ,Wie geht's, was machst du so' fragt er mich, ob ich mitmachen wolle bei einem Projekt für das Fünfseen-Filmfestival von Matthias Helwig. Wer ist Matthias Helwig? Kenn ich nicht!" Als das geklärt war, sei ihr zum Motto "Bewegung und Stillstand" als erstes der Film "Lola rennt" von Tom Tykwer eingefallen. Die rote Mähne von Lola (Franka Potente) war ihr im Gedächtnis geblieben. Und natürlich das Rennen. Sie und Fichert haben freie Hand, also ist schnell klar, dass ihr Beitrag ein Schattenspiel wird.

Publikumserfolg

Die "Special Edition" des Fünfseen-Filmfestivals erweist sich als Erfolgsmodell. Intendant Matthias Helwig sagte bei der Verleihung des Dokufilmpreises am Mittwoch, dass bereits jetzt 9500 Besucher in die Kinos geströmt seien. Dabei habe er gedacht, er könne von Glück reden, wenn zu dem 15-tägigen Fest insgesamt 7000 Zuschauer kommen.sum

Die Puppet Players, ursprünglich Susanne Forster und Stefan Fichert, haben seit ihrer Gründung 1976 zirka 40 Projekte inszeniert, vom Handpuppenstück zum großformatigen Schattenspiel, vom Marionettentheater zur Klangfiguren-Performance. Nun also die Idee für ein filmaffines Schattenspiel. Es wird improvisiert, ausprobiert, bis das Stück Hand und Fuß hat. Es passt alles am Mittwochabend, es ist zwar kühl, doch der Regen hat aufgehört, und es drängen sich etwa 30 Zuschauer vor dem Eingangsbereich des Gautinger Breitwand-Kinos.

Als erstes kommt eine schwere Dampflok auf das Publikum zu, wird größer und größer. Ein Mobile aus verschieden farbigem Glas dreht sich und gibt den Rhythmus vor für die Füße, die in der Luft strampeln und luftradfahren. Hände flattern über den Schirm, seltsame Tiere, Wesen mit zwei Köpfen, bucklige Figuren die mit spitzen Fingern nach der Hand greifen, die sie streicheln will ...

Es sind fast surreale Bilder, die sich auf der Leinwand entwickeln, bis sie schließlich wieder figürlich werden. Ein Cowboy reitet durchs Bild, zündet sich eine Zigarette an, wird erschossen. Ein Insert zeigt an: "Rauchen kann tödlich sein." Es sind alles Reminiszenzen an alte Filme, Slapsticks und Werbung - nicht nur eine richtig gut gelungene Einstimmung auf "Lola rennt" von 1998, sondern ein eigenständiges Kunststück zum Kino.

© SZ vom 04.09.2020

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